Vom Pflegenotstand weit entfernt

Klinikum Landsberg: So wirkt man dem Pflegenotstand entgegen

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Pflegedienstdirektor Andreas Winklhofer und sein Team vom Landsberger Klinikum.

Landsberg – Bundesweit fehlen mindestens 70.000 Pflegekräfte. Allein in Bayern schon rund 12.000. Das sagen die Initiatoren des Volksbegehrens ‚Stoppt den Pflegenotstand‘. In vielen Kliniken seien die Zustände schwierig, manchmal sogar katastrophal. Im Landsberger Klinikum sei man jedoch von einem Pflegenotstand weit entfernt, meint der Vorsitzende Marco Woedl. Wie genau die Situation in Landsberg ist haben er und der Pflegedienstdirektor Andreas Winklhofer nun im Gespräch mit dem KREISBOTEN erklärt.

„Es sind so gut wie alle Stellen besetzt.“ So die gute Nachricht von Woedl vorab. Konkret bedeutet das, dass eine Pflegekraft sich in ihrer Schicht im Schnitt um zehn Patienten kümmert, wie Winklhofer erklärt. Zum Vergleich: Eine Studie der Hans-Höckler-Stiftung hat ergeben, dass Krankenpfleger in Deutschland im Schnitt 13 Patienten betreuen. Allerdings gibt es auch Länder, in denen der Schnitt deutlich besser ist. In der Schweiz kommen nur rund acht Patienten auf eine Pflegekraft, in den Niederlanden 6,9 und in den USA sogar nur 5,3.

„Auf der Intensivstation haben wir sogar eine Überbesetzung“, erzählt Winklhofer. Den vom Volksbegehren geforderten Personal-Patienten-Schlüssel von 1:1 bis maximal 1:3 erfülle man in Landsberg bereits. Der Vorteil: „Wir können bei Bedarf auch mal eine Pflegekraft von der Intensivstation auf eine der anderen Stationen versetzen.“

Auch der im Klinikum etablierte ‚Standby-Modus‘ schafft schnell Abhilfe, falls jemand mal krankheitsbedingt ausfällt. So gibt es immer Pflegekräfte, die in Bereitschaft sind und bei Bedarf einspringen können.

In anderen Kliniken, in denen es das nicht gebe, müsse man alle Pflegekräfte abtelefonieren, die eigentlich frei haben, und hoffen, dass jemand einspringen kann, berichtet Woedl.

Ein Problem, das auch das Landsberger Klinikum vor eine Herausforderung stellt, ist die hohe Fluktuation. „85 Prozent unserer Pflegekräfte sind Frauen“, sagt Winklhofer. Schwangerschaften, Elternzeiten & Co. sorgen dafür, dass immer wieder Pflegerinnen wegfallen.

Um es den Müttern zu erleichtern, trotz Kind zu arbeiten, will man schon bald eine Art „Familienschicht“ einführen. Tägliche Arbeitszeiten von acht bis um 12 Uhr sollen dafür sorgen, dass man die Kinder morgens in den Kindergarten oder die Schule bringen kann und mittags wieder zu Hause ist. Für den Vorstand ist ganz klar, dass ein starres Festhalten am Drei-Schicht-System nicht zielführend ist: „Wir müssen uns nach den Menschen im System richten.“

Das erfordere viel Planung, weil die Arbeiten vom Nachmittag auf den Vormittag verschoben werden müssten. Aber man arbeite schon kräftig an der Umsetzung, wie Woedl verrät. Bewerben können man sich deshalb auf diese Stellen bereits.

Eines der wichtigsten Mittel gegen den Pflegenotstand sieht Woedl in der Ausbildung neuer Fachkräfte. Pflegekräfte, die direkt vor Ort ausgebildet wurden, hätten auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie dem Klinikum erhalten bleiben. Momentan bietet das Klinikum 66 Ausbildungsplätze an. In Zukunft will man auf 96 erhöhen.

Die Erhöhung ist auch deshalb möglich, weil es dem Klinikum nicht an Bewerbern mangelt. Auf 22 freie Plätze pro Jahr kämen rund 100 Bewerber, wie Woedl zu berichten weiß.

Pflegekräfte aus dem Ausland zu akquirieren, davon hält der Vorstand im Übrigen nichts. „Das Problem ist, dass man viel investieren muss, um sie sprachlich und fachlich auf das richtige Niveau zu bringen. Und dann gehen die meisten in der Regel wieder.“ Es sei daher einfach nicht nachhaltig.

Ein großer Kritikpunkt, der immer wieder aufkommt, ist das Gehalt für Pflegekräfte. Pflegedienstdirektor Winklhofer versichert allerdings, dass das kein Problem in Landsberg sei. Am Klinikum würde nach Tarif bezahlt. „An den meisten privaten Kliniken ist das nicht der Fall“, wie Woedl ergänzt.

Sieht man sich die aktuelle Entgelttabelle im Bereich Pflege an, kommt man im mittleren Segment auf ein Durchschnittsgehalt von rund 3.500 Euro brutto. Natürlich variieren die Gehälter stark nach der jeweiligen Stufe und Entgeltgruppe. 2020 wird es eine Erhöhung des Tarifes geben.

Eine wichtige Änderung für das Klinikum in Sachen Gehälter hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Weg gebracht. „Jede zusätzliche Kraft, die wir einstellen wird vom Bund finanziert“, erklärt Woedl. Konkret bedeutet das, dass theoretisch jeder Bewerber im Klinikum auch eingestellt werden kann. Winklhofer meint dazu: „Seit 20 Jahren sehe ich das erste Mal, dass es in eine positive Richtung geht.“

Es scheint also alles gut zu laufen im Landsberger Klinikum. Da sind sich der Vorstand und der Pflegedienstdirektor einig. Winklhofer ist zwar erst seit April in Landsberg. Als Dienststellenleiter hat er aber schon 15 Jahre Erfahrung – und da habe er schon anderes erlebt.

Horrornachrichten wie etwa, dass bald die Patientensicherheit nicht mehr gegeben sei, hält Woedl für „Panikmache“. Zumal man nicht verallgemeinern dürfe. Natürlich sei die Situation in einer Großstadt anders als wie in einem ländlicheren Gebiet. Trotzdem bestünde auch in München keine Gefahr, dass die Patienten nicht mehr sicher seien.

Stephanie Novy

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