Der Sänger und Extremsportler zu Gast in Windach

Mit Joey Kelly zum Ziel

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Ein Star zum Anfassen: Joey Kelly in Windach.

Windach – Er läuft quer durch die Wüste und quer über den Südpol, marschiert ohne Geld und Proviant durch ganz Deutschland oder rennt 24 Stunden gegen eine Rolltreppe an: Immer wieder stellt sich Joey Kelly extremen Herausforderungen – und meistert sie. Zwischenzeitlich feiert er mit der Kelly Family auch musikalisch wieder Erfolge. Kein Wunder also, dass der Saal im Windacher Schlossgasthof bis auf den letzten Platz gefüllt war, als Kelly dort mit seinem Vortrag „No Limits – wie schaffe ich mein Ziel“ zu erleben war.

Ganz in Schwarz gekleidet, unprätentiös und witzig trat Joey Kelly vor sein überwiegend weibliches Publikum. „Keine Angst, ich singe nicht“, so sein Einstieg. Und warum auch singen, wenn man so viel zu erzählen hat. Kelly tat dies mit einer angenehmen Portion Selbstironie. Seine paar extra Kilos, die man bei einem Marathonläufer nicht unbedingt erwarten würde, stören ihn nicht. „Besser fett und fit als schlank und schlapp.“ 

Er ist 45 und noch lange nicht am Ende seiner sportlichen Ambitionen angelangt. Er will noch viele Ultrawettkämpfe bestreiten, noch viele Spendenläufe für Kinder in Not absolvieren. Nächstes Jahr wird er von Berlin nach Peking marschieren, ohne Essen, ohne Geld. "Ich hab' keine Angst." Denn Hunger, so hat er festgestellt, "ist nichts anderes als die Hysterie des Körpers". Kelly will sich wieder und wieder beweisen, was er eigentlich längst weiß: "Der Kopf steuert den Körper. Wir setzen uns oft Grenzen, die gar nicht da sind." 

No Limits, keine Grenzen - dieses Motto hat er in seiner unkonventionellen Kindheit schon mit der Muttermilch aufgesogen. Der alternative Lebensstil der kinderreichen Kellys mit Vater Dan als patriarchalischem Oberhaupt ging vielfach durch die Presse, als die Familie die Charts zu stürmen begann. Die Kinder wurden nicht in die Schule geschickt. Die Familie reiste mit einem ausrangierten Londoner Doppeldeckerbus durch Europa, zog später in ein Hausboot auf dem Rhein und noch später in ein Schloss. Doch bevor der Erfolg kam, lebten die Eltern und die zwölf Kinder von Straßenmusik. "Wir hatten nichts", so Joey Kelly. "Aber wir waren ein Team, wir hatten einen Traum." Nie hätten seine Eltern daran gezweifelt, dass der Erfolg eines Tages kommen würde. Und er kam - Plattenverträge, Chartplatzierungen, Reichtum. Da Vater Kelly den Banken misstraute, lagerten Millionen Mark in Münzen auf dem Hausboot. So war das halt.

Nach dem Tod des Familienoberhaupts im Jahr 2002 gingen die Kinder ihre eigenen Wege. "Und das war auch gut so", weiß Joey Kelly heute. Auf das Thema Triathlon war er durch seine Schwester Patricia aufmerksam geworden. "Damals wusste ich noch nicht mal, in welcher Reihenfolge man das macht." Er fand es heraus. Blamierte sich bei seinem ersten Wettkampf-Versuch, weil er völlig unvorbereitet antrat. "Ich dachte, ich bin jede Woche in der 'Bravo', ich schaff' das auch ohne Training." Ab diesem Zeitpunkt entdeckte er den Ausdauersport als idealen Begleiter zum Berufsalltag im Musikgeschäft und baute ihn in sein Leben ein - auch wenn das hieß, im Anschluss an ein Konzert noch die Laufschuhe zu schnüren. "Ich kenne jede Stadt bei Nacht." Bald jagte ein Ultra-Wettkampf den nächsten. Acht Mal innerhalb eines Jahres mutete sich Kelly den Ironman-Triathlon zu, mehrmals absolvierte er den Badwater Run durch das über 40 Grad heiße Death Valley in den USA. Ein entsetztes Raunen ging durchs Publikum, als Bilder seiner ramponierten Fußsohlen auf der Wand erschienen. 

Dass Sport in dieser Härte der Gesundheit langfristig eher schadet, weiß der 45-Jährige. "Bis jetzt habe ich keine Probleme, aber irgendwann bekomme ich die Rechnung, das weiß ich." Insofern empfiehlt er sein Beispiel nicht zur Nachahmung. Seine Botschaft ist eine andere: Ziele verfolgen und für sie brennen, die eigene Komfortzone verlassen, nicht jammern - dann geht alles. Ein weiteres wichtiges Motto für den Musiker: "Gib mehr als du nimmst." Das tat er auch an diesem Abend in Windach. Nach seinem Vortrag verschenkte er signierte CDs und posierte geduldig für unzählige Fotos mit Fans.

Ulrike Osman

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