Fehlendes Grundvertrauen?

Andreas Horber will doch nicht Bürgermeister werden

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Bevor es so richtig zur Sache geht, hat Andreas Horber bereits das Handtuch geworfen: Er möchte bei der Kommunalwahl in Denklingen doch nicht als Bürgermeisterkandidat der CSU antreten.

Denklingen – Eigentlich war er schon als Nachfolger für die Bürgermeisterkandidatur gesetzt, da Amtsinhaberin Viktoria Horber aus Altersgründen nicht mehr antritt. Nun wirft der potenzielle Nachfolger das Handtuch. Andreas Horber (CSU) steht für die Bürgermeisterwahl doch nicht zur Verfügung.

Wer sich in der lokalen Politik engagiert, der kann schnell in die Situation geraten, zwischen Baum und Borke zu stehen. Einerseits ist man vom Bürger gewählt, um dessen Interessen zu wahren, andererseits wurde man auch gewählt, um eine Gemeinde weiter zu entwickeln und für die Zukunft sattelfest zu machen. Genau in dieser Konfliktsituation befand sich Ge­- meinderatsmitglied Andreas Horber (CSU).

Horber ist nicht politikmüde. Aber er sieht, dass das Grundvertrauen in die Arbeit der Lokalpolitiker und auch speziell in das Amt des Bürgermeisters seitens der Bevölke­rung nicht mehr gegeben ist. Seine Entscheidung, nicht zu kandidieren, begründet er gegenüber dem KREISBOTEN aber nicht nur mit dem fehlenden Grundvertrauen. Es gibt auch persönliche und private Gründe, sagt er. Dabei sind es weniger die Auseinandersetzungen um Sachfragen als die Art und Weise, wie diese ausgetragen werden. Horber: „Ich habe für mich eine Gesamtbewertung gemacht.“

Exemplarisch für die Art und Weise der Auseinandersetzungen nannte Horber den geplanten Windpark, die Rathausdis­- kussion oder auch die geplanten Umbauten der Mehrzweckhalle. Obwohl die Beschlüsse vom Gemeinderat mit großer Mehrheit gefasst worden seien, stießen sie nicht immer auf das Verständnis in der Bevölkerung. „Keiner will 50 Windräder bauen“, sagt Ratsmitglied Horber, doch es sei schwierig zu erklären, dass dies ja nur die Größenordnung auf der überplanten Fläche darstelle. „Wir trauen euch nicht“, so empfindet ein nachdenklicher Andreas Horber die Stimmung in der Bevölkerung.

Gemeinderäte opfern viel Zeit für ihr Ehrenamt, bestätigt der Familienvater. Eine Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters war für Horber auch eine Risikoabwägung. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt er, „das würde ich aufs Spiel setzen“. Denn eine Wiederwahl in sechs Jahren garantiert ihm niemand und ob er dann wieder in seinem alten Beruf arbeiten könnte, steht auch in den Sternen.

Dazu kommt noch ein Trend, der Horbers Entscheidung mitbeeinflusst hat. „Ich weiß von vielen Bürgermeistern im Landkreis, dass die Arbeit im Gemeinderat oder als Bürger­- meister auch negative Auswirkungen auf die Familie hat“; nicht selten würden sie „angefeindet“. Diese Erfahrung kann auch Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg bestätigen, der in der jüngsten Bürgerversammlung gegen den Windpark nicht nur frontal angegangen und ausgepfiffen wurde. Auch er kennt Fälle, dass Familien der Räte feindselig behandelt würden, allerdings nicht in seiner Gemeinde.

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„Wir bedauern deinen Entschluss, können es aber verstehen“, hätten ihm viele Freunde, Parteikollegen und Mitbürger nach seinem Entschluss gesagt, berichtet Andreas Horber. Derweil sucht man in Denklingen händeringend nach Kandidaten für das Bürgermeisteramt und damit die Nachfolge von Viktoria Horber.

Siegfried Spörer

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