Banken-Zoff im Lechrain:

Geordneter Rückzug mit Perspektive für die Konkurrenz?

+
Volles Haus: Rund 180 Bürger kamen ins Bürgerhaus Pflugdorf-Stadl, um über die Schließung der örtlichen Bankfiliale zu diskutieren.

Pflugdorf – Zum Jahresanfang schließt die VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg ihre Niederlassungen in Dettenschwang, Stadl, Reichling und Rott. Die Kunden ärgert das – in Dettenschwang läuft eine Unterschriftenaktion, in Stadl fand eine gut besuchte Protestveranstaltung statt. Die Vertreter der in Starnberg ansässigen Genossenschaftsbank mussten sich vielen kritischen Fragen stellen.

Eine offizielle Einladung hatte die Bank nicht erhalten – trotzdem erschienen Vorstandsvorsitzender Peter Geuß sowie seine Kollegen Manfred Stagl und Josef Pölt am Donnerstagabend vor gut 180 Besuchern im Bürgerhaus Pflugdorf-Stadl. Organisator Josef Arnold brachte auf den Punkt, was offenbar viele Bürger denken. „Man hat uns nicht die ganze Wahrheit gesagt.“

Als 2015 die Starnberger VR-Bank mit der damaligen Raiff­eisenbank Lech-Ammersee und der Raiffeisenbank Südöstlicher Starnberger See fusionierte, habe man den Kunden versprochen, dass sich fünf Jahre lang nichts ändern werde. Gerade für ältere Leute sei eine Bank vor Ort wichtig, denn sie bedeute „ein Stück Selbstständigkeit“. Statt nur auf die Profitabilität zu schauen, solle die Bank mehr an das Wohl ihrer Kunden denken. „Herr Raiffeisen würde sich im Grab umdrehen.“

Vorstandsvorsitzender Peter Geuß räumte im Bürgerhaus ein, dass man seinerzeit angekündigt hatte, keine fusionsbedingten Schließungen vorzunehmen. Die Banken befänden sich jedoch in einem existenziellen Umbruch. Durch eine Reduzierung der Öffnungszeiten in Stadl von fünf auf zwei Tage habe man versucht, die Kundenfrequenz zu erhöhen. „Aber die Auslastung ist immer noch nicht genug.“ Vorstand Josef Pölt ergänzte, dass inzwischen 40 Prozent der Bankgeschäfte ohne Mitarbeiterkontakt abgewickelt würden.

Ein Zuhörer brachte das Henne-Ei-Prinzip ins Spiel und stellte die Frage, was zuerst kam –die kontinuierliche Verringerung der Geschäftszeiten oder die Zunahme des Online-Bankings. Er habe sich jedenfalls in der örtlichen Zweigstelle „immer weniger willkommen“ gefühlt.

Mehrere Anwesende äußerten sich verärgert über die Tatsache, dass die Niederlassung in Thaining bestehen bleibt, obwohl sie – im Gegensatz zur Filiale in Stadl – keinen behindertengerechten Zugang habe und auch sonst schlechter ausgestattet sei. Die Thaininger Filiale werde jedoch deutlich mehr genutzt, erwiderte Pölt.

Geldautomat und Kontoaus­zugsdrucker sollen in Stadl vorerst erhalten bleiben. Doch auch sie brauchen eine gewisse Auslastung, um kostendeckend betrieben werden zu können. Deshalb hatten viele Zuhörer die Sorge, dass über kurz oder lang auch die SB-Geräte verschwinden würden – erst recht, als Pölt anmerkte, „der Automat in Stadl ist der schlechteste von 53 Automaten“. Bleibe die Auslastung jedoch auf dem derzeitigen Stand, werde man ihn „die nächsten Jahre aufrechterhalten“, versicherte der Vorstand auf eine bohrende Nachfrage von Bürgermeister Albert Thurner.

Auf Unverständnis stieß die Tatsache, dass nach wie vor interne Abteilungen in Stadl untergebracht sind und hier offenbar vorerst auch bleiben sollen. „Die Raiba hat hier ein Gebäude, sie betreibt hier Abteilungen – ich verstehe immer weniger, warum Sie die Filiale schließen“, so ein Bürger. „Oder ist der wahre Hintergrund, dass Sie Arbeitsplätze abbauen?“

Ebenfalls anwesend waren Ver­treter der VR-Bank Landsberg-Ammersee. Deren Vorstandvorsitzender Stefan Jörg hielt ein flammendes Plädoyer gegen die Schließung von Zweigstellen – trotz der derzeitigen Herausforderungen, denen sich die Banken gegenüber sehen. „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.“ Allein die Frequentierung einer Filiale sollte in seinen Augen nicht entscheidend für deren Fortbe­stand sein. „Wir bleiben in der Fläche, solange unsere Kunden mit uns Geschäfte machen – egal, auf welchem Weg.“

Auf der einen Seite eine Bank, die eigentlich gehen will, und auf der anderen eine, die kommen möchte, aber nach den Gepflogenheiten der Raiffeisen-­Familie „nicht darf“ – dieses Dilemma sah Bürgermeister Thurner. Er wünschte sich deshalb Gespräche zwischen den beiden Genossenschaftsbanken. „Ein geordneter Rückzug der Starnberger und ein Kommen der Landsberger ist vielleicht das Beste für uns“, sagte der Rathauschef unter dem Applaus der Anwesenden. „Ich möchte, dass in unserer Gemeinde eine Filiale mit vollem Service-Angebot bestehen bleibt.“

Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesen

Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Ein Rathaus mit Flügeln
Ein Rathaus mit Flügeln
Obermühlhausen hat jetzt eine Kinderfeuerwehr
Obermühlhausen hat jetzt eine Kinderfeuerwehr

Kommentare