Wächst Landsberg mit Edeka? – Bürgermeister Dr. Bühler bietet Kauferinger Fläche an – Grüne sind sich nicht einig

Die Grünen in der Marktgemeinde sprechen sich mehrheitlich gegen das geplante Edeka-Logistikzentrum aus. Gabriele Triebel bekräftigte vergangene Woche, dass die mit der Edeka-Ansiedlung einhergehende Effizienzsteigerung des Biomasseheizkraftwerks nicht im Verhältnis zu dem Flächenverbrauch stehe. Bürgermeister Dr. Klaus Bühler hat bezogen auf dieses Projekt vor allem den ökologischen Ansatz im Fokus. Als Zuckerl für die Stadt Landsberg, die bei der Edeka-Entscheidung ein gewichtiges Wort mitzureden hat, schlug er vor, das gesamte Areal an die Lechstädter abzutreten, wenn dies gewünscht sei. Damit würde Landsberg die Gewebesteuereinnahmen von geschätzten 500000 Euro allein kassieren und Kaufering könnte Edeka mit Energie beliefern.

Vor allem die von Edeka anvisierte Fläche von rund 25 Hektar, 1,4 Prozent der Gemeindefläche, liegt den Grünen schwer im Magen. „So wird das Gesamtbild Kauferings zerstört. Ich habe das Gefühl, nicht mehr atmen zu können, da die Freiräume immer enger werden“, beschreibt Triebl. Damit einhergehen würde ein Verlust an Planungsspielräumen für zukünftige Entwicklungen. In der zu erwartenden Lärmbelastung, vor allem im Kontext mit der hohen Belastung durch Lagerlechfeld, Penzing, Klausner, A96 und B17neu sieht Triebel negative Vorzeichen, ebenso in der nicht mehr vorhandenen optischen Trennung Kauferings von Landsberg. „Die Relation von Flächenverbrauch zu den zu erwarteten Arbeitsplätzen ist völlig inakzepta- bel“, so Triebel. Damit traf sie auch den Nerv der zum Monatstreff erschienen Parteikollegen. "Augenwischerei" Drastischer formulierte Grünen-Abgeordneter und Stadtrat Ludwig Hartmann seine Sicht der Dinge: „Hoffentlich macht Landsberg da nicht mit.“ Vor allem die Energieversorgung aus Biomasse sei in Bezug auf Edeka „ökologische Augenwischerei“. Auch eine Betrach- tung der gesamten Energieeffizienz für die Kälteerzeugung liefere eine extrem schlechte Bilanz, wie auch der BN-Kreisverband in seiner Stellungnahme bestätigt: „Die Kälteerzeugung durch das Biomasseheizkraftwerk mittels Absorptionskälte- anlagen benötigt etwa die 50-fache Fläche zur Produktion der Energie verglichen mit einer Kälteerzeugung in Kombination mit einer photovoltaischen Stromerzeugung.“ Zudem glaubt Hartmann nicht, dass die Masse an Hackschnitzeln aus der Region ausreichen werde, um den nötigen Bedarf tatsächlich zu decken. Grünen-Landtagschef Sepp Dürr ist da anderer Meinung: Die Auslastung des Kraftwerkes auf diese Art sei eine bestechende Idee – jedoch um welchen Preis? Sepp befürchte, dass dieses Projekt eine Nummer zu groß für die Lechgemeinde sei, „denn heutzutage ist unbebaute Fläche unser kostbarstes Gut.“ Sich aber so hart auf die Marktgemeinde einzuschießen, wie etwa sein Parteikollege Hartmann, findet er übertrieben. Man könne froh sein über den Fortschritt der sich in Kaufering mit Errichtung des Biomasseheizkraftwerkes etabliert habe. Gemeinderat Hans-Jörg Pilz sieht bislang keinen triftigen Grund, der gegen das Logistikzentrum spricht. Darüber hinaus werde die Fläche früher oder später verbaut, das zeige die Entwicklung der letzten Jahre zeigen. Sommerloch stopfen Bürgermeister Dr. Bühler warf noch einmal gewichtige Argumente in die Runde, die aus seiner Sicht für eine Ansiedlung Edekas sprechen. Sein Hauptargument: Das Sommerloch im gemeindeeigenen Biomasseheizkraftwerk stopfen. Mittels Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung könnte Edeka mit Energie aus dem Kraftwerk seine Kühlanlagen betreiben. Bühler betonte, dass es ihm vor allem um eine ökologische Lösung gehe, auch wenn Gewerbesteuereinnahmen von rund einer halben Million Euro, vier Millionen Euro Erlös aus dem Grundstücksverkauf sowie rund 500 Arbeitsplätze zu erwarten seien. Bühler untermauerte seine Ausführungen damit, dass er die Gewerbsteuereinnahmen zur Hälfte an Landsberg abzutreten würde, auch wenn diese nur rund ein Drittel der Fläche zur Verfügung stellen würde. Von Gemeindegrenzen halte er ohnehin nicht viel, so Bühler, er würde das komplette Areal auch an die Lechstadt abgeben: „Es tut uns nicht weh, wenn das Eck eines Tages Landsberg gehört.“ Am heutigen Mittwoch wird das Projekt „Edeka“ Thema im Marktgemeinderat sein. Laut Bühler soll die Beschlussfassung vorweg bereits positiv formuliert sein, gespickt mit einer Anzahl an Aufträgen für die Verwaltung. Diese soll unter anderem prüfen, inwieweit vor allem der Lärmschutz eingehalten werden kann – immerhin neben einer Absage aus Landsberg das zweite mögliche K.o.-Kriterium.

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