"Wärme läuft nicht davon"

„Wir haben einen Investor, wir sind bei der Geothermie mit dabei.“ Das hatte Bürgermeister Herbert Kirsch auf drei Ortsteileversammlungen verkündet. Wie schnell die Nachricht von gestern überholt sein kann, zeigte sich wenig später: Der Investor hat sich zurückgezogen – die Finanzkrise ist damit in der Marktgemeinde angekommen.

Noch in der Vorwoche war Geothermie ein Thema in den Referaten des Rathauschefs gewesen. Er erläuterte den Bürgern in den Dießener Ortsteilen, die Marktgemeinde habe endlich einen verlässlichen Finanzpartner gefunden, mit dem man nun gemeinsam die neue, dreijährige Aufsuchungserlaubnis für den Claim Dießen beantragen wolle. Das derzeit noch alleinige Bergrecht der Marktgemeinde läuft Ende März aus. Am Freitag dann die Hiobsbotschaft in Form eines Anrufes des Geschäftspartners – einer der drei großen Energieunternehmen in der Bundesrepublik: Man steige als Investor aus. Die Begründung erfolgte am Montag auf Bitten des Rathauschefs dann nochmals schrift- lich: „Die Finanzkrise zwingt uns derzeit dazu, kapitalintensive Vorhaben zurückzustellen“, zitierte Kirsch vergangene Woche auf der Bürgerversammlung Riederau aus dem Schreiben. Man sehe sich derzeit nicht in der Lage, das angedachte Geothermieprojekt zu finanzieren und gemeinsam mit der Ge- meinde umzusetzen. Bevor die Marktgemeinderäte am Montagabend über die geplatzte Zusammenarbeit in nicht öffentlicher Sitzung informiert wurden, klärte Kirsch noch das weitere Vorgehen mit dem für die Claim-Vergabe zuständigen Wirtschaftsministerium ab: „Ich habe die Zu- sicherung, dass keiner die Aufsuchungserlaubnis bekommt, ohne mit uns zusammenzuarbeiten.“ Wie geht es nun weiter? Das Energieunternehmen – Namen sollen wegen einer möglichen künftigen Zusammenarbeit nicht öffentlich genannt werden – will auch künftig sein Know-how auf der Fernwärmeseite zur Verfügung stellen und bei einer alternativen Finanzierung ein Betriebsführungsangebot unterbreiten, so Kirsch. Ohne einen Investor bleibt das Thema Energie- und Wärmegewinnung aus Thermalwasser in Dießen aber wohl eine recht leise Zukunftsmusik. Wie Herbert Kirsch im Gespräch mit dem KREISBOTEN verdeutlicht, habe er mittlerweile den Eindruck gewonnen, dass Geothermie erst Thema für die nächste Generation sein werde. Kirsch: „Die Zeit wird es bringen, die Wärme läuft nicht davon.“

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