14 Meter über der Erde

Wärmespeicher Fuchstal: Muss der Topf so hoch sein?

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14 Meter hoch im Gelände: Die planerische Darstellung des Wärmetopfs bei Leeder– von der Ascher Bahnhofstraße aus betrachtet – zeigt neue Perspektiven auf.

Fuchstal – Wenn’s um die Höhe des geplanten Wärmespeichers geht und wenn er die kritischen Stimmen dazu bewertet, steigt der Fuchstaler Rathauschef Erwin Karg tief ins Thema ein. Die Essenz seiner Argumentation: Weniger Höhe und dafür mehr Durchmesser hätten einen größeren Wärmeverlust zur Folge. Und ein weiteres Versenken im Erdreich würde erhebliche Mehrkosten bedeuten.

Der Wärmetopf sei „kein Projekt von der Stange“, kommentierte der Bürgermeister im Gemeinderat. Nicht umsonst habe Fuchstal mit diesem Beitrag zur regionalen Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien wie nur wenige andere Kommunen deutschlandweit den Förderzuschlag der Bundes­regierung bekommen, die für das gut fünf Millionen Euro teure Projekt immerhin 3,75 Millionen Euro bereitstellt.

Karg kündigte an, dass Ende Mai oder Anfang Juni im neuen Gemeinderat der Bauantrag für dieses Projekt behandelt werde. Bereits Anfang März war der Auftrag vergeben worden. Eine Firma aus Nordrhein-Westfalen wird den Wärmetopf im Osten von Leeder installieren. Sie ist Spezialist für Pufferspeicher und hat unter sechs Anbietern mit knapp 612.000 Euro am günstigsten kalkuliert. Durch die Technik kommen weitere Kosten von zirka 300.000 Euro hinzu.

Kritik entzündete sich im Gemeinderat, aber noch mehr in der Öffentlichkeit vor allem daran, dass der Wärmetopf, in dem künftig Energie aus der Windkraft im Kingholz sinnvoll verwendet werden kann, 14 Meter im Gelände aufragt. Er wird lediglich zwei Meter im Boden versenkt.

Windstrom speichern

Gründlich in die Tiefe geht Bürgermeister Karg bei dem Thema in einem Beitrag fürs Mitteilungsblatt „Heimat Fuchstal“, das demnächst verteilt wird. Er schildert, dass der ans kommunale Nahwärmenetz angeschlossene Wärmespeicher einerseits die Abwärme einer Biogasanlage aufnehmen und andererseits über einen Elektroheizer Strom von den vier Wind­rädern als Wärmeenergie aufnehmen soll. Dies wird dann erfolgen, wenn über einen längeren Zeitraum die Strompreise an der Leipziger Börse durch ein Überangebot unter Null sinken. Zu solchen Zeiten werden nämlich die Fuchstaler Windräder leistungsgedrosselt betrieben – es wird also Energie „verschenkt“.

Ergänzt wird das bereits beschlossene Konzept noch durch einen Batteriespeicher, welcher eine Leistung von rund 5.000 Kilowatt und eine Kapazität von rund 3.000 Kilowattstunden haben wird. Bereits im Herbst wurde die Trasse für die 20 Kilovolt-Leitung gezogen, die von den Windrädern im Kingholz über das Aschthal und im Süden an Leeder vorbei zu dem Wärmespeicher führt.

Die Wärmespeicherung erfordert ein großes Volumen. Dennoch sei die ursprüngliche Auslegung von 10.000 Kubikmetern bereits auf ein minimal erforderliches Maß von 5.000 reduziert worden, schildert Karg. Nach mehreren Diskussionen im Gemeinderat habe man die Möglichkeiten einer Vertiefung untersucht – zur Minimierung der optischen Beeinträchtigung. Dazu sei auch mit den Bietern des Wärmespeichers gesprochen worden. Die nun gewählte Ausführungsvariante umfasse eine Gesamthöhe von 16 und einen Durchmesser von 20 Metern. Weniger Höhe und mehr Durchmesser hätte mehr Wärmeverlust zur Folge. Zudem werde es bei geringerer Höhe immer schwieriger, eine saubere Temperaturschichtung zu erhalten, so die Techniker.

Die Überlegung, den Wärme­speicher ins Erdreich zu versenken, bringe mehrere Schwierigkeiten mit sich. Die mit Abstand wirtschaftlichste Speichervariante sei ein Stahlkörper, der ringsum eine 30 Zentimeter dicke Wärmedämmung aus Mineralwolle und als Außenhaut eine Verblechung erhält. Bei einer Teilversenkung ins Erdreich müsste der untere Stahlkörper jedoch deutlich stärker ausgebildet oder in Beton erstellt werden, um dem Erddruck standzuhalten.

Zudem wäre es erforderlich, mit besonderen Dämmmaterialien zu arbeiten, die gegen Druck, Erdfeuchte und stehendes Wasser resistent sind. Diese Lösungen wurden, so stellt es Karg dar, von keiner Firma angeboten und entsprächen Sonderanfertigungen. Die Mehrkosten würden 500.000 Euro ausmachen, was zur Unwirtschaftlichkeit führe.

Neben dem Mehraufwand bei der Erdabgrabung sprächen auch technische Gründe gegen den tieferen Einbau: der Vorlaufdruck auf die Pumpen das nicht ganz einfache Absenken der Energiezentrale in den Boden. Die verbauten Komponenten müssten aber jederzeit gut zugänglich sein.

Bürgermeister Karg führt weiterhin ins Feld: In Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt sei umlaufend ein sechs Meter breiter Streifen mit heimischen Gehölzen und Büschen vorgesehen. Es werde darauf geachtet, dass schon in der Bauphase einige rund fünf Meter hohe Bäume gepflanzt werden.
 Johannes Jais

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