Wagon wird Teil des Mahnmals – Gedenkstätte "Rampe Güterbahnhof" entwickelt sich

Ein Stück dunkelster deutscher Geschichte ist vergangene Woche wieder am Kauferinger Bahnhof eingetroffen. Die Rede ist von einem Güterwagon, in dem 1944 einige der rund 30000 KZ-Häftlinge in die Lechfeldgemeinde deportiert wurden, zum Zwecke der „Vernichtung durch Arbeit“. Wie im KREISBOTEN, hatte die Marktgemeinde den historischen Güterwagon für rund 10000 Euro erworben, um ihn im Rahmen der geplanten Gedenkstätte „Rampe Güterbahnhof“ zu integrieren.

Das stillgelegte Gleis, alte Eichenschwellen und das Mauerwerk der ehemaligen Laderampe, auf der die 30000 KZ-Häftlinger wie Vieh verladen wurden, sind bereits Zeitzeugen des dunklen Kapitels Kauferinger Geschichte. Doch beim Anblick des Transportwagons läuft es einem kalt den Rücken runter. Beim Blick in die offen stehende Türe wird schnell klar, welche Dramen sich hier abgespielt haben müssen. So pferchten die Nazis rund 100 Menschen auf 25 Quadratmeter wie Vieh aneinander und transportierten sie nach Kaufering zur Zwangsarbeit. „In diesem Wagon waren die Häftlinge einst tagelang, ohne Verpflegung, WC oder Heizung“, erklärte Norbert Sepp, 2. Bürgermeister und Vorsitzender des Vereins „Gedenken in Kaufering“. Auch der Umstand, dass es von diesem Wagentyp nur noch acht Exemplare gibt, macht ihn für die Kauferinger Gedenkarbeit so bedeutend, betonte Bürgermeister Dr. Klaus Bühler. Gebaut wurde der Güterwagon zwischen 1907 und 1917 für Tiertransporte, erklärte Manfred Mittelstedt vom Förderkreis-Aeronauticum auf Nachfrage. Auch er hatte Interesse an dem Wagon, der durch die Nazis zu traurigem Rum gelangt war. Jedoch hätte Kaufering mit seiner Gedenkarbeit eine ganz andere Dimension, sodass man der Lechfeldgemeinde gerne den Vortritt ließ. Den Wagon bezeichnete er als „wirkliche Rarität“. Ähnliche würden nur in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem und in den KZ-Gedenkstätten Bergen-Belsen und Majdanek stehen. Auf den Wagon aufmerksam geworden war die Marktgemeinde im übrigen durch den Hinweis eines Kauferinger Bürgers, der das geschichtsträchtige Relikt via Internet in einem Eisenbahnmuseum in Niedersachen ausfindig machte. Vergangen Woche wurde der Güterwagon fest gezurrt auf einem Schwerlasttransporter an jenen Ort gebracht, der ihm seinen traurigen historischen Stempel aufdrückte. Ein Kranwagen hob die rund zehn Tonnen schwere Rarität auf die Gleise, wo er einst unter dem Banner des Hakenkreuzes mit der erdrückenden Last verzweifelter Seelen eingerollt war. Jetzt soll er mah- nen und bei der Erinnerungsarbeit helfen. Wie berichtet, plant die Marktgemeinde auf besagtem Areal eine Gedenkstätte, um an das Leid der 30000 KZ-Häftlinge erinnern, die ab Juni 1944 von Auschwitz nach Kaufering transportiert worden waren. Rund 15000 von ihnen kamen durch Vernichtung durch Arbeit ums Leben.

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