Vom "bugglet Bösenmacher"

+
Das Deckenbild in der Wallfahrtskapelle von Schloss Pöring. Da beim Bau das Geld knapp wurde, musste Baumeister Dominikus Zimmermann selbst die Fresken anfertigen. Am unteren Rand die Signatur Zimmermanns.

Landsberg/Pitzling – Einen Emmausgang der lehrreichen Art bot der Historische Verein Landsberg im Dominikus-Zimmermann-Jahr seinen Mitgliedern: Zusammen mit Stadtheimatpfleger Dr. Werner Fees-Buchecker gings zur Wallfahrtskapelle von Schloss Pöring, um dort Architektur und Stuckarbeiten des Baus zu erkunden. Zwar gibt es keine urkundlichen Bestätigungen, dass die Kapelle von Dominikus Zimmermann errichtet wurde, aber die stilistischen Merkmale innen wie außen tragen eindeutig die Handschrift des Landsberger Baumeisters.

Dabei sei man sich über die Qualität der Architektur nicht einig, berichtet Fees-Buchecker: „Die einen nennen sie auf der Höhe der Zeit, die anderen bezeichnen sie als dilettantisch.“ Ein schlichter, fast quadratischer Gemeinderaum mit einer Dreikonchenanlage, einem Kleeblatt, zeichnet die kleine Kapelle aus. Die Stuckarbeiten im Inneren sind gut ausgeführt, vor allem die Kanzel mit dem Apokalyptischen Lamm sticht heraus. Dennoch wirkt alles eher einfach: „Man kann diese Kapelle hier als die schlichte Version der Landsberger Johanniskirche sehen“, meint der Heimatpfleger.

Zimmermann musste nicht nur auf eine pompösere Ausstattung verzichten. Er wurde wegen Geldmangels sogar dazu „verdonnert“, die Gemälde selbst anzufertigen. So zum Beispiel das Deckenfresko „Krönung Mariens“: Tatsächlich ist am unteren Rand der Name des Baumeisters zu lesen. Auch wenn die Signatur „al secco“, also erst nach dem Trocknen des Freskoputzes angebracht wurde, „kann man davon ausgehen, dass es von Zimmermann ist“, sagt Fees-Buchecker.

Dass der Maler auf jeden Fall kein geübter war, kann man an der etwas verdrehten Figur des Jesus deutlich erkennen. Die schlichte Ausstattung lag daran, dass mitten im Bau, der 1739 startete, das Geld ausging: Der Bau sollte sich rein aus den Wallfahrtseinkünften finanzieren, doch die beginnende Aufklärung sorgte für immer weniger Wallfahrer. Als der Neubau 1755 geweiht wurde, gab es noch nicht einmal einen Altar. Der stammt aus dem Jahr 1769, verdeckt ein Fenster und wirkt insgesamt etwas zu groß: „Wahrscheinlich hatte sich Zimmermann da auch etwas anderes vorgestellt“, mutmaßt Fees-Buchecker.

Dass 1739 neu gebaut wurde, lag hingegen an der Zunahme der Wallfahrer in den Jahren zuvor. Die bis dahin bestehende Kapelle beherbergte schon seit 1678 das Gnadenbild „Maria von der Versöhnung“, das aus der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Pfarrkirche Pössing übernommen worden war. 1731 geschah dann das Wunder, das die Wallfahrt begründete: Der besessenen Feidlnandl wurde der Teufel ausgetrieben, der ihr „aus dem Munde vor der versammelten Gemeinde ausfuhr, ähnlich einer Fledermaus.“ So zumindest beschreibt es einer der späteren Schlossbewohner, der Volkskundler Karl von Leoprechting.

In den Landsberger Geschichtsblättern von 1913 steht jedoch eine andere Version: Im Schloss habe damals der „bugglet Bösenmacher Dionys Huber“ Aufsicht gehabt, dessen Ruf zweifelhaft war. Ebenso der seiner Gevatterin, einer „hysterischen Weibsperson“. Diese soll sich mit Huber abgesprochen haben, denn Wallfahrt verhalf zu Ruhm und Geld: „Wie dann alles neugierig ist und der neu entstehenden Wallfahrt nachläuft, so auch hier“, steht in den Geschichtsblättern. Ob Trick oder nicht, es funktionierte: Ab 1731 kamen immer mehr Wallfahrer, bis die Kapelle zu klein und somit der Neubau genehmigt wurde. Ohne Feidlnandl und Huber wäre Landsberg vielleicht um einen Dominikus Zimmermann ärmer.

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Der zahnlose Tiger im Nahverkehr
Der zahnlose Tiger im Nahverkehr
40 Mal direkt in die Lehre
40 Mal direkt in die Lehre

Kommentare