Zeitenwende für den ÖPNV

Wann bekommt Landsberg den On-Demand-Bürgerbus?

Landsberger Stadtbus am Hauptplatz
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2028 läuft der ÖPNV-Vertrag mit dem Stadtbus aus. Aber auch davor könnten schon einige Pilotprojekte angestoßen werden.

Landsberg – Im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans für die Lechstadt soll auch der ÖPNV optimiert werden. Dabei gibt es zwei Zeitrechnungen – eine bis 2028, die andere ab 2028. Bis dahin laufen die Verträge über den Stadtbus, sodass nur kleinteilige Veränderungen möglich sind. Nach 2028 aber könnte sich einiges tun. Auch die Einführung eines Bürgerbusses ist denkbar. Welche Maßnahmen von der Verwaltung angedacht werden, stellte Daniel Broschart aus dem Stadtplanungs- und Umweltreferat jüngst im Pandemieausschuss vor.

Demnach könnten nach 2028 die Stadtbuslinien auf zwei Hauptachsen als Nord-Süd- und Ost-West-Verbindung reduziert werden. Gleichzeitig würde die Taktung erhöht, um Wartezeiten zu verkürzen und mehr Menschen dazu zu bringen, den Stadtbus zu nutzen.

Wohngebiete abseits der Hauptachsen könnten über einen sogenannten Bürgerbus angebunden werden. Ein mögliches Konzept hatte sich der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung von einem Murnauer Startup-Unternehmen vorstellen lassen (der KREISBOTE berichtete). Dort verkehrt seit letztem Sommer ein ‚intelligenter‘ Bus, der weder Fahrplan noch fixe Haltestellen kennt. Er kann flexibel per App oder telefonisch bestellt werden und passt seine Fahrstrecke an die Abhol- und Zielorte der Fahrgäste an. Broschart verglich den Bürgerbus mit einer Weiterentwicklung des Anruf-Sammeltaxis (AST). In Murnau verkehrt er als reines On-Demand-System, denkbar sei aber auch eine routengebundene Variante.

Hier widersprach Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne). Mit einer Routenbindung würde man ja gerade die Vorteile der Flexibilität verspielen, die den Bürgerbus so attraktiv macht. Vielmehr müsse es darum gehen, dass altbacken wirkende AST als modernes On-Demand-System „ins 21. Jahrhundert zu bringen“, forderte Hartmann.

Korrekturen gewünscht

Christian Hettmer (CSU) hatte die Ertüchtigungs- und Optimierungsideen für das Stadtbusnetz bis 2028 unter die Lupe genommen. Hier hatte die Verwaltung kleinteilige Veränderungen der Buslinien, das Hinzufügen und den Wegfall einzelner Haltestellen sowie Veränderungen im Wegenetz des AST vorgeschlagen. Hettmer fand einiges zu kritisieren – etwa die Tatsache, dass für die Linie 3 in der Schwaig­hofstraße einseitige Haltestellen vorgeschlagen wurden. Dies heiße wohl, dass der Rückläufer wegfallen würde und Fahrgäste aus der Schwaighofsiedlung nur über den Umweg Ulrichsplatz in die Innenstadt kämen.

Auch die Idee, den Waldfriedhof in die Linie 4 wieder einzubinden, hält Hettmer für problematisch, weil dadurch die Fahrtstrecke länger – und damit unattraktiver – wird. Ein weiteres Problem sei die Anbindung der Krachenbergsiedlung, deren Bewohner mit dem Bus zwar gut ins In-Center kommen, auf dem Rückweg aber einen Umweg über den Bahnhof machen müssen.

Auch forderte Hettmer, mit Blick auf das neue Stadtviertel Urbanes Leben am Papierbach (ULP) die Spöttinger Straße an den Stadtbus anzubinden, „und zwar vor 2028“. Würde man die ULP-Bewohner mangels ÖPNV-Angebot erstmal „ans Auto gewöhnen“, sei ein späterer Umstieg auf den Bus unwahrscheinlich.

Lennart Möller (Grüne) bedauerte, dass in den nächsten sieben Jahren „keine fundamentalen Änderungen“ am ÖPNV möglich sind – und schlug vor, bereits vor 2028 im Einvernehmen mit allen Vertragspartnern Pilotprojekte umzusetzen, um für die Zukunft Erfahrungen zu sammeln. Dabei sollten keine Verluste für die Betreiber der Buslinien entstehen, betonte Möller. Aber man könne doch „Material- und Personalressourcen auf die Hauptlinien verlagern“, um in anderen Gebieten probeweise neue Lösungen – wie etwa ein On-Demand-System – umzusetzen.

Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) hielt das durchaus für möglich. Was bis 2028 geschehe, sei Verhandlungssache.

Einstimmig beschloss der Pandemieausschuss, die Themen Ertüchtigung und Verbesserung des ÖPNV bis 2028 weiterzuverfolgen, wobei von der Verwaltung Hettmers Kritikpunkte aufgenommen werden sollen. Für die Zeit ab 2028 soll das AST zum flächendeckenden On-Demand-System weiterentwickelt werden.

Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, die notwendigen Verhandlungen zur Weiterentwicklung des ÖPNV-Angebots mit den zuständigen Stellen des Landratsamtes aufzunehmen und die Ideen der Stadt an den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) weiterzuleiten, damit sie im Rahmen der Neuaufstellung des Nahverkehrs­plans des Landkreises geprüft und weiterverfolgt werden können.

Das neue Buskonzept geht auf einen Vorschlag des KREISBOTEN zurück; Autor Werner Lauff hatte es im September 2017 erstellt und Oberbürgermeister Mathias Neuner sowie Vertretern der Stadtratsfraktionen vorgestellt.
Ulrike Osman

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