Kinderparadies – ohne Hangrutsche

Warmfreibad Greifenberg ist beschlossene Sache

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Im Kinderbereich des neuen Warmfreibads Greifenberg soll ein ‚Splash pad‘ mit Wasserspielen , Fontänen und Wasserkanonen Platz finden.

Landkreis/Greifenberg – Es wird eine um ein Drittel kleinere Wasserfläche als bisher geben. Der Parkplatz bleibt wie er ist. Und die Großrutsche für die Kleinen (und Großen) wird es nicht geben. Aber der Rest des Entwurfs vom Architekturbüro studio gollwitzer architekten bleibt. Der Neubau des Warmfreibads Greifenberg ist seit der Sitzung des Kreisausschusses am Dienstag beschlossene Sache. Die geplanten Kosten des kreiseigenen Bades belaufen sich auf 7.180.322 Millionen Euro.

Ein Betrag, der sich enorm von der 2012 angedachten Summe von 3,3 Millionen Euro, basierend auf dem Gutachten des Büros Kannewischer, unterscheidet. Und wäre der Entwurf des Gollwitzer-Architekturbüros ohne Änderungen durch den Kreissauschuss durchgerutscht, lägen die Kosten gar bei 8,162 Millionen Euro. Die enorme Teuerung seit 2012 liege auch an den gestiegenen Baukosten, erläuterte Architekt Wolfgang Gollwitzer: 30 Prozent mehr müsse ein Bauherr heute berappen. Das Hauptproblem sei jedoch der Boden. Der ist äußerst inhomogen, birgt Torf- und Lehmschichten, die für den Bau zum Hindernis werden. Erst in einer Tiefe von dreieinhalb Metern komme der gewünschte Kies. Torf und Lehm müssen abgetragen und durch Kies ersetzt werden. Ersetzen, da das Becken nicht zu tief liegen darf: Sonst würde das Hangwasser zum Problem. „Diese Kosten wurden 2012 nicht berücksichtigt“, räumt Gollwitzer ein. Für den Bodenaustausch sind bisher knapp 600.000 Euro netto eingeplant.

So sollen Nichtschwimmerbecken samt Breitrutsche (vorne) und das Schwimmerbecken mit Sprungbecken (hinten) aussehen. Die Großrutsche am Hang (links hinten) wurde gestrichen.

Im Entwurf vorgesehen sind drei Becken: eines mit vier 25-Meter-Bahnen und einem tieferen Abschnitt samt Ein- und Dreimeter-Sprungturm, ein Nichtschwimmerbecken und ein Kinderbecken mit Bachlauf – insgesamt eine Wasserfläche von 800 Quadratmetern. Kinder sollen es im neuen Warmfreibad besonders schön haben: Gollwitzer plant ein sogenanntes Splash pad samt Spraypark ein: eine „große Unterhaltungsfläche“ mit Spritztieren, Wasserkanonen, Fontänen – ein Paradies für Kinder.

Das Gebäude mit Umkleiden, Duschen, einem Filterraum für das Badewasser, Küche, Restaurant samt Biergarten und Kiosk ist in leichter S-Form den Becken vorgelagert. Die Energie wird über Wärmetransport geliefert: mit dem ‚Hot Mobil‘, ein Kostenpunkt, der dank 80-prozentiger Förderung nahezu wegfällt – womit sich die ursprünglichen 8,1 Millionen Euro um 162.000 senken. Für die Edelstahlschwimmbecken fallen rund fünf Millionen Euro an, die Freianlagen schlagen mit gut einer Million zu Buche. Zudem setzten Gollwitzer und Co. Baunebenkosten von rund 1,6 Millionen an.

Ebenfalls eingeplant war eine große Hangrutsche samt Landebecken und ein erweiterter Parkplatz. Die Hochbaukommission habe den gesamten Entwurf zur Kenntnis genommen und empfehle, diesen Parkplatz zu streichen, gab Landrat Thomas Eichinger in der Sitzung bekannt. Der bisherige Parkplatz biete bereits mehr Stellplätze als von der Stellplatzsatzung gefordert. Ansonsten empfehle er, den Entwurf so zu beschließen. Insbesondere, da die Planung bereits so lange gedauert habe: „Wir müssen pfeifen, wenn wir so lange den Mund spitzen.“ Die Betriebskosten des Bades würden sich im landkreisüblichen Rahmen befinden, insbesondere, da nach dem Neubau auch weniger Aufsichtspersonal nötig werde. Das Bad sei ein Plus im Bereich Naherholung und biete auch für finanziell schwächere Familien die Möglichkeit, den ‚Urlaub daheim‘ ansprechend zu gestalten.

Wilhelm Böhm (CSU) setzte dem eine Grenze: Die Kosten müssten gesenkt werden, „sieben Millionen wären tragbar“. Seine Empfehlung: eine Streichung der Hangrutsche. Die Kinder sollten schließlich vor allem schwimmen lernen. Dem widersprachen Albert Thurner (SPD) und auch Georg Krackhardt (UBV), der das Bad als „wichtige Investition für die West Coast Ammersee“ bezeichnete. Die Kosten für die Großrutsche (270.000 Euro) seien vernachlässigbar: „Wir können auch ein Schwimmbad ohne jeglichen Charme bauen.“

Das Bad habe nur im Sommer geöffnet, gab Herbert Kirsch (FW) zu bedenken. Dieser großen Investition könne er im Hinblick auf die im Finanzplan angedachte notwendige Kreditaufnahme 2020 und die dementsprechend steigenden Schuldenberge (2022 liegen sie bei knapp 62 Millionen) nicht zustimmen. „Wenn wir das machen, muss woanders gestrichen werden. Wir müssen Prioritäten setzen.“ Auch Josef Lutzenberger (GAL) äußerte Kritik: Er sehe als allgemeinen Trend, dass Bäder eher geschlossen würden. „Schwimmen lernen kann man bisher auch. Ein Warmfreibad für acht Millionen Euro können wir uns, auch wenn es unpopulär ist, nicht leisten.“ Parteikollegin Renate Standfest sah weder ein Bad für acht noch für sieben Millionen als Option. „Im Blick auf den Finanzplan kann man alle Projekte kaputtmachen“, konterte Josef Loy (CSU). Das sei aber wohl nicht Sinn der Sache. Der Landkreis müsse notwendige Projekte gemeinsam tragen, immerhin bilde man eine Solidargemeinschaft.

Standfest hakte bei der Refinanzierung nach. Geplant ist, einen Teil des Geländes, der nicht bebaut werden soll, zu verkaufen. Woraus ein Erlös von rund einer halben Million Euro erwartet wird. Der genaue Betrag müsse festgestellt werden, bevor ein Beschluss für oder gegen das Warmfreibad gefasst werde, forderte Standfest. „Ich kann jetzt keine legitime Zahl nennen“, entgegnete Eichinger. „Das sind für mich noch ungelegte Eier.“ Man solle jedoch den Beschluss des Badbaus nicht vom Verkauf des Geländes abhängig machen. Wer hier vermische, wolle wohl den Bau insgesamt verhindern. „Ich wäre stolz, wenn wir uns gegen den Trend, Bäder zu schließen, stellen würden.“ Die Möglichkeiten für Kinder, in der Schule schwimmen zu lernen, seien knapp. Der Landkreis rutsche im Zufriedenheitsranking immer weiter nach unten, vor allem im Bereich ‚Freizeit und Natur‘. Es mangele schlicht an Flächen für Naherholung. „Hier jetzt zu streichen, halte ich für das komplett falsche Signal.“

Mit zehn zu zwei Stimmen stimmte der Kreisausschuss der Entwurfsplanung des Bades ohne Parkplatzerweiterung zu. Die Streichung der Großrutsche wurde mit knappen sieben Pro-Stimmen ebenfalls beschlossen.

Susanne Greiner

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