KREISBOTEN-Serie "Systemrelevant und schlecht bezahlt"

Warum die Unterdießenerin Svenja Schorer Landwirtin werden möchte

+
Landwirtin mit Leidenschaft: Svenja Schorer

Landkreis/Unterdießen – Landwirte sind systemrelevant. Besonders in Zeiten wie diesen wird das deutlich. Dennoch werden sie massiv angegriffen. Zu wenig bio, zu wenig Blühflächen, schlechte Behandlung der Tiere. Zwar haben sich die Landwirte Gehör verschafft. Dennoch: Der Nachwuchs fehlt, von der Landwirtschaft zu leben, ist nicht immer einfach. Was also treibt junge Menschen dazu, diesen Beruf zu ergreifen? Der Kreisbote hat bei der Auszubildenden Svenja Schorer aus Unterdießen nachgefragt.

„Morgens um fünf fahre ich los, um halb sechs fange ich an zu arbeiten, um 16 Uhr bin ich fertig.“ Svenja Schorers Arbeitstag ist nichts für Morgenmuffel. Die 19-Jährige absolviert gerade ihr drittes Lehrjahr in der Ausbildung zur Landwirtin auf dem Biohof von Robert Widmann in Kaufering: Hühner, Kühe im Außenklimastall, Wiesen und Äcker für die Futtererzeugung, ein Hofladen, der die Produkte vor Ort verkauft. Momentan immer mit Handschuhen und viel Desinfektionsmittel.

Gemolken wird dreimal am Tag: „Das erste Mal melken wir von halb sechs bis um halb acht Uhr am Morgen“, erzählt Svenja. „Der Chef fängt aber schon um fünf an.“ Natürlich nicht mehr von Hand, sondern mit der Maschine, einem Doppel-Fünfer-Fischgrätenmelkstand. Ein Angestellter übernimmt die Fütterung der Tiere, „der Praktikant macht die Kälber und dann gibt’s Frühstück“.

Andere Arbeiten sind das Abschleifen der Wiesen, „da werden die Maushaufen mit der Egge verteilt“, erklärt Svenja. Oder eben Arbeiten auf dem Feld. Mit dem Bulldog fahren, große Maschinen lenken – etwas, das der 19-Jährigen richtig Spaß macht: „Das ist richtig klasse! Du hockst dich auf den Bulldog, stellst alles ein und fährst einfach los.“ Aber was ihr vor allem an dem Beruf gefällt, ist der Umgang mit den Tieren. Den kennt sie schon von klein auf, denn ihre Eltern haben auch einen Milchviehbetrieb. Den hatte auch schon der Opa, zuerst mitten in Unterdießen, 1994 baute die Familie einen Aussiedlerhof.

Svenja Schorer wird den Familien-Hof übernehmen: „Mein Bruder ist auch Landwirt, aber eigentlich will er nicht.“ Er helfe zwar noch, habe aber andere Pläne. „Und auch meine Schwester hilft am Wochenende, hat aber schon immer gesagt, dass sie den Hof nicht machen will“, erzählt Svenja. Deswegen sei es schon lange klar gewesen, dass sie ihn mal übernehmen werde. „Aber meine Eltern haben mir da alle Freiheit in der Entscheidung gelassen.“

Wie das sein wird, hat Svenja in ihrem zweiten Lehrjahr ausprobiert: Da hat sie auf dem eigenen Hof gearbeitet. „Das ist ja eigentlich nicht richtig. Ich bin ja noch mein ganzes Leben daheim.“ Das erste Lehrjahr findet an der Berufsschule statt, und wenn sie in Kaufering ihr drittes Lehrjahr abgeschlossen hat, ist sie für den elterlichen Hof bereit. Allerdings besucht Svenja danach noch die Meisterschule in Kaufbeuren: nochmals drei Jahre, in denen sie im Winter 20 Tage zur Schule geht. Den Rest der Zeit arbeitet sie normal auf dem Hof der Eltern. Das Lernen für die Meisterprüfung muss dann also nebenher laufen. „Aber danach kann ich ausbilden.“ Wie ihr Vater, der das schon seit 30 Jahren tut.

Neben dem Azubi arbeitet noch Svenjas Cousin als Angestellter mit. Und die 19-Jährige selbst hilft natürlich auch noch am Wochenende. Zum Beispiel beim Melken, samstags und sonntags. „Aber manchmal muss ich am Sonntagabend nicht helfen.“ Dann hat sie Zeit für anderes. Denn Svenja tanzt auch, Zumba, früher Jazzdance. Und sie spielt seit zehn Jahren Trompete, auch in der Dorfkapelle: „Wir sind eine Musikerfamilie.“

Die Familie kann vom Milchviehbetrieb leben. Und Svenja sieht auch in Zukunft keine großen Probleme: „Das kann man noch ausweiten, zum Beispiel mit einem Hofladen wie bei meiner jetzigen Lehrstelle.“

Der Beruf als Hobby

Aber ist es wirklich erstrebenswert, sieben Tage die Woche zu arbeiten, bei Wind und Wetter draußen sein zu müssen, die Zukunft nicht absehbar? Svenja ist sich sicher: „Ich bin absolut davon überzeugt!“ Eine Überzeugung, die sie auch nach außen trägt. Die Bauern müssten sich gegen die Anschuldigungen der Bevölkerung wehren. „Wir bekommen immer mehr Auflagen. Aber irgendwann ist eben einfach Schluss!“ Bei den Demonstrationen der Landwirte wie zum Beispiel der Blockade vor dem Edeka-Zentrallager in Landsberg (der KREISBOTE berichtete) war Svenja aber nicht dabei: „Ich musste immer arbeiten.“

Natürlich sei die Arbeit als Landwirtin oft anstrengend, räumt Svenja ein. „Aber für mich ist das wie ein Hobby.“ Sie schaue kein einziges Mal auf die Uhr, es mache einfach viel zu viel Spaß. „Und der Tag geht rum wie nix!“
Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Ampel steht im Landkreis Landsberg auf Rot - Jetzt auch Maskenpflicht im Freien
Corona-Ampel steht im Landkreis Landsberg auf Rot - Jetzt auch Maskenpflicht im Freien
Fast kein Durchkommen am Dießener Bahnübergang
Fast kein Durchkommen am Dießener Bahnübergang

Kommentare