Lechstaustufe 20: Arbeiten beginnen

Wasserkraftbetreiber Uniper baut Fischauftstiegshilfe in Scheuring

An der Lechstaustufe 20 in Scheuring entsteht gerade eine Fischaufstiegshilfe.

Scheuring – Nach den Lechstaustufen Kaufering, Merching und Unterbergen wird nun auch die Staustufe 20 in Scheuring mit einer Fischaufstiegsanlage ausgestattet. Das berichtet das Energieunternehmen Uniper, das die Staustufen betreibt. Dafür investiert das Unternehmen rund 3,6 Millionen Euro. Der Grund für die Maßnahme sind Forderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinien.

„Dadurch wird es den Wasserlebewesen ermöglicht, auch diese Stauanlage zu passieren und die voneinander getrennten Lebensräume der Staustufen werden wieder miteinander verbunden“, erklärt Uniper-Pressesprecher Theodoros Reumschüssel.

Nachdem bereits Mitte des 19. Jahrhunderts feste Wehrschwellen errichtet wurden, wurde der Wanderweg der Fische und anderer Lebewesen unterbrochen. „Mit dem Bau der Fischaufstiegsanlagen wird die flussaufwärts gerichtete Durchwanderbarkeit wieder hergestellt“, so Reumschüssel. „In Verbindung mit den für die kommenden Jahre geplanten Fischaufstiegsanlagen an den Staustufen Prittriching und Schwabstadl, können Fische dann wieder über eine Flusslänge von rund 30 Kilometer von Merching bis Landsberg aufsteigen.“ Insgesamt investiere das Unternehmen einen dreistelligen Millionenbetrag in die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.

Der Fischpass in Scheuring setzt sich insgesamt aus vier Abschnitten zusammen, die alle eine unterschiedliche Aufgabe haben:

Abschnitt A: Am östlichen Flussufer, unmittelbar unterhalb des Kraftwerksauslaufes, wird ein Betonbauwerk („Vertical Slot“) errichtet, das den Fischen die Überwindung von circa 5,75 Meter Höhenunterschied in 49 einzelnen Stufen ermöglicht. Um die Abmessungen dieses Betonbauwerkes nicht unnötig groß gestalten zu müssen und gleichzeitig die Strömung darin auf ein für Fische verträgliches Maß zu beschränken, werde dieses Bauteil von rund 500 l/s durchströmt, wie Reumschüssel erklärt. Weitere 300 l/s würden über eine Bypass-Rohrleitung um den Vertical-Slot-Pass herum geführt und ergeben an der Einmündung in den Lech einen Gesamtabfluss von 800 l/s. „Diese sogenannte „Lockströmung“ ermöglicht es den Fischen, den Einstieg in das Umgehungsgerinne zu finden.“

Abschnitt B: An den Vertical Slot-Pass anschließend wird der vorhandene Entwässerungsgraben auf einer Länge von 420 Meter ausgebaut. „Durch die Verlegung einer Dichtungsbahn wird das Versickern von Wasser in den Untergrund verhindert und damit eine Beeinflussung des Grundwasserniveaus ausgeschlossen.“

In diesem Abschnitt werden zudem Gewässer-Strukturelemente nach natürlichem Vorbild eingebaut, wie zum Beispiel ein mäandrierender Gerinneverlauf, tiefere Gumpen, Wasserbausteine und Wurzelstöcke als Unterstände und Kiesbänke. „Somit wird nicht nur ein Verbindungskorridor, sondern ein komplett neuer, für die Fische attraktiver und hochwertiger Gewässer-Lebensraum geschaffen“, ist sich Reumschüssel sicher. Bestehende Kreuzungen der Wege mit dem Graben würden durch den Einbau von ausreichend dimensionierten Wellstahldurchlässen wieder hergestellt.

Abschnitt C: Zur Überwindung der restlichen Höhendifferenz zum Stausee und zur Durchdringung der Damm-Innendichtung wird ein weiteres Betonbauwerk mit 24 einzelnen Becken zwischen der Kraftwerkszufahrt und dem Dammkronenweg eingebaut. „Auch hier wird die durchgeleitete Wassermenge, wie beim Abschnitt A, aufgeteilt und es fließen circa 500 l/s durch die Betonbecken und circa 300 l/s durch eine Bypass-Rohrleitung direkt in den Graben von Abschnitt B.“ Wegen der sehr geringen Wasserspiegelschwankungen im Scheuringer Stausee sei keine Automatik zur Steuerung der Durchflussmenge erforderlich. Um Schäden durch zu hohe Abflüsse im Fischpass zu vermeiden, werde zudem der Einlauf durch eine fest einstellbare Öffnung begrenzt.

Abschnitt D: Die Verbindung zum Stausee übernimmt ein offener Graben, an dem eine Schwimmbarriere das Einspülen von Abflusshindernissen wie Äste oder Bäume vermeiden soll.

Die technischen Planungen sowie die Arbeiten vor Ort werden von einem Büro für Landschaftsarchitektur begleitet und überwacht, erläutert Reumschüssel. „Ein besonderes Augenmerk richtet sich dabei auch auf die heimischen Reptilien und deren Lebensraum. Nach dem Eingang der notwendigen wasser- und baurechtlichen Genehmigungen wurde inzwischen die Baustelle eingerichtet und mit den Arbeiten am Abschnitt A begonnen.“ Mit der Fertigstellung rechnet der Pressesprecher bis zum Winter 2020.

An der Lechstaustufe 18 im Norden Kauferings gibt es so eine Fischaufstiegshilfe bereits. Bei einer Inventur durch den Bezirksfischerverein Landsberg zeigten sich im September die positiven Auswirkungen . Vorsitzender Stefan Neubauer sagte damals: „Die Fischer konnten nicht nur eine bemerkenswerte Artenvielfalt schön und gesund aufgewachsener Fische feststellen, sondern sich auch darüber freuen, dass der Nachwuchs sich in den Uferbereichen, Gumpen und Kaskaden ganz offensichtlich sehr wohl fühlt.“

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