Hygieneproblem am See

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Zugekotete Wege und Wiesen rund um den Ammersee wegen zu großer Wasservögelbestände. Die Fischereigenossenschaft will wieder das Jagdrecht und den Bestand durch gesetzeskonformen Abschuss dezimieren.

Schondorf – Ammersee-Anwohner, Urlauber, Tagesausflügler und Segler kennen das Problem und sind genervt: Mit Gänse-, Enten- und Möwenkot verschmutzte Gehwege und Badewiesen können einem ganz schön die Laune verderben. Die Wurmlarven im Kot (Zerkarien) verursachen bei Kontakt zudem Hautreizungen. Im Volksmund nennt man die juckenden roten Pusteln Badedermatitis.

Schuld an den Hygieneproblemen der Ammersee-Badestrände und Wege sind laut der Fischereigenossenschaft die inzwischen übermäßig angewachsenen Wasservogelbestände. Sie verspeisen mit großem Appetit Gras- und Schilfhalme und lassen sich von unvernünftigen Menschen auch noch füttern. Zutraulich watscheln sie zu den Besuchern und verschlingen gierig Brot, Kekse und was ihnen sonst noch entgegen geworfen wird. Doch was die Wasservögel fressen, kommt irgendwann hinten wieder heraus – im Wasser, am Ufer, auf den Gehwegen und Badewiesen. Über die unappetitlichen Hinterlassenschaften regen sich alle auf. Herrschings Bürgermeister Christian Schiller drückte es drastisch aus: „Es ist wirklich ein Scheißthema, weil es quasi keinen sauberen Quadratmeter mehr gibt.“

Zu seinem Schondorfer Kollegen Alexander Herrmann kam jetzt Anton Ernst von der Fischereigenossenschaft Ammersee. Er unterbreitete ihm und den Gemeinderäten einen Lösungsvorschlag wie schon zuvor im Uttinger Gremium. Man müsse die Jagd auf Wasservögel wieder mehr intensivieren, was aber derzeit von den zuständigen Behörden blockiert werde. Acht Mitglieder der Genossenschaft hätten den Jagdschein und könnten das Problem mit sanfter Waffengewalt gesetzeskonform lösen.

Die Jagd auf Wasservögel war über viele Jahrhunderte Bestandteil der Fischerei am Ammersee. Zunächst als freies unbelastetes Allmendrecht, nach 1849 dann als Pachtrecht. Bis zum Jahr 2008 war das Jagdausübungsrecht auf dem Ammersee an die örtlichen Fischer verpachtet. Der Vertrag enthielt keine Sonderregelungen, sondern fußte allein auf dem Bayerischen Jagdgesetz und dem Bundesjagdgesetz. Auf dieser Basis wurden jährlich etwa 300 Enten, Gänse und Schwäne erlegt und als hochwertiges Nahrungsmittel verwertet.

Obwohl die Jagd auf dem gesamten See erlaubt und auch behutsam durchgeführt wurde, konnte sich am Ammersee ein artenreicher Vogelbestand etablieren, der dem See einen internationalen Schutzstatus einbrachte. Dessen ungeachtet wurde auf Druck des Vogelschutzes und der Höheren Naturschutzbehörde 2008 der bestehende Jagdpachtvertrag mit den örtlichen Fischern in der alten Form nicht verlängert. Seitdem existiert auf dem Ammersee vielmehr ein Jagdpachtvertrag mit Externen, der einseitig die Forderungen des Vogelschutzes bedient. Der Vertrag schließt die Jagd vom Boot und in weitflächigen Uferbereichen aus. Die Wasservogeljagd ist damit praktisch nur mehr in einigen wenigen Uferabschnitten erlaubt, die größtenteils innerhalb der Ortschaften liegen.

Die Berufsfischer am Ammersee konnten unter diesen Umständen keine ordentliche Jagdausübung nach dem Bayerischen Jagdgesetz gewährleisten. Verhandlungen über einen sinnvollen Jagdpachtvertrag scheiterten, weil kurzfristig auswärtige Jagdpächter gefunden wurden, die den in den Augen der Fischereigenossenschaft völlig unzureichenden Vertrag akzeptierten. Die Konsequenz: Die Jagdstrecke sank auf rund 30 Enten und weniger als fünf Gänse jährlich. Die Bestände wuchsen damit Jahr für Jahr an und erzeugen mit ihren Fäkalien und Parasiten die bekannten Probleme.

Anton Ernst bat um Schützenhilfe beim Schondorfer Gemeinderat, dass die Jagd wieder an die ansässigen Fischer verpachtet wird: „Dies ist nicht allein im Hinblick auf die Kulturgeschichte des Sees erstrebenswert, sondern vor allem auch fachlich sinnvoll.“ Die Fischer seien naturschutzfachlich ausgebildet und auf ein gesundes Biotop angewiesen. Sie hätten über Jahrhunderte bewiesen, mit den Gaben der Natur verantwortungsvoll umzugehen. „Wir Fischer betreiben die Jagd nicht als gesellschaftliches Ereignis. Wir sind vielmehr motiviert, Schaden von Fang, Netzen und dem Biotop fernzuhalten“, betonte er. Dass man sich an Gesetze und internationale Abkommen halte, sei selbstverständlich. So werde die neunmonatige Schonzeit für Wasservögel strengstens beachtet.

Die Fischereigenossenschaft kämpft um einen ganz normalen Jagdvertrag ab April 2017 ohne einschränkende Zusätze. Anton Ernst: „Die Jagd muss wieder auf dem ganzen See und vom Boot aus ermöglicht werden. Wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, ist ein 47 Quadratkilometer großes Areal wie der Ammersee im Sinne einer nachhaltigen Jagd­ausübung nicht vom Rand aus zu beherrschen.“

Der Schondorfer Gemeinderat schloss sich mit elf zu fünf Stimmen den Ausführungen von Anton Ernst an und wird ein entsprechendes Empfehlungsschreiben an die Bayerischen Schlösser-, Gärten- und Seenverwaltung abfassen, die für den neuen Pachtvertrag zuständige Behörde.

Dieter Roettig

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