Kein Weg zurück zum Mühlbach?

Experten schließen Abzweigung des Dorfbachs nach Windach aus

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An dieser Stelle zweigte der Mühlbach ab, bevor das Wasserwirtschaftsamt das Wehr im Januar 2019 aus Sicherheitsgründen abreißen ließ.

Windach – Mit dem dorfeigenen Mühlbach scheint es vorbei zu sein. Zumindest, wenn es nach Meinung der diversen Experten geht, die vor Kurzem eine Bestandsaufnahme der Windach durchführten. Nach Begutachtung des Flusszustands und der Stelle, an der das Wehr und die Abzweigung des Mühlbaches waren, sind das Wasserwirtschaftsamt Weilheim und andere Sachkundige überzeugt: Eine weitere Ableitung aus der Windach ist nicht mehr sinnvoll, da der Wasserstand zu stark fallen würde. Somit gebe es „keinen Weg zurück zu den früheren Verhältnissen“.

Im Januar hatte das Wasserwirtschaftsamt das marode Wehr (der KREISBOTE berichtete) abgerissen. Ein Notrückbau, da Teile drohten, in den Abfluss des Mühlbachs zu fallen und das Wehr somit nicht mehr sicher gewesen sei, urteilte ein externer Gutachter. Damals wurde der Vorwurf laut, der Abriss sei ein Vorgriff auf das Planfeststellungsverfahren zur Gewässergestaltung.

Dass der künstlich aus der Windach abgeleitete Mühlbach nicht mehr floss, war eine Folge eines Hochwassers 2015, bei dem das Wehr zerstört wurde. „Die Natur hat sich entwickelt“, beschreibt Wasserwirtschafts­amtsleiter Roland Kriegsch den Vorfall. Danach sei der Betreiber angehalten worden, das Wehr wieder zu sanieren oder es abzureißen. Da es dazu aber nicht kam, habe das Wasserwirtschaftsamt 2015 die Wasserrechte erworben. Unter der „ausdrücklichen Prämisse“, so Kriegsch, die Qualität der Windach zu optimieren und zeitgleich den Mühlbach in seiner Funktion als Hochwasserabfluss zu prüfen.

Gemeinsam mit Bürgermeister Richard Michl nahm jetzt ein Expertenteam – Vertreter des Naturschutzes, des Wasserwirtschaftsamtes und der Regierung Oberbayern, der Fachberatung für Fischerei von Oberbayern sowie der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Landsberg – die ehemalige Mühlbach-Ausleitungsstrecke an der Windach unter die Lupe.

Die Begehung habe „bewusst bei niedrigen Abflussverhältnissen“ stattgefunden, meldet das Amt. So habe man mögliche Auswirkungen einer geforderten Wasserentnahme für den Mühlbach besser erkennen können. Das Ergebnis laut Wasserwirtschaftsamt: „Im Falle einer weiteren Absenkung des Wasserspiegels durch eine zusätzliche Wasserableitung würde die Bewegungsmöglichkeiten für Fische noch stärker eingeschränkt werden, als dies unter natürlichen Niedrigwasserverhältnissen ohnehin schon der Fall ist.“

Darüber hinaus könnten die ökologisch äußerst wertvollen Flachwasserzonen austrocknen. An tieferen Stellen, den sogenannten Gumpen, würde sich zudem die Wassertemperatur erhöhen. Was dazu führe, dass sich dort Arten ansiedelten, die „für dieses Gewässer nicht typisch wären“. Insgesamt würden sich bei einer Ausleitung also die Lebensraumbedingungen von Windach-charakteristischen Fischarten zunehmend verschlechtern.

Das Urteil der Experten, dass die Ausleitung des Mühlbachs nicht mehr sinnvoll ist, sei eindeutig gewesen: Somit gebe es „unter diesen Voraussetzungen aus fachlicher Sicht keinen Weg zurück“, urteilte Tobias Ruff von der Fachberatung für Fischerei. Für Stephan Wenning von der unteren Naturschutzbehörde stelle vor allem die erhaltene Flussaue den „herausragenden Wert dieses Gewässerabschnittes“ dar. Gewässerökologe am Wasserwirtschaftsamt Sven Kapa betont, die ehemalige Ausleitungsstrecke entspreche fast dem Leitbild der Wasserrahmenrichtlinie. Sie sei damit „ein Juwel unter allen vergleichbaren Gewässern im Amtsbezirk“.

Die Urteile der Experten würden natürlich auch beim Planfeststellungsverfahren zur Gewässergestaltung Gewicht haben, betont Kriegsch.
Susanne Greiner

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