Weder Blau noch Gelb – Wertstofferfassung: Umweltausschuss favorisiert das Bringsystem

Fleißige Wertstoffsammler sind sie, die Bürger der Lech-Ammersee-Region. Statistisch hat es im Jahr 2007 jeder einzelne auf satte 315 Kilogramm gebracht – inklusive Grüngut. In der Regel fährt der brave Landkreisbürger Wiederverwertbares zur nächsten Wertstoffsammelstelle oder zum Containerstandplatz oder lässt es von Dritten abholen, wie das etwa beim Altpapier der Fall ist. Nach Ansicht des Umweltausschusses soll es dabei auch bleiben. Er empfahl dem Kreisausschuss, am aktuellen System festzuhalten, sich vom Gelben Sack und von der Blauen Tonne abzuwenden. Letztlich entscheiden wird der Kreistag in seiner April-Sitzung.

Die Erfassung des wiederverwertbaren Gutes im Bringsystem erfolgt derzeit an 54 Wertstoffhöfen beziehungsweise -sammelstellen. Diese sind, vom Weißen Haus in Kaufering mal abgesehen, mit zwei oder einer Person besetzt. Hauptsächlich Grüngut, Metallschrott und Altpapier sowie alle Verpackungsabfälle werden hier erfasst. Darüber hinaus hat der Landkreis 52 separate Containerstandplätze eingerichtet, an denen der Bürger Glas, Altpapier und Leichtverpackungen entsorgen kann. Ein sehr großes Problem an diesen frei zugänglichen Einrichtungen sind die „widerrechtlichen Müllablagerungen“ und der damit einher gehende hohe Verschmutzungsgrad. Weiterhin setzt der Landkreis auf die Altpapiersammlung (Bündel). In 2007 haben sich 53 Vereine daran beteiligt und so 25 Prozent der gesamten Altpapiermenge eingefahren. Nicht zuletzt weil hier die privaten Entsorger Remondis und Veolia mit der Blauen Tonne eingestiegen sind, hat der Landkreis den finanziellen Reiz für die Vereine mittlerweile verstärkt. In der Lechstadt scheint dies jedoch nicht zu ziehen. Trotz intensiver Suche sei es laut Johann Bernauer, Leiter des Abfallwirtschaftsreferates, nicht gelungen, einen Verein für diesen Service zu gewinnen. Bewährtes System Sollen wir bei der Wertstofferfassung vom Bring- zum Holsystem umsteigen? Aufgrund der aktuellen Entwicklung bei der Erfassung von Verkaufsverpackungen, der langfristigen Entwicklung der Rohstoffpreise und der veränderten Rechtsprechung zur Wertstofferfassung durch Privatunternehmen hat der Landkreis im vergangenen Jahr ein Gutachten in Auftrag gegeben, um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen. Auf ein „Ja“ oder „Nein“ von Unternehmensberater Ludwig Buchbinder hofften die Mitglieder des Umweltausschuss vergebens. Gleichwohl ließ sie der Fachmann schnell zu dem Schluss kommen, dass man mit dem derzeitigen System gut liege. Es habe sich bewährt, sei wirtschaftlich vertretbar und vor allem könne der Landkreis auch in Zukunft flexibel auf Marktveränderungen reagieren. Nur 5 Wertstoffhöfe Eine weitere von Buchbinder präsentiere „zweckmäßige und wirtschaftlich vertretbare“ Variante in Form eines Holsystems birgt radikale Einschnitte. Gelber Sack sowie Blaue Tonne würden im gesamten Landkreis eingeführt, parallel dazu die Zahl der Wertstoffhöfe auf nurmehr fünf reduziert. Die Vereinssammlung für Altpapier wäre dahin. Erhalten blieben 49 Grüngut- und Metallschrottsammelstellen sowie die Depotcontainer für Glas. Bei der Einführung dieses bürgerfreundlicheren Systems müsste der Landkreis allein für den Ankauf der neuen Tonnen rund 300000 Euro be- rappen. Zusätzlich würden im Vergleich zum Bringsystem etwa 150000 Euro Mehrkosten pro Jahr anfallen. Vorteil aus ökologischer Sicht: Fahrten von Haus zu Wertstoffhof würden deutlich weniger. Genau darauf zielte Kreisrat Thomas Kanzler für die Grünen ab. Die Neukonzeption der Wertstofferfassung müsse in ein Holsystem münden, um der Vielfahrerei ein Ende zu bereiten. Und fügte hinzu: „In der Blauen Tonne repräsentiert sich der Bürgerwille!“ Für die SDP räumte Ruth Sobotta ebenfalls ein, dass ein Holsystem den Service erheblich verbessern würde – gerade für die ältere Generation sei es unschlagbar. Gleichwohl gab sie vor, dass ihre Fraktion auch eine Weiterführung der bisherigen Erfassung mittragen könne – obgleich es nicht reibungslos funktioniere. Letzteres zeige sich an überfüllten und verschmutzen Containerstandorten. Stadtbild nicht verschandeln Die CSU hingegen möchte an Altbewährtem festhalten. Die neuerliche Betrachtung der Werstofferfassung sei wichtig, betonte Norbert Kreuzer, warnte im nächsten Atemzug aber vor Veränderungen, die den derzeitigen Qualitätsstandard verringern könnten. „Der Bürger hat sich mit dem sorgfältig gewählten, flächendeckenden System arrangiert.“ Mit Blick auf die mögliche Einführung von Gelber Sack und Blauer Tonne warnte der Landsberger Bürgermeister vor einer „Verschandelung des Stadtbildes“. Letztlich sprach sich der Umweltausschuss mit 9:5 für das bisherige Erfassungssystem aus. Auf Antrag Kreuzers erhielt die Kreisverwaltung den Auftrag, die Öffnungszeiten des Wertstoffhofes in Kaufering und des Abfallwirtschaftszentrums in Hofstetten „bürgerfreundlicher“ zu gestalten, sprich auszuweiten.

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