Weder Queen noch King

Etwas Wehmut ist zu spüren gewesen bei der Abiturfeier am Rhabanus-Mau­rus-Gymnasium, war es doch die Verabschiedung des letzten G9-Jahrgangs, der zu den tradi­tionellen Terminen die Prüfungen abgelegt hat. Auch für den Elternbeiratsvorsitzenden Rainer von Los­pichl war es nach vier Jahren in dieser Funktion die letzte Ansprache vor den Ottilianer Schulabgängern, denn diesmal war auch sein Sohn Benjamin darunter. Ansonsten aber gab es jede Menge Grund zur Freude.

Alle 71 Prüflinge haben ihr Abitur bestanden, 89 Prozent von ihnen mit einer 1 oder einer 2 vor dem Komma. Achim Löf aus Kaufering schaffte sogar die Traumnote 1,0 und hat inzwischen auch die Stipendi­ums­prüfungen der Bayerischen Eliteförderung bestanden. „Die breite Streuung guter und sehr guter Noten ist sehr erfreulich“, erklärte Rektor Michael Häußinger. „Damit haben wir alle Ziele erreicht, die wir als Schulgemeinschaft erreichen können.“ Das Ende des G9 bedauert Häußinger. Das permanente Infragestellen des G8 tue dem Gym­nasium als Schulform einfach nicht gut. Auch sei der Schultyp gerade durch die neue Oberstufe drauf und dran, sich in Richtung Ausbildung zu bewegen. Für Erzabt Jeremias Schröder war es die zehnte Abiturfeier, bei der er den Absolventen die Zeugnisse überreichte. Er nutzte die Gelegenheit, den Eltern für ihre Unterstützung in den für das Kloster schwierigen vergangenen Monaten zu danken. Man habe klar unterschieden „zwischen früher und heute“. Auch die Schüler seien mit dem Medienrummel um die Miss­brauchsfälle früherer Jahre gelassen umgegangen. Den Abi­tu­rienten gab Schröder als Rat fürs Leben den Satz „Don't be careful“ mit auf den Weg. Bei allem Stolz auf die erreichte Leistung mahnte Elternsprecher von Lospichl die frisch gebackenen Abiturienten zur Bescheidenheit. „Sich jetzt als Queen oder King zu fühlen und nur noch selbst zu zelebrieren, wäre grundfalsch.“ Lospichl, „selbst ein Kind der 50er Jahre“, gestattete sich einen humorigen Rückblick auf seine eigene Jugendzeit und überließ es den Zuhörern, daraus ihre Schlüsse zu ziehen. „Wir fuhren Fahrrad ohne Helm, wir aßen lauter ungesundes Zeug ohne dick zu werden, und wenn wir durchfielen, gab es keine emotionalen Elternabende. Unsere Eltern boxten uns auch nicht automatisch aus jedem Schlamassel, im Gegenteil, sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei.“ Viel Applaus erntete Jahrgangssprecherin Tamara Dilger für ihre Abiturrede. Sie verglich St. Ottilien mit „dem kleinen gallischen Dorf“, das sich in der Welt der Römer behaupten muss, und die Schüler mit dem tapferen Asterix, der auf dem Weg zum „Lorbeer der Weisheit“ zahlreiche Rätsel lösen und Abenteuer bestehen muss. Zum Abschluss schickte Schulleiter Häußinger seine ehemaligen Schützlinge „ab in die Freiheit“, aber eine christlich ver­- standene Freiheit, die Distanz zu sich selbst als Schlüssel zu einem erfolgreichen Leben erkennt.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Geister steigen aus dem See
Geister steigen aus dem See
Kaltenbergs "letzter Ritter"
Kaltenbergs "letzter Ritter"

Kommentare