Der Stadtrat hat entschieden:

Gebremst am "Stadtbalkon" vorbei

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Die Von-Kühlmann-Straße (vorne) wird laut Stadtratsbeschluss auch mit einem neuen Wohngebiet auf dem Pflugfabrik-Areal (Hintergrund) Durchgangsstraße bleiben.

Landsberg – Die Von-Kühlmann-Straße soll auch mit einem neuen Wohngebiet am Papierbach keine Sackgasse werden, sondern Durchgangsstraße bleiben. Den entsprechenden Planungsauftrag vergab jetzt einstimmig der Stadtrat. Dabei hatten andere Varianten durchaus zur Diskussion gestanden und waren auch gründlich untersucht worden, etwa eine Anliegerstraße. Auf Antrag der Grünen-Fraktion hatten sogar alle Büros, die am Wettbewerb für den Rahmenplan jeweils auch ein Modell erarbeiten müssen, bei dem die Straße auf Höhe der bisherigen Pflugfabrik komplett gesperrt würde.

Das ist jetzt vom Tisch, nachdem sowohl Bürgerbefragungen, Beratungen in der Lenkungsgruppe, als auch eine Untersuchung durch „Ingevost“ ein klares Ergebnis erbrachte: Er plädiere für die Beibehaltung der bisherigen Verkehrsführung, zog Diplom-Ingenieur Christian Fahnberg das Fazit nach seinem Vortrag im Landsberger Stadtrat.

Die Begründung hatte er in den Minuten zuvor geliefert. Bei einer Sperrung der Von-Kühlmann-Straße gäbe es dort naturgemäß sehr positive Effekte für die Anwohner, die an anderen Stellen dafür mehr als aufgewogen würden. Da man ab der Schlossergasse wegen der Einbahnstraßenregelungen mit dem Auto nur über große Umwege auf den Hauptplatz zurück käme, entstünden unter dem Strich sogar viele neue „Fahrzeugkilometer“ zusätzlich.

Beim Modell „Anliegerstraße“ wären es voraussichtlich täglich knapp 4000 Kilometer mehr, die Spöttinger und Katharinenstraße aufnehmen müssten, beim Modell „Stöpsel“ (also Sackgasse) sogar über 8000, die am meisten Hindenburgring und Augsburger Straße belasten würden. Fahnberg: „Das ist einmal Tromsø – Brindisi und zurück, also nicht wenig“.

Tempo 30

Einig waren sich dann aber nicht nur alle Stadträte, dass die Von-Kühlmann-Straße verkehrsberuhigende Maßnahmen braucht. Ob dort die Schaffung einer Tempo-30-Zone möglich sei, wollte Ernst Müller vom Amt für Öffentliche Ordnung und Sicherheit auf Nachfrage nicht beantworten. „Bei dem Thema sind Sie in Gottes Hand und in der der Regierung von Oberbayern“, so Müller, der aber einen anderen Vorschlag machte: „Ich würde die Straße so umbauen, zum Beispiel mit Schwellen, dass einfach gar nicht mehr schneller als 30 gefahren werden kann.“

Diesen Weg kann sich auch morpho-logic-Geschäftsführer Michael Gebhard vorstellen. „Es gab tatsächlich mehrfach juristische Probleme, wo Kommunen einfach geradeaus führende Straßen zu Tempo-30-Zonen gemacht haben“, so der Architekt und Stadtplaner, „aber über bauliche Maßnahmen lässt sich sicher viel erreichen.“ Dazu gehört nach seinen momentanen Planungen auch, die Straße zu „verschwenken“, also im Bereich der künftigen Wohnbebauung (die etwas zurückspringen soll) einige Meter nach Westen zu verlegen, um so die Geschwindigkeit der Autofahrer zu verringern. Demselben Zweck könnten auch Aufpflasterungen an markanten Punkten des neuen Wohngebietes dienen.

Eine dieser Stellen findet sich dort, wo der künftige „Boulevard“ am so genannten „Stadtbalkon“ in den geplanten Lechsteg mündet. Wie die vermutlich zahlreichen Fußgänger aus dem Wohngebiet über die Straße kommen sollen, steht noch nicht fest, einer Über- oder Unterführung erteilte Gebhard aber bereits eine Absage; „ich denke, höhengleich müsste das schon sein“.

Keine Parkgarage

Auch aus der von einigen Stadträten vorgeschlagenen öffentlichen Parkgarage unter dem Gebiet wird wohl nichts. Dazu sollte die Straße abgesenkt und teilweise unterirdisch geführt werden. „Die so entstehenden Rampen passen nicht in das schöne Gebiet dort“, meinte Fahnberg. „Und man hätte dann den Parkverkehr für diese Garage ins Wohngebiet hereingeholt.“ Klar scheint inzwischen, dass die neue Siedlung von den Rändern über (private) Tiefgaragen erschlossen wird; bis auf Ver- und Entsorgungsverkehr wird das Areal ansonsten autofrei bleiben.

Während aber auf der Westseite bereits Einigkeit über die Anbindung des künftigen Lechstegs besteht, gibt es dazu im Osten noch Gesprächsbedarf, wie der städtische Projektleiter Alfred Ganzenmüller meinte. „Wir haben das am 4. September noch einmal in der Lenkungsgruppe und würden da- rum bitten, am 23. September im Stadtrat abzustimmen.“

Bereits jetzt wurde eher beiläufig eine andere Empfehlung aus dem Gesamtgutachten von Prof. Hermann Knoflacher nachträglich abgelehnt: Den Kreisverkehr in der Spöttinger Straße zurückzubauen, wollten nur zwei Mitglieder in der Lenkungsgruppe, im Stadtrat fand das dann gar keine Fürsprecher mehr. „Kreisverkehre haben ein seltsames Beharrungsvermögen“, wunderte sich Michael Gebhard, befand aber: „Platz verschenkt, für die Bebauung aber kein Problem."

Christoph Kruse

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