Veto gegen Arztpraxis

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Das ist die Wiese, wo Arztpraxis und Wohnhaus beantragt werden, wo aber die Gemeinde Nein sagt. Hinten die Straße, die zur B 17 nach Schongau führt. 

Epfach – Da möchten Helmut Haunstein und sein Sohn Benedikt in Epfach, wo sie wohnen, eine Praxis eröffnen – was heutzutage in kleinen Ortschaften die große Ausnahme ist – und dann kommt von der Gemeinde Denklingen das Veto. Die Räte haben mit großer Mehrheit beschlossen, das „gemeindliche Einvernehmen“ für ein Wohnhaus mit Arztpraxis zu verweigern.

Das Veto bezieht sich darauf, das Vorhaben auf einem Grundstück am Ortsrand zu verwirklichen, das der Familie Haunstein-Haberstock selbst gehört. Es befindet sich leicht außerhalb der Ortschaft und zwar südöstlich der Straße nach Schongau. Auch das kleine Nachbargrundstück an der Hangkante zum Dorf hin, es ist als Standort des früheren Hochbehälters im Besitz der Gemeinde, ist unbebaut. Die weitere Begründung: Mit diesem Vorhaben, das sich oberhalb der Hangkante befindet, das den Innenbereich natürlich abgrenze, würde ein „erheblicher Eingriff in das Landschaftsbild vorgenommen.

150 Meter weiter außerhalb steht ein großes Gebäude, nämlich der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Edenhofer. Das geplante Haus mit der Praxis steht laut Anfrage also zwischen Ortschaft und Bauernhof. Die Gemeinde beruft sich bei ihrem Nein auf das Baugesetzbuch; das Grundstück liege im Außenbereich, wo nur Flächen für die Landwirtschaft vorgesehen sind.

Helmut und Benedikt Haunstein zeigen sich enttäuscht. Angesichts des zunehmenden Ärztemangels auf dem Land wären woanders viele Gemeinden froh, wenn sich ein Allgemeinmediziner auf dem Dorf eine Praxis eröffnet. Für Epfach gebe es jetzt so eine Anfrage – und dann werde sie vom Gemeinderat zurückgewiesen.

Helmut Haunstein wohnt mit seiner Frau Gabriele in Epfach. Er ist (noch) Arzt bei der Bundeswehr. Zusammen mit seinem Sohn Benedikt, der auch Allgemeinmediziner wird, will er am Ort eine Praxis bauen. Voraussetzung für die Eröffnung einer eigenen Praxis ist eine Zulassung der kassenärztlichen Vereinigung. Helmut und Benedikt Haunstein erklären im Gespräch mit dem KREISBOTEN, dass sie bei der Gemeinde Denklingen zuvor auch angefragt hätten, ob sie neben ihrem Wohnhaus am Auenfeldweg in Epfach ein Grundstück – Eigentümer ist die Gemeinde – erwerben könnten mit dem Ziel, dort die Praxis zu errichten.

Bürgermeister Michael Kießling bestätigt auf Nachfrage die Gespräche. Die Gemeinde wolle dort nichts verkaufen, weil das Gelände wegen der Hanglage zwischen Claudius-Paternus-Weg (oben) und Auenfeldweg (unten) „schwierig“ sei und weil so ein Projekt teuer käme. Kießling betont, es sei sehr wohl das Interesse der Gemeinde, einen Hausarzt zu bekommen. Aber im Außenbereich oberhalb der Hangkante von Epfach könne man ein Haus mit einer Praxis nicht genehmigen. Erlaubt wäre so was allenfalls in einer Baulücke, die bis zu zwei Grundstücke umfasse. Die Fläche zwischen jetzigem Ortsrand und dem Bauernhof an der Kinsauer Straße sei deutlich größer und keinesfalls als Baulücke zu definieren. Kießling: „Da beißt die Maus keinen Faden ab.“ Zudem sei auch auf der anderen Straßenseite alles frei.

Der Rathauschef verweist auf einen anderen Fall aus der Gemeinde. Nach aktuellem Stand der Dinge werde das Landrats­amt einer vom Gemeinderat neulich befürworteten Bebauung am Neuwäldleweg in Dienhausen, die als Baulücke bewertet wurde, weil auf der anderen Straßenseite bereits Häuser stehen, wohl nicht zustimmen. In Epfach sei der Fall baurechtlich noch deutlicher.

Johannes Jais

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