Müllgebühren im Landkreis Landsberg steigen

Wegwerfen wird um ein Drittel teurer

Mülltonnen
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Vor allem beim Restmüll müssen die Landkreisbürger ab 2022 voraussichtlich rund ein Drittel mehr an Gebühren entrichten. Aber auch die Kosten für Biomüll werden steigen (Symbolfoto)
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landkreis – Eine Erhöhung der Restmüllgebühren um satte 33 Prozent ist kein Pappenstiel. „Wir müssen das gut kommunizieren“, ist sich auch der Sachgebietsleiter der Abfallwirtschaft Michael Schindler bewusst. Denn wer ab dem 1. Januar 2022 zehn Euro mehr Grundgebühr und 30 Cent mehr pro Leerung zahlen muss, wird darüber nicht erfreut sein. Im gestrigen Kreisausschuss stellte Schindler die neue Gebührenlage vor – und auch die Begründung für den steilen Gebührenanstieg.

Konkret steigt die Grundgebühr für alle Restmüllbehältergrößen um 33 Prozent. Die Leerungsgebühr beim Restmüll steigt von 1,17 Euro pro Leerung auf 1,47 Euro. Und die Gewichtsgebühr liegt jetzt bei 33 Cent pro Kilo – knapp zehn Cent mehr als vorher (25 Cent). Beim Biomüll steigt diese nur von zwölf auf 15 Cent pro Kilo. Die Leerungsgebühr für den Biomüll liegt ab 2022 bei 1,31 Euro pro Leerung. Bisher sind es 1,17 Euro. Die höchste Preissteigerung gibt es bei Alt­holz: Der Tonnenpreis steigt hier von 60 auf 95 Euro.

Insgesamt müsse für die Müllentsorgung im Landkreis ein Betrag von 8,84 Millionen Euro pro Jahr gedeckt werden, rechnet der Sachgebietsleiter. Die Berechnung der Gebühren gemäß des Verursacherprinzips – der zusätzlich zur Grund- und Abholungsgebühr gezahlte Kilopreis – sei sinnvoll. So habe der Bürger selbst die Möglichkeit, die Kosten durch entsprechend konsequentes Mülltrennen und natürlich generell durch die Müllvermeidung zu senken.

Kein Gewinn, kein Verlust

Dass die Gebühren überhaupt neu berechnet werden, liegt am Ende des Kalkulationszeitraum, der jeweils über vier Jahre läuft. Wichtig dabei: Die kommunale Abfallwirtschaft ist eine „kostenrechnende Einrichtung“. Das heißt, die Ausgaben müssen „ganz oder teilweise aus Gebühren finanziert werden“, erläutert Schindler. ‚Ganz oder teilweise‘ meint dabei, dass mit Müll auch Geld verdient wird. Und die Einnahmen daraus müssen zusammen mit den Gebühren reichen, um die Kosten zu decken. Dabei darf die kommunale Abfallwirtschaft aber auch nicht verdienen: Zahlt der Bürger zu viel, muss dieses Plus auf die Müllgebühren für die nächsten vier Jahre angerechnet werden.

Das wird auch gemacht, schlägt sich aber nicht groß in den Gebühren für die kommenden vier Jahre nieder. Zwar hat die Finanzverwaltung ein ‚Plus‘ von rund 320.000 Euro für den Gebührenausgleich berechnet. „Das sind pro Jahr aber gerade mal rund 82.000 Euro“, sagt Schindler. Zudem seien die Jahresabschlüsse für diese Berechnung bisher nur vorläufig. Vor allem aber sei in den letzten vier Jahren „alles anders gelaufen als kalkuliert: Fast alles ist teurer geworden“, weiß der Sachgebietsleiter.

Altpapier-Probleme

Ein Teuerungsfaktor ist der Altpapiermarkt. Deutschland und Europa allgemein exportieren ihre Papierabfälle nach China. Der Grund: Hier gibt es viel zu wenig Anlagen für die Verarbeitung des begehrten Rohstoffs. Dazu kam ein Importstopp, den China zum 31. Dezember 2018 verhängte. Das führte dazu, dass die Lagerhallen in Europa aus allen Nähten platzten und der Preis fürs Altpapier aufgrund des zeitweiligen Überangebots ins Bodenlose sank. Schindler gibt hier einen Rückgang von 130 Euro auf kapp 50 Euro pro Tonne beim Mischpapier an.

Einen Importstopp gab es auch im Altkleidermarkt. Und die Coronakrise machte mit ihrem einhergehenden Exportverbot und einem zeitgleichen Anstieg der Müllproduktion – die Menschen waren öfter zuhause – den Kohl fett ... oder eher mager. Neue Lager mussten gebaut werden, die Lagerkosten stiegen, die Einnahmen sanken. Aber einen positiven Aspekt gebe es, so Schindler: „Die Altpapierpreise steigen momentan enorm, da es aufgrund der Coronakrise jetzt auch mehr Lager in Deutschland gibt.“ Das Handelsblatt nennt hier einen Preisanstieg von über 70 Prozent, im August habe eine Tonne Altpapier 170 Euro eingebracht. Das liegt auch daran, dass Verlage und Druckereien gerade händeringend nach Papier, vor allem grafischen Papier für Zeitungen, Plakate oder Bücher, suchen.

Dass die Müllentsorgung in den kommenden vier Jahren teurer wird, könne auch an der seit Januar dieses Jahres geltenden CO2-Besteuerung liegen, erläutert Schindler. Die ist allerdings momentan noch hypothetisch, da für kommunale Abfallunternehmen bisher ausgesetzt.

Sperrmüllanlieferung bleibt

In der Sitzungsvorlage war zu lesen, dass die einmalige kostenlose Sperrmüllanlieferung bis 500 Kilo umsonst bleiben solle. Allerdings solle das verbleibende Guthaben nach der einmaligen Anlieferung verfallen. So wolle man verhindern, dass Bürger bis zu zehnmal im Jahr mit minimalen Mengen kämen. Das führe zu Wartezeiten für die anderen Kunden, wenn immer das aktuelle Guthaben vermerkt werden müsse, sagte Schindler.

Aber nicht nur der Abteilungsleiter selbst, auch die Kreisräte sprachen sich für ein Aufrechterhalten des Guthabens aus. Tatsächlich kämen die Bürger im Landkreis durchschnittlich auch nur zwei- bis dreimal pro Jahr mit Sperrmüll zum Wertstoffhof, berichtete Schindler. Bürger, die in kleineren Wohnungen – und damit mit weniger Lagerraum – lebten, sollten weiterhin die Möglichkeit haben, ihren Sperrmüll mehrmals pro Jahr abgeben zu können, betonte Dr. Peter Friedl (Grüne). Auch Herbert Kirsch (FW), Alexander Herrmann (Grüne) und Wilhelm Böhm (CSU) votierten für das mehrmalige kostenlose Abgabesystem. Letztendlich einigte sich der Kreisausschuss einstimmig auf das dreimalige kostenlose Anliefern bis zu einer Gesamtmenge von 500 Kilogramm pro Jahr. Diese Entscheidung zusammen mit den geplanten Gebührenerhöhung geht als Beschlussempfehlung an den Kreistag, der am kommenden Dienstag tagt.

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