Bischofsweihe mit Mundschutz

Bertram Meier ist jetzt Bischof im Bistum Augsburg

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Bischof Bertram Meier (rechts) empfängt von Kardinal Marx das Evangelium.
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Die Allerheiligenlitanei während der Bischofsweihe.
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Kardinal Reinhard Marx weiht Bertram Meier zum Bischof .
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Kirchenmusik während der Bischofsweihe.
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Weihbischof Anton Losinger verliest die Ernennungsbulle von Papst Franziskus.
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Der Ring von Bischof Dr. Betram Meier.
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Der Bischofsstab von Dr. Bertram Meier.
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Das Brustkreuz (Vorderseite) des Bischofs.

Kaufering/Augsburg – Bischof des Bistums Augsburg ist Dr. Bertram Meier schon seit Ende Januar. Aber wegen der Corona-Situation konnte der in Buchloe geborene und in Kaufering Aufgewachsene erst am vergangenen Samstag geweiht werden – samt den Insignien Bischofsstab, Brustkreuz und Ring. Der 62. Nachfolger des heiligen Ulrich empfing das Weihe-Sakrament im Hohen Dom zu Augsburg durch den Erzbischof und Metropoliten von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx. Meiers Wahlspruch lautet: „Stimme des Wortes – Schale der Gnade“.

Aufgrund der Corona-Pandemie fand die zweieinhalbstündige Bischofsweihe unter anderen Rahmenbedingungen statt. So nahmen nur rund 180 Gäste mit Mundschutz und Mindestabstand an der Feier teil – unter anderem die Schwester Meiers, die mit ihrem Sohn und seiner Verlobten aus Paris angereist war. Auch die Musik musste schrumpfen: Anstelle der Domsingknaben war es der Chor AUXantiqua, der mit einem kleinen Instrumentalensemble barocke, romantische und zeitgenössische Stücke sowie gregorianische Choräle erklingen ließ.

Um 10 Uhr zog der liturgische Dienst in die Kathedrale ein. Hinter Prozessionskreuz, Weihrauch und Evangelienleuchter folgten der neuernannte bischöfliche Zeremoniar Ulrich Müller, Diakone und Priester. Dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof von Limburg Dr. Georg Bätzing folgten Erzbischof Dr. Ludwig Schick von Bamberg und der Apostolische Nuntius für Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterovic. Weihespender war Kardinal Marx. Alle zelebrierenden Priester und Bischöfe trugen dabei Messgewänder aus dem Löwenornat, den ein Löwenkopf als zentrales Motiv schmückt. Den Ornat fertigte die Künstlerin Andrea Dresely 1984 anlässlich der letzten Domrenovierung. Eher ungewöhnliche Kleidungsstücke waren hingegen die bunten Mund- und Gesichtsmasken der Teilnehmer – teilweise in den Bistumsfarben rot und weiß.

„Es freut uns sehr, dass nach langen Wochen des Wartens zum Schutz vor der Ausbreitung des Virus diese Feier heute möglich ist“, begrüßte Domkapitular Harald Heinrich die Anwesenden „aus allen Ebenen, von Europa bis hinein in die Kommunen.“ „Wir freuen uns, dass unser Bistum jetzt wieder einen Bischof hat.“ Die Ernennungsbulle wurde durch Dompropst Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger verlesen: „Daher setzen Wir Dich gemäß der Norm des überkommenen Rechts und kraft unserer Apostolischen Vollmacht zum Bischof von Augsburg ein, mit allen daraus resultierenden Rechten und Pflichten.“

In seiner Begrüßung ging Kardinal Marx auf die von der Corona-Pandemie geprägten Umstände ein: „Mitten in dieser Zeit wirst du geweiht zum Bischof. Und das wirst du nie vergessen, das werden wir nie vergessen“. Ein Bischof in dieser Zeit müsse deutlich machen, wofür das Evangelium stehe. „Geht es um die Zukunft der Kirche? Ist die Kirche systemrelevant? Es geht um das Reich Gottes!“ Zugleich empfahl er Meier den aus dem Bistum Augsburg stammenden früheren Bischof von Regensburg, Johann Michael Sailer, zum Vorbild: ein bayerischer Kirchenvater, der „seinen Weg frei und offen gegangen ist“, auch wenn er umstritten gewesen sei.

Marx nahm anschließend das Treuversprechen ab. Meier trat vor den Kardinal und bekundete feierlich seine Bereitschaft, das Bischofsamt zu übernehmen, die Einheit der Kirche zu wahren, für das Volk Gottes und besonders die Armen zu sorgen und die frohe Botschaft Jesu Christi zu verkünden: „Mit Gottes Hilfe bin ich bereit“.

In der folgenden Allerheiligenlitanei legte sich Meier als Zeichen der eigenen Unzulänglichkeit vor und seiner Hingabe zu Gott sowie seiner Bereitschaft zum Dienst für die Menschen auf den Boden. Das eigentliche Sakrament der Weihe wurde ihm im Stillen gespendet: Meier kniete vor Marx, der ihm die Hände auf das Haupt legte und damit die Gabe des Heiligen Geistes auf den neuen Bischof herabrief. Durch diesen Akt wurde Meier zum geweihten Bischof.

Die Pontifikalien

Schließlich salbte Marx den neuen Bischof und überreichte ihm das Evangeliar und die Pontifikalien: den Ring als Zeichen der Treue, die Mitra steht als Zeichen des bischöflichen Amtes: „Der Glanz der Heiligkeit sei dein Schmuck.“ Als Letztes empfing Meier den Hirtenstab. Schließlich geleitete Marx den neuen Bischof zur Kathedra, dem Bischofssitz, wodurch Bertram Meier für alle sichtbar Besitz von der ihm anvertrauten Diözese ergriff.

Bei der Kommunion wurde gemäß dem Corona-Schutzkonzept das Sakrament zu den Gläubigen an die Bänke gebracht. Als Dankgesang hatte sich Meier eine Vertonung der Gefangenenbriefe von Max Josef Metzger gewünscht. Metzger war Priester des Erzbistums Freiburg und hatte zwölf Jahre in Meitingen gewirkt. 1943 wurde er aufgrund seiner Haltung vom NS-Regime verhaftet und hingerichtet. Schließlich erteilte Meier allen Anwesenden seinen ersten bischöflichen Segen.

„Ich will und werde nicht alles ändern; zugleich bin ich überzeugt – nach Corona umso mehr –, dass wir an manchen Stellschrauben drehen sollten, dass auch Bewährtes neu justiert und aufgestellt werden muss.“, fasste Meier seine Ziele im Dankeswort zusammen. Auch auf seine Eltern kam er zu sprechen: Sein evangelischer Vater sei schon vor 30 Jahren gestorben. „Umso mehr freut es mich, dass Du, liebe Mama, auch hier aus der Nähe, nicht leibhaft, aber im Afraheim mitfeiern kannst“, grüßte er seine 89-jährige Mutter, die wegen der Corona-Pandemie nicht an der Feier teilnehmen konnte. Gesehen hat sie die Zeremonie dennoch: in der Live-Übertragung des Bayerischen Rundfunks.

Direkt anwesend waren auch Bundesminister Gerd Müller – „global vernetzt, Katholik“, so Meier – und Ministerpräsident Markus Söder, laut Meier „stark vor Ort, evangelischer Christ“. Bayern sei ein religiös neutraler Staat, sagte Söder in seinem Grußwort. Doch weder könne er sich persönlich ein Leben ohne Gott noch als Ministerpräsident einen Freistaat Bayern ohne die Kirche vorstellen.

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