Durch dunkle Gassen

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Durch diese hohle Gasse geht’s bei der Stadtführung am Adventssonntag: Die älteste Gasse Landsbergs, die sich sonst hinter verschlossenen Toren befindet.

Landsberg – Mit vorweihnachtlichem Besuch geht‘s ja gerne auf den Weihnachtsmarkt. Wer davor seinen Gästen noch ein bisschen von Landsberg präsentieren oder auch selbst sehen möchte, hat am nächsten Sonntag nochmal eine Chance: Die Stadtführung am Adventssonntag bietet Landsberg kompakt mit weihnachtlichem Ausklang.

Vom obersten Stock des Rathausanbaus geht der Blick zum anderen Lechufer. „Dort lebte früher der Henker und herrschte die Pest“, weiß Stadtführerin ­Erika Hartmann. Erst später wurde dieser Stadtteil bebaut. Von hier oben zu sehen ist die Katharinenkirche und natürlich auch die „Zitronenpresse“, die Kirche „Zu den Heiligen Engeln“. Landsberg verdankt seine Existenz genauso wie München Heinrich dem Löwen und der Salzstraße. „Salz wurde in Scheiben transportiert und pro drei Scheiben war ein Pfennig zu zahlen, der Salzpfennig.“ Gar nicht so wenig, gibt die Stadtführerin zu bedenken: Dafür gab’s auch ein Pfund Schweineschmalz.

Weiter geht es in den Festsaal. „Bis 1880 war das hier noch ein Speicher“, berichtet Hartmann. Sie erklärt die vier Wandgemälde, darunter auch der Tanz des Herzog Ernst mit den Mädchen aus Landsberg. Es gebe das Gerücht, der Herzog sei in eine 17-jährige Landsbergerin verliebt gewesen, die auf diesem Gemälde zu sehen ist. „Aber wir haben bisher keine Belege gefunden“, schmunzelt Hartmann. Der Herzog, auf dem Bild als Schönling zu sehen, sei auch eher das Gegenteil gewesen: „Er war ein alter, kleiner Gnom.“

Stuck und Kritzeleien

Im Standesamt fällt der Blick auf die Stuckdecke, deren Farben auf Wunsch Hubert von Herkomers von rosé und weiß zu grün und gold geändert wurden, damit sie zu dessen Gemälden an der Wand passten. Jetzt habe Landsberg etwas Einmaliges, sagt Hartmann: „Eine Rokoko­stuckdecke von Dominikus-Zimmermann, übermalt von Herkomer.“ Auch das Bürgermeisterzimmer im ersten Stock mit seinen in Paris gefertigten Gobelins steht auf dem Besichtigungsplan, bevor es noch kurz in den Keller geht. Dass hier früher ein Gefängnis war, ist noch an den Wandkritzeleien zu sehen.

Das jetzige Historische Rathaus wurde 1699 gebaut. Beim Umbau des Hauptplatzes 2011 kamen die Grundrisse des ersten Rathauses ans Tageslicht, das am Marienbrunnen stand. Und auch, dass damals der Hauptplatz 1,80 Meter tiefer lag: Schlammlawinen haben im Lauf der Jahre für die Erhöhung gesorgt. Hoch geht es zur alten Bergstraße mit ihrem knochenbrechenden Gefälle von 18 Grad. „Das war die einzige Straße in Deutschland mit Linksverkehr“, erzählt Hartmann. Die Fuhrleute, die zum Bremsen auf der linken Seite der Fuhrwerke gingen, sollten geschützt werden. Zudem gab es die behördliche Anordnung, dass die Haustüren nicht zugesperrt werden durften: Fahrer und Passanten sollten bei einem Unfall noch rechtzeitig in die Häuser flüchten können. „Hier war der Seitensprung sozusagen angeordnet.“

Hartmann sperrt eine unscheinbare Holztür auf. Dahinter die älteste Gasse Landsbergs, die zwischen Herzog-Ernst-Straße und Schlossergasse vom Hauptplatz zur Stadtpfarrkirche führt. Dunkel ist es hier und eng. Unterhalb des Discy treten die Besucher durch ein Tor wieder ans Tageslicht. Gefragt nach den seltsamen hohen Hausnummern weiß Hartmann eine Antwort: „Die Jesuiten nummerierten alle Häuser durch, um von ihren Schülern auch das nötige Schulgeld einziehen zu können.“ Später habe dann Napoleon das Werk vollendet. Die höchste Zahl ist die 496, das Haus hinter dem ehemaligen Café Zirnheld. „Wir vermuten, dass derjenige, der die Häuser nummeriert hat, öfter mal Durst hatte und nach seinem Wirtshausbesuch nicht mehr ganz wusste, wo er aufgehört hat“, lacht Hartmann. So gebe es die 302 neben der 278. „Der Postbote findet alle Hausnummern, auch ohne Straßennamen.“

Zurück geht es zum Georg-Hellmair-Platz, wo die Besucher noch ein weihnachtlicher Umtrunk in der dortigen Sonderbar erwartet – da tauen auch die kältesten Füße wieder auf. Und wer mag, gönnt sich zur Stärkung danach noch eine Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt. Die weihnachtliche Stadtführung findet am Sonntag, 18. Dezember statt. Treffpunkt ist 16.30 Uhr vor dem Historischen Rathaus.

Susanne Greiner

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