Weil Bürger auch Experten sind

„Wir sind alle Experten, wenn es um Kaufering geht, denn wir leben hier!“ Das hat Peter Vonnahme beim zweiten Treffen des jüngst gegründeten „Bürgerforums Kaufering“ erklärt. An die 30 Personen fanden sich um den Sprecher der Gruppe und die weiteren Initiatoren, Harald Klussmann und Wolfgang Haberecht ein, um die Lage im Ort zu diskutieren. Vielen ging es um das von Bürgermeister Dr. Klaus Bühler an­gestoßene Verkehrskonzept, bei dem unter anderem eine Südost- und Nordost-Spange, die Anhebung der Bayernstraße und weitere Kreisverkehre geplant sind.

Doch Vonnahme, Klussmann und Haberecht wollen eigentlich mehr... Ihnen geht es um eine „ganzheitliche Planung“ der Marktgemeinde, darüber soll bei den Begegnungen des Bürgerforums nachgedacht werden. Deutlich erklären die Engagierten, dass sie „keine par­- tei­politischen Interessen“ verfolgen und mit ihrer Initiative keinen zweiten Gemeinderat aufstellen wollen. Klussmann: „Unsere Ideen sollen den Gemeinderat unterstützen.“ Problematisch ist für das Trio das Tempo, mit dem Dr. Bühler den Straßenverkehr neu strukturieren will. Mit dem Bürgerforum soll eine neue Beteiligungskultur ge­schaf­fen werden, um vorschnellen Entscheidungen entgegenzusteuern. Planlosigkeit Da für die Zukunftsentwicklung auch das Gewesene eine Rolle spielt, ging es zunächst zurück. Peter Vonnahme zeigte Kauferings Geschichte und das Werden der Gemein­de auf, die für ihn „von Plan­losigkeit geprägt“ ist. Nach dem „Prinzip Pullover“ habe sich Kaufering so entwickelt, dass es heute an seine Grenzen stoße. Weiteres Problem sei die Vermischung von Wohnbebauung und Gewerbe. Vonnahme kritisierte die Dreiteilung des Ortes mit der Siedlung im Westen, dem Gebiet zwischen Lech und B17alt und Alt-Kaufering und sprach den fehlenden Mittelpunkt der Gemeinde an. „Wissen Sie, wo das Ortszentrum ist?“, fragte er in die Runde und bekam, wie erwartet, keine eindeutige Antwort. Jedoch zeigte sich dann eine Mehrheit bei der Ansicht: „Fuggerplatz ist gleich Zentrum“. Damit hatte Vonnahme die Diskussion angeregt und schnell ging es um das umstrittene Verkehrskonzept, das, wie eine Bürgerin sagte, „auf den Nägeln brenne“. Vonnahme, Klussmann und Haberecht hatten einiges zu tun, um die Absicht ihrer Einladung deutlich zu machen: erst mal Anregungen von Kauferingern sammeln. Städtebauwettbewerb Langfristiges Ziel des Bürgerforums ist es, an einem Ortsent­wicklungsplan einschließlich Ver­kehrskonzept mitzuarbeiten. Selbst schlug Vonnahme vor, die einzelnen Ortsteile horizontal miteinander zu verbinden. Auch wollen die Fo­rums­gründer einen städtebaulichen Wettbewerb anstoßen, damit Experten ihren Rat zur Ortsgestaltung geben könnten. Als weitere mögliche Vorhaben nannten sie die Ausbildung eines Ortskerns, den Umbau des Bahn­hofes und einen Energieentwicklungsplan. Vonnahme: „Wir dürfen da ruhig ein biss­chen spinnen!“ Und freute sich über einen Kauferinger mit der verwegenen Idee: „Machen wir die B17alt dicht!“ Bei den von Wolfgang Haberecht gesammelten Ideen stand das Thema Verkehr im Vordergrund. So wurden vereinfachte Tempo- und Vorfahrtsregelungen und Maßnahmen, die Unfallschwerpunkte entschärfen, gefordert. Ein Kauferinger fragte nach der Finanzierbarkeit und erkundigte sich nach der Haushaltslage der Gemeinde. Eine Prioritätenliste forderte ein anderer Bürger. Bürgermeister Dr. Bühler, der wegen der vorher stattfindenden Jahreshauptversammlung des Dorfvereins Alt-Kaufering, später erschien, beteiligte sich nicht an der Diskussion, sprach sich aber dafür aus, dass im Forum ergebnisoffen diskutiert werden sollte. Zwar musste sich der Bürgermeister viel Negatives anhören, doch hatte Peter Vonnahme bei dem Treffen auch mehrfach die guten Seiten der Marktgemeinde betont: etwa die kommunalen Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Recyclinghof und das Se­- nio­renstift. Und er kam dabei zu dem Schluss: „Dr. Bühler hat extrem viel geleistet – für Kaufering war er ein Gewinn.“ Morgen Bürgerforum Das nächste Mal treffen sich engagierte Kauferinger zum Bürgerforum am Donnerstag, 25. März, um 20 Uhr, in der Gaststätte Lechau. Das Thema „Straßenverkehr“ soll dabei im Mittelpunkt stehen.

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