50 Jahre landsberger bühne

Es muss was Wunderbares sein…

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Wenn die Bus-Touristen mit Reiseleiterin Daniela Echterbruch (links vorne) kommen, dann herrscht Hochbetrieb im „Weißen Rössl“.

Landsberg – Eine Hotelfassade in zuckerguß-rosa, ein großes Herz an der Tür, über allem schwebt die Österreich-Flagge. Schon die Ausstattung lässt ahnen, was hier über die Bühne gehen wird: ein buntes, turbulentes Singspiel. Doch was die der landsberger bühne unter Konstantin Moreth dann auf die Bretter bringt, toppt alle Erwartungen…

Die Geschichte um die Liebesverwirrungen in und um das „Weiße Rössl“ ist wohl nahezu jedem bekannt, ebenso wie die Gassenhauer „Im Salzkammergut“ oder „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“, zu präsent sind die legendären Verfilmungen mit Johannes Heesters oder Peter Alexander, zudem ist das Singspiel von Ralph Benatzky eines der meistgespielten Stücke auf deutschen Bühnen. Daher war es eine mutige Entscheidung der landsberger bühne, sich zu ihrem 50. Jubliläum ausgerechnet an diese Vorlage zu wagen, die der Verein bereits in einer reinen Sprechversion im Jahr 1965 aufgeführt hatte.

"Weißes Rössl" auf der Landsberger Bühne

Doch das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen: vor der wunderbaren Kulisse von Hans Dietrich singen, spielen, tanzen knapp 40 Akteure, insgesamt sind rund 70 Menschen auf und hinter der Bühne beteiligt. Witzige und originelle Regieeinfälle, Sprachwitz, schwungvolle Tanzeinlagen (Choreografie: Claudia Dlugosch) und ein immer präsentes Ensemble sorgen dafür, dass die Spieldauer von knapp drei Stunden wie im Flug vergeht. Da kommt der Dr. Siedler mit dem Fallschirm angeflogen, fliegen Koffer vom Balkon, flüchten Touristen bei Gewitter aus dem Biergarten. Musikalisch gestaltet wird das Ganze von einer vierköpfigen Band um den Musiker Karsten Gnettner, der auch für die Arrangements verantwortlich zeichnet. Vertraut, aber frisch und überraschend anders klingen die bekannten Songs, eine mitreißende Mischung aus Walzerseligkeit, Swing und Jazz in der Besetzung Kontrabass, Saxophon/Klarinette, Gitarre und Percussion.

Setzt sich der Chor aus erfahrenen Sängern aus Landsberger Chören zusammen, beweisen auch die Darsteller, dass sie nicht nur spielen, sondern auch singen können: Harald Dollinger überzeugt als liebeskranker Leopold, der „seine“ Wirtin (perfekte Besetzung: Sabine Kittel) auch dann anhimmelt, wenn sie gerade tyrannischer Stimmung ist. Götz Hofmann ist ein herrlich grantelnder Gieseke, Karlheinz Ehelechner ein Kaiser wie aus dem Bilderbuch. Nachwuchs-Darsteller Roman Groß gibt den Piccolo, einen naseweisen, aber charmanten Besserwisser.

Dann gibt es noch die Liebespärchen: den aalglatten Rechtsanwalt Dr. Siedler, der wech- selnd von Ex-labüler und Profi-Sänger Thomas Christ und Regisseur Konstantin Moreth ge­- spielt wird und Ottilie (Edith Fuchs) – hinreißend in ihren Duetten. Der schöne Sigismund ist Juri Olbrich, das lispelnde Klärchen wird von Carola Schuppert gespielt. Doch auch die zahlreichen Nebenrollen sind lebendig und überzeugend, egal ob Postbotin, Kellner, Stubenmädchen, Bade­- gäste, Gemeinderäte oder einfach nur Kühe (!).

Dramatische Momente

Doch bei allem Witz gibt es auch leise oder dramatische Momente: So sorgt Leopolds Liebesschmerz als Metal-Einlage für Betroffenheit beim Publikum, in der Heurigenszene weht bei der wunderbar-poetischen Passage des Professors Hinzelmann (Franz Krauß) ein Hauch von Wehmut durch den Saal.

Ein Mammutprojekt, das die Bühne dieses Mal gestemmt hat, das perfekt gelungen ist und vom Publikum mit Bravo-Rufen, Standing Ovations und nicht enden wollendem Applaus bedacht wurde.

Weitere Termine: 16., 17., 18., 21., 23., 24., 25. Januar jeweils 20 Uhr, 19. Januar um 18 Uhr, Zusatzvorstellung wegen der großen Nachfrage 22. Januar um 20 Uhr.

Elisabeth Müller

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