Im Team gegen den Mangel

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Im Gespräch über den Weiterbildungsverbund für Allgemeinmedizin (v. links): Dr. Hubert Meyrl, Dr. Harald Tigges, Dipl.-med. Thomas Rath, Dr. Hans-Joachim Baumgartl, Landrat Thomas Eichinger, Dr. Helga Holzfurtner, Klinikums-Vorstand Peter Rahn und Florian Müller.

Landkreis – Nicht nur die Gesellschaft wird immer älter, auch die Ärzte. Geht ein Hausarzt in den Ruhestand, ist es oft schwer, einen Nachfolger zu finden. Besonders in ländlichen Regionen besteht darin ein großes Problem. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, konnte nun ein Weiterbildungsverbund für Allgemeinmedizin im Landkreis geschlossen werden.

Um dem drohenden Hausärztemangel entgegenzuwirken, konnte auf Initiative des Ärztlichen Kreisverbands unter dem Vorsitz von Dr. Hans-Joachim Baumgartl dieser Verbund gegründet werden. Seit 1. Januar hat der Landkreis nun diesen Weiterbildungsverbund für Allgemeinmedizin. „Lücken schließen ist schwierig, deshalb wollen wir erst keine aufkommen lassen“, so Landrat Thomas Eichinger, der auch Verwaltungsrats-Vorsitzender im Klinikum ist. Neben Hans-Joachim Baumgartl und Thomas Eichinger, fand die Idee noch weitere Unterstützer im Landkreis: Neben dem Klinikum Landsberg nehmen außerdem die kbo Lech-Mangfall-Klinik Landsberg, der Ärztliche Kreisverband, das Ärztenetz Gesola sowie niedergelassene Ärzte aus dem gesamten Landkreis an dem Verbund teil.

Ein Rotationsplan sieht außerdem vor, dass die Ärzte zwölf Monate eine Weiterbildung in der ambulanten hausärztlichen Versorgung durchlaufen. Daran schließen sich 36 Monate an, in denen Innere Medizin, Chirurgie sowie Kinder- und Jugendmedizin oder Psychiatrie auf dem Programm stehen. „Alle Bereiche sind mit an Bord“, betont Helga Holzfurtner, Vorsitzende des Ärztenetzes Gesola. Den Abschluss bilden dann noch einmal zwölf Monate in der ambulanten hausärztlichen Versorgung. Zudem sind Hospitationen in Fächern wie Gynäkologie, HNO, Augen und Schmerztherapie vorgesehen sowie der Einsatz in der Nothilfe und ein Grundkurs in der Ultraschalldiagnostik vorgesehen. Das besondere an diesem Modell sieht Baumgartl darin, dass man alles im Landsberger Klinikum durchlaufen kann: „Man muss nicht umher fahren, sondern kann im Landkreis bleiben.“

Das würde dieses Modell auch für Frauen attraktiver machen, ist Holzfurtner überzeugt. Unkalkulierbare Arbeitszeiten und wirtschaftliches Risiko seien oft Gründe, die gegen eine Niederlassung als selbstständiger Arzt sprechen. Das sind alles Faktoren, die sich oft schwer mit einer Familie vereinbaren lassen. Zudem gebe es mittlerweile auch staatliche Modelle, die Allgemeinmedizin fördern. Und auch die Universitäten würden inzwischen ihren Teil dazu beitragen: „Die Studenten werden grundsätzlich mehr auf Allgemeinmedizin hingewiesen“, erklärt Holzfurtner. Eine Niederlassungsberatung fungiere zudem als eine Art „Jobbörse“ und erleichtere es, eventuelle Nachfolger für eine Praxis zu finden, so die Gesola-Vorsitzende weiter. Ärztenetze und Gemeinschaftpraxen seien außerdem in letzter Zeit auf dem Vormarsch: „Die Einzelpraxis ist out“, ist Holzfurtner überzeugt.

In ganz Bayern gibt es mittlerweile 66 Weiterbildungsverbünde, was nahezu eine Flächendeckung bedeutet. Auch der Landkreis Landsberg darf sich nun einreihen. „Durch den Rotationsplan werden die in der Weiterbildung geforderten ärztlichen Kenntnisse und Fähigkeiten den einzelnen Rotationsstellen zugeordnet. So läuft die Ausbildung strukturierter ab“, so Baumgartl. Dieses weiterentwickelte Ausbildungssystem scheint zu überzeugen: Die Koordinierungsstelle für Allgemeinmedizin an der Bayerischen Landesärztekammer möchte die Strukturierung der Ausbildungsinhalte künftig als Grundlage in die Verträge mit anderen Partnern in Bayern aufnehmen.

Astrid Erhard

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