Weitere Psychiatrie am Klinikum?

Erst war ein Ärztehaus geplant, dann das städtische Kinderhaus, jetzt soll eine Kinder- und Jugendpsychiatrie auf freien Areal (Vordergrund) an der Einfahrt zum Klinikum Landsberg gebaut werden. Foto: Kruse

Die dramatische Lage ist hochoffiziell seit Jahren festgestellt: Landsberg ist im Bereich Kinder- und Jugendpsychatrie absolut unterversorgt. Jetzt soll dem endlich mit einer Tagesklinik und Ambulanz abgeholfen werden. Das Auftreten eines möglichen Trägers hat offenbar inzwischen auch beim Bezirk Oberbayern Bewegung in den Fall gebracht.

„Bayernweit wartet man auf eine fachärztliche Diagnose im Schnitt zwei bis acht Wochen“, erläuterte Jugendamtsleiterin Susanne Stegmaier vor dem Jugendhilfeausschuss, „in Landsberg sind es zwei bis vier Monate“. Der Bedarf nach Be­handlung wäre zweifelsfrei vorhanden, wie Bernd Kammerer (SOS-Beratungsstelle) und Kinderarzt Dr. Oliver Wiese anhand mehrerer Fälle belegten. Bei einem 13-Jährigen etwa, so Kammerer, „steigerten sich die Auffälligkeiten bis hin zu tätlichem Angriff auf die Mutter, den Kontakt mit der Polizei und schließlich der stationären Unterbringung. Da wurde nie eine richtige Diagnose gestellt.“ Dass die nötige Hilfe weder von einer stationären Klinik noch von der Jugendhilfe geleistet werden könne, machte Wiese deutlich. „Wir Fachleute sind an dieser Stelle überfordert, das sehe ich schon an der Zahl der Fälle, die in meine Praxis kommen. Wir brauchen dringend eine Zwischenlösung zwischen dem, was wir im Moment ambulant vor Ort tun können und dem, was eine Klinik weit weg leisten kann. Das ist kein Luxus, sondern in Landsberg dringend nötig.“ Insgesamt dürfte bei rund zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen Behandlungsbedarf bestehen. Der Bezirk Oberbayern hat das Problem ebenfalls bereits in einem Beschluss aus dem Jahr 2002 festgestellt und Landsberg als Standort für „regionalisierte Plätze“ sogar namentlich erwähnt. Passiert ist seit­­dem nichts. Kammerer: „Wir hören seit Jahren immer nur von den Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Bezirk nur auf Zeit gespielt hat.“ Jetzt allerdings steht plötzlich ein weiterer möglicher Träger parat: Die Katholische Jugendfürsorge Augsburg hat deutliches Interesse an der Einrichtung einer Tagesklinik ange­- meldet. Diese Information gab Landrat Walter Eichner an Bezirkstagspräsident Josef Mederer weiter – prompt sind die ersten Fortschritte erkennbar. Landsberg werde vorgezogen, so Mederer. „Der Mann hält sein Wort, da bin ich mir sicher. Aber im Frühjahr muss eine klare Aussage da sein“, so Eichner, „ansonsten gehen wir auf den anderen Träger zu.“ Er machte allerdings deutlich, dass er den Bezirk als Partner vorziehen würde, „schon wegen möglicher Synergie-Effekte mit der vorhandenen Erwachsenen-Psychiatrie.“ Damit spielte der Landkreis­chef auf den möglichen Standort der neuen Einrichtung an: Auf dem ursprünglich für das städtische Kinderhaus vorgesehenen Grundstück am Klinikum könnten die geplanten zwei Gruppen mit jeweils acht Plätzen angesiedelt werden. Die Behandlungsdauer soll dort dann bei sechs bis acht Wochen liegen. Abends und an den Wochenenden werden die Kinder zuhause sein und außerdem weiter entweder die Regelschule oder eine Klinikschule besuchen. „Da wäre der Platz da. Ich weise aber darauf hin, dass es sich im Moment um ein reines Planspiel handelt. Da rücken ganz sicher nicht im Frühjahr die Bagger an“, so Eichner, der das Projekt „mit Nachdruck“ unterstützt. „Entscheiden werden das Klinikum und der Kreistag, immerhin geht es da um Millionen, es muss auch ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben werden. Außerdem ist das Ganze nicht eine Aufgabe des Landkreises, sondern des Bezirks.“ Dass die Geschichte neben dem sozialen auch einen finanziellen Aspekt hat, machte schließlich noch Susanne Stegmaier deutlich: „In einer Ambulanz wird sehr viel über die Krankenkasse geleistet, was bei uns im Landkreis im Moment über die Jugendhilfe finanziert werden muss.“

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