Weltpremiere am Ammersee

Strahlende Intendantin: Friederike Haufe mit Stiftsdirektor Bernhard Benne, Bürgermeister Herbert Kirsch (2. links) und Volker Ahmels. Fotos: Bentele

Das erste Klavierfest Dießen, initiiert und durchgeführt von Intendantin Friedericke Haufe, hat neue Maßstäbe der musikalischen Erlebnis­- welt am Ammersee gesetzt. Gefördert und maßgeblich mit auf den Weg gebracht wurde es von Bürgermeister Herbert Kirsch und Bernhard Benne, Stiftsdirektor des Augustinum Ammersee. Ihr Fazit nach der Konzertreihe zum 200. Geburtstag von Franz Liszt: Das Klavierfest Dießen möge zur festen Einrichtung werden.

„Dieses ist die Weltpremiere... es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn aus einem Traum Wirklichkeit wird.“ Das Publikum im Stiftstheater spürte die Rührung, die in den Worten der Pianistin und Intendantin mitschwang. Allen Gönnern, Mäzenen und Sponsoren sei sie überaus dankbar für „Hand- und Kopfarbeit“. Das Festival stellte sie, anlässlich seines 200. Geburtstags, ins Zeichen der Musik von Franz Liszt. Beim Eröffnungsabend mit Christian Chamorel erlebte das Festival-Publikum „Années de Pèlerinage“, die musikalischen Wanderjahre durch das geistige, erotische und religiöse Leben des „musicien voyageur“ Liszt. Sie gehören zu seinen großartigsten Werken. Hier erzählt der prominenteste Klaviervirtuose und einer der produktivsten Komponisten des 19. Jahrhunderts in wundervollen Bildern seine Reiseerfahrungen durch die Schweiz und Italien. Teils abstrakt, teils real und, dank Chamorels Moderation, auch gut verständlich. Am Samstagnachmittag folgte mit dem Musikalischen Puppenkabarett die erste und überaus heitere Begegnung mit dem vitalen 80-jährigen Norman Shetler. Wer einen Steinway auf der Bühne erwartete, nahm erstaunt ein plüschig-fröhliches Puppentheater wahr. Lebhaft ging es zu – ganz ohne Konzerthallen-Respekt – denn in den vorderen Reihen hatten Kinder Platz genommen, die zuvor Carl Orffs Witwe Liselotte kennenlernen konnten. Auch hier die direkte Berührung mit dem Meister, der vor jeder „Nummer“ hinter seinem Theater hervortrat und lustig auf die nächste hinführe, dabei die Kinder zu Wort kommen ließ und die Erwachsenen ins Spiel einbezog. Da ist Franz Liszt aufgetreten, die Callas und viele mehr: Die Puppen erzählten witzige Episoden aus ihrem Leben. Keiner, ob Groß oder Klein, Jung oder Alt, konnte sich dem Zauber entziehen. Alle verließen lachend und guter Dinge den Saal, immer mit Shetlers Scherzen im Ohr. Zum Festkonzert trat das Klavierduo Friederike Haufe und Volker Ahmels auf die Bühne. Begleitet am Mikrofon von Festredner Prof. Dr. Gerold Gruber, der Franz Liszt erklärte. Vor allem mit Briefen, die der Komponist mit Zeitgenossen wechselte. So entstand ein Spiel aus grandiosen Musikwelten und launigen Wortgefechten. Die Festpolonaise von Franz Liszt (Polonaise Es-Dur) bot den fulminanten Auftakt, gefolgt von Robert Schumanns Bilder aus Osten, Franz Schubert war zu genießen mit der Fantasie f-moll. Feurig wurde es nach der Pause mit den Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms. Beim großen Finale erlebte das Publikum „Das Klavier als Orchester“: Die Sinfonische Dichtung Les Préludes, die zwischen 1848 und 1854 entstand. Zu Gehör kam die Fassung, die List für Klavier zu vier Händen arrangierte. Kaum war der letzte Ton gänzlich verhallt, tauchte das Klavier-Duo ein in den großen Applaus. Das Dießener Klavierfest verabschiedete sich mit der sonntäglichen Matinée, gespielt von Norman Shetler. Aufrecht saß er vor dem Flügel und entlockte dem Instrument emotionale Welten, die die Sinne verführten und die Seele verzauberten. In der Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit seines Spiels liegt eine große Kunst, die den Pianisten, Puppenspieler und Hochschullehrer einmalig und unverkennbar macht und ihm weltweite Ehre und Verehrung einbringt. In Dießen spielte er von Liszt für Klavier bearbeitete Lieder und begeisterte vor allem auch mit Louis Moreau Gottschalk (Pasquinade, Caprice um 1869), einem Pianisten und Komponisten, der 1829 in New Orleans auf die Welt kam. Nach vier Zugaben ging Shetler von der Bühne.

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