Zu wenig Klasse

Selten agierte die Landsberger Hintermannschaft um Goalie Alexander Reichelmeir und Verteidiger Christian Köllner so aufmerksam wie hier gegen Andrei Salzer (links). Foto: Krivec

Dave Rich ist derzeit nicht zu beneiden: Mit zwei Niederlagen rutschte der EV Landsberg in der Tabelle der Eishockey-Oberliga am Wochenende auf Rang sieben ab und am Freitag durfte sich der EVL-Trainer dann auch noch der mehr oder minder aggressiven Nachfragen eines auswärtigen Journalisten erwehren, warum die Gastgeber beim 2:5 (1:1, 0:4, 1:0) gegen Peiting im Mitteldrittel so „auseinandergefallen“ waren.

Dabei ist die Ursache jedem ziemlich klar und war es auch schon bei Saisonbeginn: Aus Geldnot fehlen in der aktuellen Mannschaft sowohl die Erfahrung als auch die Klasse. „Ich habe im Prinzip nur 15 Leute im Kader, von denen zehn noch nie in einer Oberliga-Mannschaft Überzahl gespielt haben. Weil ich aber keine Alternativen habe, muss ich sie auch da einsetzen, das kann so nicht funktionieren. Im nächsten Jahr können sie das sicher besser, aber im Moment lernen alle bei uns noch“, erklärte Rich. Als ob das des Übels noch nicht genug wäre, bekam beim 1:8 (1:1, 0:5, 0:2) gegen den SC Riessersee am Sonntag Torhüter Rostislav Kosarek auch noch einen Schuss gegen den Kopf ab. Kosarek landete nach 13 Minuten mit Gehirnerschütterung im Garmischer Krankenhaus, der eingewechselte Reichelmeir kassierte bis Mitte des zweiten Drittels vier Gegentreffer und Rich steht in dieser Woche mit einem veritablen Problem da. Da Reichelmeir voll arbeitet und Kosarek bis Donnerstag nicht trainieren darf, steht für das Vormittagstraining kein Torhüter zur Verfügung. Ob Abends ein Junioren-Goalie dazustößt, wird sich erst herausstellen. An Reichelmeir wollte Dave Rich die klare Niederlage in Garmisch aber auch nicht alleine festmachen. „Wir kriegen drei blöde Tore, wenn es schief läuft, läuft es eben richtig schief. Und wir haben wieder Fehler gemacht, der Gegner hat erfahrene Spieler, die nützen so etwas aus. Da arbeiten dann bei uns die Stürmer defensiv nicht gut genug und die Verteidigung ist teilweise in dieser Liga einfach überfordert.“ Wobei es dann nicht nur an der Jugend und Unerfahrenheit der Spieler liegt, sondern auch die älteren Spieler an ihre Grenzen stoßen. „Wir haben etliche Spieler, die in der vergangenen Saison entweder gar nicht gespielt haben oder null Punkte gemacht haben. Die anderen, wie Maaßen, Helmbrecht oder Anderson, haben zwar gepunktet, aber sie hatten auch eine ganz andere Mannschaft um sich herum. Sie sollen jetzt die Führungsspieler sein und das ist nicht einfach.“ Wenn man das 1:8 in Garmisch betrachtet, wird das für den Coach besonders deutlich: „Die bauen fünf junge Spieler in ihre Mannschaft ein. Bei uns spielt in jeder Reihe ein Erfahrener mit vier Jungen und in der dritten Reihe spielen dann gleich fünf Junge.“ Rich's bitteres Fazit: „Am Sonntag haben dann Männer gegen Kinder gespielt, so geht das dann eben aus.“ Um die aktuelle Lage zu verbessern, würde er am liebsten „ein oder zwei wegschicken und neue Leute holen, aber die finanzielle Lage in Landsberg lässt das im Moment wohl nicht zu. Einige sind nicht nur jung, sondern offenbar auch nicht reif genug für diese Aufgabe. Dazu kommt, dass dann bei solchen Ergebnissen das Selbstvertrauen schnell verloren ist. Sie haben auch nicht die Erfahrung, mit so etwas umzugehen.“ Der Beleg für diese These war im Heimspiel am Freitag zu sehen. Der derzeit angeschlagene Top-Favorit aus Peiting fand im ersten Drittel praktisch nicht statt, stattdessen dominierte der EVL mit seinem besten Drittel in dieser Saison. Mit dem 1:1 durch Tore von Drommeter (im dritten Nachschuss) und Borberg, der bereits einen schweren Fehler beim Landsberger Befreiungsversuch bestrafte, waren die Gäste noch gut bedient, der EVL hätte durchaus komfortabel führen können. Doch im zweiten Drittel riss der Faden. Beim 1:2 profitierte Klaus Müller von einem eigenwilligen Ausflug von Reichelmeir. Müller nahm auch beim 1:3 (28.) bei einem weiten Pass von Borberg aus dem eigenen Drittel die Lücken in der Landsberger Hintermannschaft dankbar an. Nur zwei Minuten später sahen die EVL-Spieler Markus Vaitl nur zu, als der zum 1:4 einschob. Und noch vor der zweiten Drittelpause war die Partie entschieden, als bei einem Konter des ECP Michael Kreitl unbedrängt in die Mitte passen durfte und die EVL-Verteidiger an der blauen Linie die Rückwärtsarbeit eingestellt hatten, so dass der ansonsten unauffällige Lubor Dibelka unbedrängt auf 1:5 stellen durfte. Im Schlussabschnitt hatte der EVL über zehn Minuten lang gar nichts zu bestellen, da Peiting im Gegensatz zum Vorbereitungsspiel vor wenigen Wochen weiter attackierte. Erst in den Schlussminuten nahmen die Gäste den Fuß vom Gas und so kam der EVL noch zum 2:5 durch Alexander Thiel (60.). Rein statistisch lesen sich die letzten beiden Wochen für den EVL gar nicht so schlimm: Bis auf das 1:8 in Garmisch waren die Ergebnisse stets relativ knapp und gegen Peiting hatte man auch mehr Torschüsse als der Gegner aufzuweisen. Dass die vier Niederlagen am Stück verdient waren, ist dennoch nicht zu bezweifeln. „Wenn wir niemanden als Verstärkung holen können, wird jedes Spiel ein ganz harter Kampf für uns“, weiß Dave Rich. Die nächste Chance zur Bewährung gibt es am Freitag, wenn um 20 Uhr der EV Füssen in Landsberg gastiert. Am Sonntag (18 Uhr) geht es nach Selb zur möglichen Revanche gegen den Aufsteiger.

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