Die Schranken bleiben

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Zu wenig Personal, um die Wegen zu räumen – deshalb bleiben die Absperrschranken bestehen. Das hat der Stadtrat nun beschlossen.

Landsberg – Auch, wenn es vielen Stadträten nicht gefiel: Die Absperrschranken, die der Bauhof an mehreren Landsberger Fußwegen montiert hat (der KREISBOTE berichtete), bleiben. „Um die Wege zu räumen, habe ich schlicht und einfach das Personal nicht“, stellte Tiefbauamtschef und Bauhofleiter Hans Huttenloher in der jüngsten Sitzung auf Nachfrage klar.

Allerdings hatte aus genau diesem Grund der Bauausschuss kürzlich beschlossen, das Orga-Gutachten, das einen Stellenüberhang im Bauhof sieht, dort nicht umzusetzen. „Deswegen verstehe ich das nicht. Wir haben beschlossen, alles beim Alten zu lassen und trotzdem werden jetzt in vorauseilendem Gehorsam Fakten geschaffen“, wunderte sich Dr. Andreas Hartmann (Grüne). Die Situation hätte sich für ihn durch das Votum des Bauausschusses keineswegs entspannt, betonte Huttenloher. „Auf Basis dieses Beschlusses kann ich nicht ausschreiben und einstellen, das muss vom Stadtrat kommen.“ Aufgrund der üblichen Abläufe rechnet er jetzt nicht damit, dass die neuen Mitarbeiter „vor Mitte Januar bis Mitte Februar“ die Arbeit aufnehmen könnten. 

Er könne „sogar noch einen obendrauf setzten“, meinte Huttenloher: „Von meinen vier Einsatzleitern sind zwei krank und fallen wahrscheinlich bis Januar aus. Ich brauche jetzt wieder eine Ausnahmegenehmi- gung, dass die zwei anderen ihre Ruhezeiten von mindestens elf Stunden nicht immer einhalten müssen.“ Ein weiteres Problem: „Im Gegensatz zu dem, was ich im letzten Lehrgang gelernt habe, können wir die Räumarbeiten an den Busstellen doch nicht auf die Anwohner umlegen. Damit haben wir also auch wieder mehr Arbeit.“ 

Rechnerisch bräuchte der Bauhof 43 Mitarbeiter, um den Winterdienst vollständig zu leisten, es stünden aber nur 33 zur Verfügung. Deshalb sollen nach Huttenlohers Planung auch die Radwege in der Stadt nur noch unregelmäßig geräumt werden, wenn Personal zur Verfügung steht. Das machte der Stadtrat aber so nicht mit und brachte mit nur zwei Gegenstimmen (CSU) eine „Priorisierung“ auf den Weg. Demnach sollen zunächst die Wege in der Stadt, dann zu den Stadtteilen und dann die restlichen geräumt werden. Huttenloher: „Die Radwege zu den Schulen frei zu machen, ist sowieso oberste Pflicht. Ich kann aber nicht garantieren, dass wir das in diesem Winter bis 7.30 Uhr schaffen.“ 

Christoph Jell (UBV) zeigte sich über die Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt verwundert. „Wenn wir feststellen, dass wir die Leute nicht haben, warum haben wir nicht drei Monate vorher darüber gesprochen?“ Auch hier wehrte sich der Bauhofchef. „Wir haben Leistungen im Sommer extern ausgeschrieben, darauf aber eine sehr geringe Resonanz erhalten. Im September habe ich intern den Bericht vorgelegt, dann dem Bauausschuss, da ist nicht getrödelt worden.“ Dass er die Schranken jetzt anfertigen und anbringen ließ, obwohl der Stadtrat noch gar nichts beschlossen hatte, rechtfertigte er mit dem Winterdienst, „der fängt eben am 1. November an.“ 

Auf den Vorschlag von Dr. Wolfgang Weisensee, Asylbewerber auf freiwilliger Basis zum Schneeschippen auf den Fußwegen einzusetzen, reagierte er verhalten. „Das wäre erstmal noch versicherungstechnisch zu klären. Außerdem hat sich nach einem ersten Kontakt nie wieder jemand bei mir gemeldet.“ 

Der Stadtrat gab ihm jetzt aber einstimmig den Auftrag, die Flüchtlinge „aktiv zu kontaktieren und anzuwerben.“ Weisensee: „Denen fällt ja schon die Decke auf den Kopf und das käme sicher in der Stadt gut an.“ Bis dahin bleibt den Benutzern der abgesperrten Treppen nur, auf den Wettergott zu hoffen: „Wenn für die nächsten acht Tage kein Schnee vorhergesagt ist, machen wir so schnell wie möglich wieder auf“, versprach Huttenloher. „Bei einem normalen Winterverlauf also nie“, fürchtete Henrik Lüssmann (Grüne) an- gesichts der langen Frist.

Christoph Kruse

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