Nur wenige Firmen können aufatmen

Wie werden die Unternehmen der Region mit der Wirtschaftskrise fertig? Als diese Fragestellung auf der Frühjahrsveranstaltung des Informationskreises der Wirtschaft (www.idw-LL.de) diskutiert wurde, herrschten noch große Unsicherheit und Pessimismus. Inzwischen mehren sich zumindest vereinzelt positive Signale. Kurzarbeit wird ausgesetzt, Auftragsbücher füllen sich wieder. Doch nicht jede Branche kann bereits aufatmen.

„Sogar noch besser als erwartet“, beurteilt etwa Wolfgang Zeit aus Kaufering die Situation seines Schreinerbetriebes. „Besonders gut ist die Auftragslage in den Bereichen energetische Sanierung, Fenster und Wärmetechnik“, berichtet der Chef von 30 Mitarbeitern. Bei den Kunden beobachtet er ein steigendes Qualitätsbewusstsein weg von der Billigschiene. „Das ist natürlich auch ein Vorteil dieser Region, die wirtschaftlich vergleichsweise noch am besten da steht.“ Zum einen von der Abwrackprämie, zum anderen von einer breiten Kunden- und Produktstruktur hat der Automobilzulieferer Hirschvogel Automotive Group in Denklingen und in Schongau profitiert. Bereits im zweiten Quartal stieg die Nachfrage wieder an, und die im Frühjahr eingeführte Kurzarbeit konnte im August und September ausgesetzt werden – der KREISBOTE berichtete Kaufzurückhaltung Ganz anders ist die Situation für stark spezialisierte Firmen wie die Landsberger Huttner Fahrzeugbau GmbH, die ausschließlich Holztransporter herstellt und diese in ganz Europa verkauft. „Bei unseren Kunden herrscht eine große Kaufzurück- haltung“, berichtet Jutta Huttner. „Der Export und der ganze europäische Markt sind zusammengebrochen. So etwas habe ich in 40 Jahren in diesem Geschäft noch nie erlebt.“ Die Mitarbeiterzahl musste man bei Huttner von 52 auf 44 reduzieren, die im April eingeführte Kurzarbeit wird voraussichtlich noch bis Jahresende bestehen bleiben. Statt den sonst üblichen zwei Auszubildenden wurde in diesem Jahr nur einer eingestellt. Immerhin, die Branche ist kein toter Zweig, die Holzwirtschaft werde wieder anspringen. „Es wird sich wieder einpendeln“, so Huttner. „Aber wahrscheinlich auf niedrigerem Niveau.“ Ähnliches vermeldet Günter Veit, Chef der international agierenden Veit Group mit Sitz in Landsberg. „Wir liegen um mehr als 30 Prozent unter dem Umsatzplan und mussten vereinzelt Stellen abbauen.“ Veit sieht nur eine langsame Erholung voraus und plant eine weitere Reduktion der Mitarbeiter durch natürliche Fluktuation. Mit Lohnverzicht Von den rund 200 Beschäftigten der Landsberger Wohlfahrt Unternehmensgruppe, die die Wohnbau Landsberg, die Spedition Lechzug und den Baustoffhandel Renner umfasst, musste bisher niemand entlassen werden. Die Belegschaft der Spedition, die mit wegbrechenden Aufträgen einerseits und osteuropäischer Billigkonkurrenz andererseits zu kämpfen hat, verzichteten auf zehn Prozent ihres Bruttolohns, um im Gegenzug die Arbeitsplätze zu sichern. Gut läuft es dagegen im Wohnbaubereich. „Immobilien sind eben in der momentanen Situation die beste Geldanlage und die optimale Altersvorsorge“, befindet Geschäftsführer Stephan Wohlfahrt. Keine Kreditklemme Dass der Mittelstand in dieser schwierigen Zeit nicht in Panik verfällt, sondern massiv investiert, das können auch die Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis berichten. Gerade die Vergabe von Krediten an die regionalen Unternehmen steige stark an. Auf die viel zitierte Kreditklemme angesprochen, sagt Klaus Schmalholz, Vorstand der Landsberg-Ammersee Bank eG: „Davon kann bei uns keine Rede sein. Im Gegenteil, die Vergabe von Investitionskrediten ist sogar angestiegen.“ Nach wie vor sei Bedarf da, die Anfragen weiterhin in hohem Maße vorhanden, so Schmalholz. Das Ende in Sicht? Waren im Frühjahr die Ausmaße der Rezession noch gar nicht abzusehen, so ist in bestimmten Branchen mittlerweile sogar schon das Ende der Talfahrt in Sicht. Mit der geän- derten wirtschaftlichen Lage will sich das Kernteam des Informationskreises im Rahmen der anstehenden Herbstveranstaltung befassen – dabei werden wieder Vertreter der Politik wie auch der Wirtschaft zu Wort kommen. Der Termin der Veranstaltung und das Programm stehen im Detail noch nicht fest.

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