Hoffnung auf gute Erträge

Wenn die Kartoffel Stress bekommt - die Erntepressefahrt durch Egling

Manfred Sießmeir, Christoph Wörl, Anton Wörle, Herbert Grundler und Christoph Schamberger
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Zu den Feldern von Manfred Sießmeir, Christoph Wörl, Anton Wörle, Herbert Grundler und Christoph Schamberger (von links) führte die diesjährige Erntepressefahrt.
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Egling – Zumindest eines ist das Jahr 2021 nicht – ein Dürrejahr. Der viele Regen hat in der Landwirtschaft für Entspannung gesorgt und macht Hoffnung auf eine mindestens durchschnittliche Getreideernte. Andererseits verursacht er auch Probleme, wie auf der diesjährigen Erntepressefahrt deutlich wurde. Denn nicht nur, dass durch die aufgeweichten Böden die Feldarbeit erschwert wird. Hackfrüchte wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais bräuchten jetzt dringend eine trockene Schönwetterphase.

Johann Drexl, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), hatte Wetterdaten mitgebracht. Demnach fielen im Landkreis im Mai vergangenen Jahres 45 Millimeter Niederschlag, im Mai 2021 mehr als dreimal so viel, nämlich 140 Millimeter. Die Durchschnittstemperatur lag mit 9,9 Grad um fast zwei Grad niedriger als im Vorjahr, auch die Sonnenstunden waren weniger.

Pilz durch Nässe

„Der nasskalte Mai war schlecht für die Kartoffel“, bilanzierte Christoph Schamberger, einer von fünf Landwirten, zu deren Feldern die Rundfahrt heuer führte. Der Prittrichinger baut Pommes-frites-Kartoffeln an, besonders große und stärkehaltige Exemplare, die zu möglichst langen Pommes verarbeitet werden können. „Die Kartoffel kriegt Stress durch zu viel Feuchtigkeit“, berichtete der 24-Jährige. Die Nässe bietet ideale Bedingungen für die durch Pilzbefall ausgelöste Kartoffelfäule. Wie die Erträge heuer ausfallen, werde von der weiteren Witterung abhängen. Noch hofft Schamberger auf eine gute Ernte.

Mehr Beschwerden

Der junge Landwirt hat heuer mit einem Kollegen Äcker getauscht und bewirtschaftet unter anderem eine Fläche in Egling. In der Gemeinde ist die Landwirtschaft mit 15 Haupterwerbsbetrieben noch recht gut vertreten. Und doch schwindet nach den Worten von Bürgermeister Ferdinand Holzer auch hier in der Bevölkerung das Verständnis für die Arbeit der Bauern. „Es kommen immer mehr Beschwerden über landwirtschaftlichen Verkehr herein.“

Die Diskussion, die sich gleich zu Beginn unter den Teilnehmern entzündete, kam schnell zu den Kernthemen, die den Landwirten auch im Landkreis das Leben schwer machen – zu viele gesetzliche Auflagen, zu wenig Wertschätzung für gute Lebensmittel, zu niedrige Erzeugerpreise. Zum Beispiel für Milch – die Kosten für Eiweißfutter seien so stark gestiegen, dass sie mit dem Milchpreis kaum noch zu decken seien, kritisierte der stellvertretende Kreisobmann Bernhard Drexl.

»Versaute Lebensmittel«

„Wir haben versaute Lebensmittelpreise“, brachte es Gisela Sengl auf den Punkt. Die Biobäuerin aus dem Landkreis Traunstein und agrarpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen war zusammen mit Fraktionskollegin Gabriele Triebel nach Egling gekommen. Hoffnung sieht Sengl insofern, als beim Verbraucher das Bewusstsein für Regionalität und Qualität durch die Coronakrise gewachsen sei.

Die Zahl der Betriebe im Landkreis hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum gewandelt, berichtete Nikolaus Bachinger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ALF) Fürstenfeldbruck. Die Flächennutzung für Getreideanbau sei mit rund 10.000 Hektar gleich geblieben, für Dauergrünland habe sie sich leicht erhöht.

Ökologische Landwirtschaft betreiben laut Bachinger 14 Prozent der Betriebe im Landkreis. Am höchsten ist ihr Anteil in Kaufering (47 Prozent), aber auch in Finning, Rott und Scheuring liegt er über dem Durchschnitt. Dass die Zahl der Ökobetriebe im Vergleich zum Vorjahr nicht gewachsen ist, führte ein Teilnehmer auch darauf zurück, dass umstellungswillige Milchviehbetriebe oft keine Molkereien fänden, die ihnen die Bio-Milch abnehmen.

Dass auch konventionelle Betriebe ökologisch unterwegs sein können, zeigte nicht zuletzt Christoph Wörl, der Gastgeber der diesjährigen Erntepressefahrt. Er betreibt zusammen mit zwei anderen Landwirten eine Biogasanlage und eine 14 Hektar große Solaranlage auf einer extensiv genutzten Wiese.

Und er hat neben seinem Zuckerrübenfeld ein Schild aufgestellt, das auf die Klimaleistung der Feldfrüchte hinweist: „1 ha Rüben bindet ca. 21 t CO2 und setzt ca. 14 t Sauerstoff frei“, heißt es darauf.

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