Zu wenig Betrieb für Eisele, Schneider und Waibel

Wenn Fahrgäste fehlen: Landsberger Busunternehmen in Not

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Trotz positiver Grundeinstellung: Auch Schneider Reisen sind von der Pandemie stark betroffen. Hier Klaus Schneider mit Assistentin Alessia Meister.

Landkreis – Für die Busunternehmen geht es derzeit um alles. Der Reisebusverkehr wurde mit dem Lockdown Mitte März gänzlich verboten – und damit den Reisebusunternehmen die Geschäftsgrundlage entzogen. Auch erste Lockerungen wie beispielsweise Individualreisen unter Einhaltung der Abstandsregeln machten wirtschaftliches Arbeiten kaum möglich. Erst seit dem 22. Juni dürfen nun auch Reisebusse in Bayern wieder – mit Maske – voll besetzt fahren. Während der Linienverkehr fast ohne Pause weiter rollte – mit uneingeschränkten Beförderungskapazitäten. Das wird in der Branche als ungerecht empfunden.

In ihrer Existenz bedroht: die Landsberger Busunternehmer Christoph (links) und Thomas Eisele.

Insgesamt gibt es in Bayern rund 1.100 mittelständische, meist familiengeführte Busunternehmen. Gerade die hat die Coronakrise hart getroffen. Auch das von den Brüdern Christoph und Thomas Eisele geführte Landsberger Busunternehmen Eisele Tours. Das Unternehmen hatte sich im Januar 2019, als es die Ausschreibung für den Landsberger Stadtbus verlor, neu aufgestellt und komplett auf Reisen umgestellt. „Das lief im letzten Jahr sehr gut an“, sagt Christoph Eisele. „Auch für 2020 waren wir schon von Februar bis Oktober ausgebucht.“ Doch dann kam Corona. Am 15. März sei alles weggebrochen: Schülerfahrten, Schulausflüge, Abschlussfahrten für das ganze Jahr. Auch die Tagesfahrten und Mehrtagesreisen aus dem eigenen Programm.

Von jetzt auf gleich habe man keine Einnahmen mehr gehabt. Aber die Betriebskosten liefen weiter. Schnell wurden Maßnahmen eingeleitet – der Großteil der Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, Soforthilfe beantragt. Aber die sei halt nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Der Lufthansa und der Deutschen Bahn werden Millionen zugeschoben, aber uns mittelständische Busunternehmen lässt man komplett im Regen stehen“, meint Christoph Eisele. Ihre Kunden hätten ihnen jedoch sehr geholfen. Fast alle ließen sich das Geld für bereits gebuchte Reisen nicht zurückzahlen, um später zu reisen, wenn es wieder möglich ist. „Dafür möchten wir uns herzlich bedanken.“

Dass die Beschränkungen nach und nach gelockert wurden, könne die drohende Pleitewelle in der Bustouristik nicht abwenden. „Wir befürchten, dass es hier eine gewaltige Marktbereinigung gibt“, sagt Christoph Eisele.

Eine erste Lockerung trat zum 30. Mai ein. Individualreisen wurden möglich – mit Mindestabstand und Maske. „Das bedeutet bei einem Bus mit 50 Plätzen, dass nur circa 15 Personen mitfahren durften. „Das war völlig unrentabel für uns“, sagt Thomas Eisele. Im Linienverkehr war das anders: In Fernbussen, im Nahverkehr, auch in Bahn oder Flugzeug durften Menschen trotz Infektionsgefahr mit Atemschutzmasken durchgängig so eng sitzen wie immer. „Dass man zwischen Fernlinienbus und Reisebus solche Unterschiede macht, das verstehen wir nicht“, sagt Christoph Eisele.

Auch Linienbusse in Not

Weil viele Menschen zu Hause verharrten, sank die Auslastung auch für die Linienbusse drastisch. Für sie galt ein reduzierter Betrieb vom 13. März bis 27. April. Seitdem fahren sie wieder nach dem Regel-Fahrplan. Dennoch gab es zunächst Einschränkungen: Einstieg nur durch die hintere Tür, kein Fahrscheinverkauf in den Bussen. Seit dem 15. Juni ist der Einstieg wieder nur noch vorne möglich. Immer noch muss eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden, um sich und andere zu schützen.

Stark betroffen von den Einschränkungen ist auch das Busunternehmen Schneider Reisen aus Landsberg. Der Schwerpunkt des familiengeführten Unternehmens liegt auf Linienstrecken im Überlandverkehr. Urlaubsfahrten werden schon seit 15 Jahren nicht mehr angeboten. „Aber Tagesfahrten für Schulklassen oder Gelegenheitsfahrten wie Shuttleservices bei Veranstaltungen übernehmen wir noch“, sagt Klaus Schneider, Inhaber und Geschäftsführer. Auch im Schienenersatzverkehr ist das Unternehmen seit Jahren tätig. All das sei weggebrochen. „Diese Großaufträge sind elementar für uns und bedeuten nun Riesenverluste.“

Mit der Schließung der Schulen sei „die Bombe geplatzt“ – das Fahrgastaufkommen auf den Linienstrecken ging gegen Null. „Wir haben sofort reagiert – und versucht, schlagartig unsere Betriebskosten zu reduzieren“, so Schneider. Etwa durch Kurzarbeit oder Stilllegung der Fahrzeuge. Zum Glück gebe es Unterstützung – etwa Ausgleichszahlungen von Seiten der Auftraggeber, sodass zumindest die Betriebskosten gedeckt seien. Dafür sei man dankbar.

„Ab dem 27. April, als die Schulen eingeschränkt wieder aufgemacht haben, ging es auch bei uns wieder mit voller Kraft los“, so Schneider. „Plötzlich mussten wir alle Linien wieder voll fahren – obwohl wir pro Linie zum Teil nur ein bis zwei Schüler in den Bussen hatten.“ Auch jetzt seien die Busse noch nicht voll ausgelastet. Schüler würden derzeit nur noch zu etwa 50 Prozent den Bus nutzen. Zum einen wegen der unregelmäßigen Schulschlusszeiten, zum anderen auch aus Angst vor einer Ansteckung. Das sei jetzt fast die schlimmere Zeit. Denn man habe ja wieder die vollen Betriebs- und Personalkosten.

Stadtbus steht besser da

Weniger Probleme gibt es beim Stadtbus. Die Waibel Bus GmbH, die zum Großkonzern Deul Bus AG gehört, hat die Landsberger Stadtbuslinien übernommen, fährt zudem die Linie 70 Landsberg-Mering sowie viele Fahrten für den MVV. „Wir sind mit voller Flotte gefahren“, sagt Horst Argesheimer, Betriebsleiter und Prokurist. Was an Fahrgästen kam, sei zwar mehr als überschaubar gewesen. Trotzdem sei man wegen der Bindung an Deul Bus in der glücklichen Lage, nicht existenzbedroht zu sein. Einzig die Linie 70, bei der ein Ferienfahrplan gefahren wurde, sei problematisch gewesen. Denn die Einnahmen seien weggefallen, obwohl sich diese Linie eigentlich eigenwirtschaftlich trage.

Die Corona-Regelungen werden je nach Nahverkehrsverbund unterschiedlich gehandhabt. Beim MVV ist der Einstieg nach wie vor nur hinten. In Landsberg wird wieder vorne kassiert. „Nun sind wir darauf bedacht, dass wir die Bareinnahmen wieder bekommen“, sagt Argesheimer. Damit der Busfahrer kassieren kann, solle nun in den Bussen ein Spuckschutz angebracht werden, um den Kontakt mit dem Fahrgast zu vermeiden. Drei Landsberger Busse seien bereits umgerüstet worden.

„Dass nun alles wieder gelockert wird, bedeutet für uns noch lange keine heile Welt“, meint Klaus Schneider. „Wir werden das noch die nächsten zwei bis drei Jahre spüren.“ Zum Glück seien Rücklagen vorhanden. „Aber eigentlich waren die für Buskäufe oder die Erweiterung des Betriebshofs gedacht.“ Das müsse man nun wohl auf Eis legen. Bis Jahresende werde Schneider Reisen GmbH mindestens eine Millionen Euro Umsatzverlust durch Corona haben. Aber Klaus Schneider ist das Kämpfen gewohnt. Es sei eine kostenintensive Branche mit sehr kleinen Margen, jede Störung existenzbedrohend. „Für mich sind das Herausforderungen“, sagt er. Was aber nicht bedeute, dass er eine solche Situation jedes Jahr brauche.

Bei Eisele Tours gehen die Einbußen in den sechsstelligen Bereich. Aufs gesamte Jahr berechnet werden circa 75 Prozent der Einnahmen fehlen. „Wir versuchen seit dem 22. Juni nun schnellstmöglich, die ausgefallenen Tagesfahrten nachzuholen“, meint Christoph Eisele. Derzeit seien die vier Reisebusse noch abgemeldet. Die Zeit des Stillstands wurde aber genutzt: Man habe renoviert, gewartet und gereinigt, auch die Busse mit Desinfektionsmitteln und Atemschutzmasken ausgestattet, sodass man auf der sicheren, gesunden Seite sei.

Langsam laufe es nun wieder an, erste Anmeldungen kommen. Aufholen könne man den Verlust aber nicht – nur den Schaden begrenzen, von vorne anfangen und hoffen, dass keine zweite Welle mehr kommt. „Das Geld ist weg. Das kann man nicht zurückholen“, sagt Thomas Eisele. „ Es kann ja nicht ein Fahrer gleichzeitig zwei Busse fahren.“
Andrea Schmelzle

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