Eleonore-Weindl-Straße

Wenn in Schondorf endlich eine Frau Straßen-Namenspatin ist

„Dr.-Binswanger-Straße“ in Utting
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Bereits im Bau befindet sich die neue „Dr.-Binswanger-Straße“, die in das künftige Wohngebiet an der Uttinger Bahnhofstraße führt.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Utting/Schondorf – Damit sie Navis und Karten bei den nächsten Updates nicht unterschlagen, haben sich die Gemeinden Schondorf und Utting rechtzeitig auf Straßennamen in ihren Neubaugebieten festgelegt. Im künftigen Wohngebiet „A Riva“ auf dem ehemaligen Prix-Gelände in Schondorf wird es die „Eleonore-Weindl-Straße“ und den Weg „Am Alten Anger“ geben, im Uttinger Anger-Projekt an der Bahnhofstraße die „Dr.-Binswanger-Straße“ und den „Thomas-Mann-Weg“.

In Schondorf einigte sich der Gemeinderat für den Weg neben den Bahngleisen auf „Am Alten Anger“ und für die Straße durch die Siedlung auf „Eleonore-Weindl-Straße“. Der erste Name soll an den früheren Dorf­anger hier erinnern, der zweite Namen ist eine Ehrerbietung für Eleonore Weindl, die 2013 mit 92 Jahren verstorben ist.

Damit setzte sich ihr Name gegen die ebenfalls favorisierten Altbürgermeister Hugo Höchtl, Mathias Wagner und Alois Metzger durch. Da es in ganz Schondorf nicht einen einzigen nach einer Frau benannten Straßennamen gibt, einigten sich die Gemeinderäte schließlich auf die frühere Grundschullehrerin und Archivarin Eleonore Weindl, die „eine große Kämpferin für die musische Bildung“ war.

In der Nachbargemeinde Utting brauchte es zwei Gemeinderatssitzungen, um für das „Anger-Projekt“ oberhalb der Bahnhofstraße die finalen Namen zu bestimmen. Für die neue Straße in das gerade entstehende Wohngebiet hatte Gemeinderat Peter Noll (GAL) den relativ unbekannten Namen „Dr. Eugen Binswanger“ vorgeschlagen, während Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem „Thomas Mann“ favorisierte. Beide haben einen Bezug zu dem Gelände, auf dem die Siedlung entstehen wird.

Binswanger (1876-1948) war Sanitätsrat, praktischer Arzt und Kinderarzt in Augsburg und München. Wegen seiner jüdischen Abstammung entzog ihm das Naziregime 1938 die Approbation und siedelte ihn 1942 in das Lager „Heimanlage“ in München-Berg am Laim um. Er entging seiner Deportation nur, weil er mit einer Nicht-Jüdin verheiratet war, mit der er 1943 nach Utting zog. Bis zu seinem Tod am 7. Juli 1948 lebte Binswanger in der sogenannten „Siebein-Villa“ genau auf dem Gelände, in das jetzt seine nach ihm benannte Straße führt.

Das inzwischen abgerissene Gebäude von 1900, benannt nach dem Turnlehrer und „Kgl. Hofsoldaten“ Emmeram Siebein und seiner Frau Thekla, einer Hofzofe und späteren Damenschneiderin, beherbergte auch Pensionsgäste. Darunter den durch die „Buddenbrooks“ berühmt gewordenen Schriftsteller Thomas Mann. 1904 verbrachte er für sechs Wochen seinen Sommerurlaub in der Siebein-Villa. Ein Grund, warum die Kreisheimatpflege die neue Erschließungsstraße nach ihm benennen wollte.

Dass sich die Gemeinderäte schließlich doch einstimmig für Dr. Binswanger als Namensgeber entschieden, freute Peter Noll besonders. Zum einen erinnere die neue Straße an die Verbrechen der Nazis, zum anderen aber auch an die Zuflucht, die ein Verfolgter hier in Utting gefunden habe.

Ein kleiner Trost für die Thomas Mann-Befürworter: Der Fußweg, der von der Kellersgartenstraße in das das neue Uttinger Wohngebiet führen wird, erhält den Namen „Thomas Mann-Weg“.

Die neue Dr.-Binswanger-Straße wird zunächst nur vier Meter breit und weitet sich im „Angerbereich“ in der Mitte des Geländes auf bis zu neun Metern. Dort wird Pflaster mit flachen Steinen verlegt, damit auf diesem „Begegnungsraum“ Rollator- und Rollstuhlfahrer keine Probleme haben.

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