Bürgermeister-Frage in Denklingen

Nach der Wahl ist vor der Wahl

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Bislang in der zweiten Reihe – bald in der vorderen? Vize Norbert Walter (38, mit grünem Hemd), hier bei einer Veranstaltung in der Mehrzweckhalle zwischen Regina Wölfl und geschäftsleitendem Beamten Johann Hartmann.

Denklingen – Wenn der Erste von Bord geht – also im Fall, dass Michael Kießling bei der Bundestagswahl am 24. September direkt gewählt wird – rückt der Zweite in den Fokus. Doch Vize-Bürgermeister Norbert Walter gibt sich zurückhaltend. Noch. Er sagt weder Ja noch Nein, was die Kandidatur für das Bürgermeisteramt betrifft. Wenn man sich in Denklingen, Dienhausen und Epfach umhört, werden der Gemeinderätin Regina Wölfl Ambitionen nachgesagt. Doch die winkt ab – zumindest erklärt sie es so gegenüber dem KREISBOTEN.

„Ich bin gerne im Gemeinderat“, bekennt Regina Wölfl auf Nachfrage. Aber eine Kandidatur fürs Bürgermeisteramt? Das hat die Gemeinderätin von der Freien Wählergemeinschaft Denklingen, die bereits 2008 gegen die damals amtierende Bürgermeisterin Viktoria Horber antrat, nicht im Sinn. Sie habe einen guten Job in Landsberg, fügt Regina Wölfl hinzu.

Ein klares Nein kommt von Johannes Schelkle. Der Gemeinderat aus Denklingen, der 2014 für die Dienhauser Liste mit dem CSU-Kandidaten Michael Kießling und mit Josef Rapp (für die Epfacher Liste) ins Rennen um den Bürgermeistersessel gegangen war und damals 21 Prozent der Stimmen erhielt, findet es „naheliegend“, wenn der jetzige zweite Bürgermeister Norbert Walter als erster Kandidat gehandelt wird.

Freilich sieht Schelkle auf den Nachfolger Kießlings, falls dieser am Sonntag, 24. September, als CSU-Bewerber für den Wahlkreis Landsberg/Starnberg/Germering direkt in den Bundestag einzieht, gewaltige Herausforderungen zukommen. Als Stichwörter nennt er die beiden Großprojekte Gasthof Hirsch (Umbau zum Rathaus) sowie das Bürger- und Vereinezentrum, die mit „Unwägbarkeiten“ verbunden seien.

Vereinzelt fällt, wenn von potenziellen Kandidaten die Rede ist, auch der Name von Martin Steger. Doch der Gemeinderat von der Dienhauser Liste, der vor gut drei Jahren bei der Wahl zum zweiten Bürgermeister im Gemeinderat Norbert Walter unterlag, gibt klar zu verstehen, dass er nicht ins Rennen gehen wird. Steger, der ebenso wie Regina Wölfl seit 2002 dem Gemeinderat angehört, sieht seine wesentliche Aufgabe vielmehr darin, in Sachen Windkraft Augen und Ohren offen zu halten, damit auf Denklinger Flur keine weiteren Anlagen gebaut werden.

„Der Kießling will ihn haben“, ist Steger überzeugt, dass der amtierende Bürgermeister gern den Vize Norbert Walter als Nachfolger sehen möchte. Doch die kommunalpolitischen Strömungen in der Gemeinde seien „schwierig zu kalkulieren“, kommentiert Steger. Kollege Martin Ahmon aus der Fraktion CSU/Freie Bürger ist vom Einzug Kießlings in den Bundestag überzeugt („reine Formsache“). Zur Denklinger Wahl bekundet er diplomatisch: „Man wird sehen, wer den Hut in den Ring wirft.“

Ob ein Kandidat aus Epfach ins Rennen gehen wird? Davon ist kaum auszugehen. Bei den Projekten, die in der Gemeinde Denklingen am Laufen seien, wäre es gut, wenn jemand aus dem Gremium die Verantwortung übernehme. Diese Ansicht vertritt zumindest Walter Eglhofer. Der eingefleischte Epfacher sieht für die Ortschaft die große Herausforderung vielmehr in der nächsten Kommunalwahl 2020. Da gelte es, wieder eine Liste für Epfach auf die Beine zu bringen, nachdem die 600 Einwohner zählende Ortschaft seit 2014 keinen Gemeinderat mehr stellt.

Die Bürgermeisterwahl in Denklingen wird voraussichtlich im Januar stattfinden. Diesen Ausblick gibt Andreas Graf, der im Landratsamt in Landsberg für die kommunalen Angelegenheiten zuständig ist. Als frühester Termin sei theoretisch Sonntag, der 17. Dezember, möglich. Das wäre eine Woche vor Heilig Abend.

Im Fall, dass Kießling in den Bundestag einzieht und dies in der Woche darauf offiziell vom Bundeswahlleiter in Berlin festgestellt wird, muss der bisherige Bürgermeister seine Amts­tätigkeit dann beenden, wenn das neue Parlament im Oktober erstmals zusammentritt. Von da an, so erklärt es Sachgebietsleiter Graf vom Landsberger Landratsamt, sei der Stellvertreter, also Norbert Walter, bis zur Vereidigung eines neuen Rathauschefs gefordert.

Die Zeit für Wahlvorschläge ist so oder so knapp bemessen. Der 52. Tag vor dem Urnengang ist der späteste Termin, zu dem ein Kandidatenvorschlag eingereicht bzw. auch zurückgenommen werden kann. Kommt es in Denklingen zu einer Bürgermeisterwahl, so wäre dies die erste außertourliche im Landkreis Landsberg in der Amtsperiode 2014 bis 2020.

Johannes Jais

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