Wenn die Mutter ausfällt

War eigens aus Freiburg angereist, um über die Bedeutung der Familienpflege zu referieren: Ulrike Wössner vom Deutschen Caritasverband. Foto: Peters

Ohne die Mutter geht gar nichts – oder zumindest nicht viel. Noch immer erledigen die Frauen zwei Drittel aller Aufgaben im Haushalt. Immerhin sechs Stunden und elf Minuten verbringen Mütter von Kleinkindern hierzulande laut Statistik mit Hausarbeit und Kinderbetreuung – Rekord in Europa. Doch was passiert, wenn die Mutter plötzlich krank wird und ins Krankenhaus muss? Um Familien in solchen Situationen adäquat zu helfen, haben sich die Anbieter von Familienpflege im Landkreis nun zu einem Netzwerk zusammengeschlossen.

Neu ist die Familienpflege im Landkreis nicht. Schon seit langer Zeit stellen die örtlichen sozialen Einrichtungen im Bedarfsfall Haushaltshilfen zur Ver­- fügung. Dennoch bestehe immer wieder bei Betroffenen Unklarheit darüber, an wen man sich im akuten Fall wenden müsse, erklärte Maria Tyroller vom Familienwerk des Katholischen Deutschen Frauenbunds auf der Auftaktveranstaltung im Landratsamt. Im Mai vergangenen Jahres habe man sich daher zusammengesetzt, um Abhilfe zu schaffen, blickte die Sprecherin des Netzwerks zurück. Neben dem Familienwerk zählen der familienentlastende Dienst der Lebenshilfe, die Katholische Dorf- und Betriebshilfe, der Katholische Frauenbund, der Pflegedienst Kerner und das Sozialzentrum Sankt Martin zu den Partnern. Sie sollen künftig die Familien über das Angebot Familienpflege informieren und im Bedarfsfall die notwendige Hilfe koordinieren. Wie diese aussehen kann und was es mit dem Beruf der Familienpflegerin auf sich hat, darüber referierte Ulrike Wössner vom Deutschen Caritasverband. Haushaltshilfen könnten immer dann beantragt werden, wenn die Mutter im Krankenhaus, auf Kur oder in einer Reha-Maßnahme sei. Aber auch, wenn die Mutter sich krank zuhause befinde, vorübergehend körperlich und seelisch überfordert sei oder bei Risikoschwangerschaften, könne der Hausarzt Hilfe verordnen. Der Beruf der Familienpflegerin setze sich dabei aus den drei Säulen Hauswirtschaft, Pädagogik und Pflege zusammen, erklärte Wössner, und erfordere ein „hohes Maß an Flexibilität“. Immer öfter kämen Familienpflegerinnen in Notsituationen zum Einsatz, wenn Mütter länger erkranken. „Sie halten dann das Familiensystem aufrecht und ersparen den Kindern damit, in dieser Zeit woanders untergebracht zu werden.“ Die Kosten für die Haushaltshilfe übernimmt in den meisten Fällen die Krankenkasse, doch auch hier gebe es Streitfälle, sagte Wössner, die daher die Einrichtung des Netzwerkes im Landkreis Landsberg als zentrale Anlauf- und Beratungsstelle ausdrücklich begrüßte. Landrat Walter Eichner und Landsbergs 2. Bürgermeister Norbert Kreuzer kündigten an, das Projekt unterstützen zu wollen. Eichner: „Wir müssen in der heutigen Zeit, einfach näher zusammenrücken.“

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