A cappella trifft Rammstein

Wenn sogar Heino gut klingt: Terzinfarkt in Landsberg

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s‘Maximilianeum lud ein und Terzinfarkt durfte – endlich – spielen: In schnieken Anzügen à la Las Vegas begeisterte die A-capella-Band (von links) Martin Kupper an den Drums, Fast-schon-Sopran-Tenor Marc Heinzelmann, Normal-Tenor Harald Gabl, Thomas Uebel an Bass und Drums und Christian Wolf am Kontrabass.

Landsberg – Bigbandsound a cappella? Glen Miller ohne Trompete? Rammstein ohne E-Gitarre? Geht eigentlich nicht. Oder eben doch: Wenn die fünf Herren von Terzinfarkt auf der Bühne stehen, sind Instrumente nicht nötig. Mit Stimme und Percussion- und Bass-Simulation mäandert der ganz besondere Männerchor durch Pop, Rock, Swing oder auch mal Schlager à la Heavy-Metal. Das Publikum war begeistert. Zumindest von der Musik. Denn die Moderation, werte Herren, die sollten Sie nochmals überdenken.

Schwarzer Anzug, weißes Hemd, schwarze Fliege: Schnieke sehen die fünf Männer aus. Wie frisch aus dem Spielcasino geschlüpft präsentieren sie ein „One Night Wonder“ – so der Konzerttitel. Am Start ist Bluesbrothers-Feeling mit „Everybody needs somebody to love“. Bodenständig, stimmlich gut, macht Spaß. Auch Songs wie „Rolling in the Deep“ von Adele, Chicagos Weltschmerz-Hit „Hard to say I‘m sorry“ oder Little-River-Band-Repertoire unterhalten prächtig.

Wahrhafter Heldenglanz haftet den Fünf bei Glen Millers „Little Brown“ an: Ein Bigband-Stück ohne Instrumente zu bringen, das ist mutig. Dass es funktioniert, zeigt Können. Die Drums sind deutlich, Posaune und Trompete der Bläsersection lassen sogar den quäkenden Ton erklingen, wenn eines der Instrumente einen Dämpfer bekommt.

Schwierig wird es bei Roger Ciceros „Frauen regieren die Welt“. Einen Echo-Preisträger wie Cicero zu imitieren, ist schwer. Vor allem dann, wenn der instrumentale Hintergrund, der auch verdecken kann, fehlt. Vielleicht wäre es da besser gewesen, den Song zu verfremden. So steht der Vergleich eins zu eins – und Terzinfarkt verliert deutlich.

Ein Problem der Band ist auch die Moderation. Die kommt altbacken und etwas lahm daher, behaftet mit Altherrenwitzen und Klischees um Frau und Mann. So kreativ die Arrangements sind, so flach sind die Worte dazwischen. Das erzeugt peinliches Schweigen im Publikum – das die Fünf zum Glück mit Eigeninterpretationen von Bruno Mars oder auch einem grandiosen „Stillness of Heart“ von Lenny Krawitz brechen können. Wobei Martin Kupper bei Letzterem seine Vocaldrums so gleichmäßig bringt, dass man den Drumcomputer sucht. Und wenn Christian Wolf und Thomas Uebel vor der Pause Cohens „Halleluja“ intonieren, ist das schlicht ergreifend.

Nach der Pause drehen die Herren energetisch um einige Punkte auf. Der Höhepunkt: der ‚verrammsteinte‘ Heino-Gassenhauer „Blau blüht der Enzian“. Schließlich steht der Schlager-Dinosaurier auch mit der Neuen-deutschen-Härte-Band auf der Bühne. Wie Uebel da den Martial-Rocker mit rollendem R raushaut – Till Lindemann hätte seine wahre Freude.

Das System ‚Terzinfarkt‘ funktioniert auch hervorragend bei „Tage wie dieser“ von den Toten Hosen, dem geerdeten „Skandal im Sperrbezirk“ oder dem schwebenden „Major Tom“. Und wenn sich fünf Stimmen wagen, „Highway to Hell“ zu intonieren, so ist der vom Publikum gespendete frenetische Applaus absolut berechtigt.

So berechtigt, dass man am Ende des Abends fast über die unbeholfene Moderation hinwegsehen möchte. Fazit: stimmlich ein Ereignis, ‚wörtlich‘ eine lahme Ente.
Susanne Greiner

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