Wenn Sponsoren die Schulden tilgen

Schon lange kein Aushängeschild mehr: Seit drei Jahren hängt und vergilbt die Werbung für die Aktiengesellschaft des EV Landsberg im nie gepflegten Schaukasten vor der städtischen Eishalle. Das Geld für die AG wurde zwar zweimal eingesammelt, dann aber für andere Zwecke verwendet. Foto: Kruse

Die Schulden des EV Landsberg sind offenbar deutlich höher als bislang offiziell bekanntgegeben. Einer der Gründe ist die Forderung, die die Berufsgenossenschaft nun gestellt hat. Mit dem Sozialversicherungsträger hatten die EVL-Oberen einen Vergleich geschlossen und diesen auch bereits in die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) eingerechnet.

Raten nicht bezahlt, Vergleich hinfällig, dazu neue Rechnung für die vergangene Saison – das Minus beim EVL erhöht sich allein dadurch um weitere 80000 Euro. Auch die Gehälter für den März fehlen in der letzten BWA, genauso wie die teilweise noch nicht bezahlten Gehälter aus den Vormonaten. Etliche Spieler warten ebenso noch auf ihr Geld wie Ex-Trainer Dave Rich. Dem Kanadier wurde noch vor einigen Tagen gesagt, dass er „demnächst in zwei bis drei Raten“ bedient werde – damit ist nun allerdings wohl nicht mehr zu rechnen. Bis Redaktionsschluss dieser KREISBOTEN-Ausgabe war das Insolvenzverfahren über den EV Landsberg noch gar nicht offiziell eröffnet, wobei nicht zu erfahren war, ob das noch geschehen wird oder ob der An­- trag mangels Masse abgelehnt wird – die Pressestelle am zuständigen Amtsgericht Augsburg war nicht zu erreichen. Nichts zu verteilen Viel zu verteilen gibt es ohnehin nicht, das Vereinsvermögen ist so gut wie nicht existent. Dem gegenüber dürften nun Forderungen stehen, die eine halbe Million Euro überschreiten. Das ist umso erstaunlicher, als in der vergangenen Saison über 160000 Euro von „Darlehen“ in „Spenden“ umgewandelt wurden und damit aus den Verbindlichkeiten herausfielen. Zudem wurden 95000 Euro Sponsorengelder bis zum Jahr 2013 von McDonalds und der Aktienbrauerei im Voraus bezahlt und auch im Etat verbucht. Wenn man diese beiden Sonderposten herausrechnet, hat der EVL in seiner letzten Saison über 200000 Euro neue Schulden angehäuft, obwohl man mit einem nicht konkurrenzfähigen Team in die Oberliga-Saison gegangen war. Auch ohne die hohe Forderung der Berufsgenossenschaft wäre es wohl unmöglich geworden, die neue Saison zu finanzieren. Durch das hohe Minus, das mit der ersten Mann­- schaft erneut geschrieben wurde, stand die vom Finanzamt bereits angedrohte Aberkennung der Gemeinnützigkeit im Raum. Schon das wäre das sichere Aus gewesen, da damit alle Umsätze aus den vergangenen zehn Jahren nachträglich mit dem vollen Steuersatz belegt worden wären. Ebenso standen für 2011/12 nur noch kleinere Sponsorengelder zur Verfügung, da die großen Beträge bereits zur Tilgung der Schulden aus den Vorjahren ausgegeben waren. Dem ge­gen­über hätte man in den nächsten Monaten bei der Stadt Landsberg eine Bürgschaft für die Eismiete in Höhe von rund 40000 Euro hinterlegen müssen – angesichts der aktuellen EVL-Finanzlage ein Ding der Unmöglichkeit. Binnen drei Wochen Ob die diversen Gläubiger nun auf ihren Forderungen sitzenbleiben oder die Vorstände in die Haftung nehmen können, ist im Moment völlig unklar. Nach dem vor kurzem verschärften Insolvenzrecht sind Vereinsvorstände verpflichtet, binnen drei Wochen Insolvenz zu beantragen, falls der Verein zahlungsunfähig ist. Das ist beim EVL genau genommen aber schon seit Jahren immer wieder der Fall. Insolvenz muss laut Gesetz außerdem angemeldet werden, wenn die Schulden das Vereinsvermögen überschreiten. Laut der letzten BWA tun sie das um über 300000 Euro – auch das ist nicht neu. Der zurückgetretene Nachwuchsvorstand Josef Keller wappnet sich auf jeden Fall schon einmal für eine juristische Auseinandersetzung. „Es wird jetzt natürlich auch darum gehen, wer wie stark bluten muss“, so Keller. „Das wird böse werden und ich werde mir dafür einen guten Anwalt nehmen, das ist mal sicher.“ Keller legt Wert darauf, dass er nie Einblick in die Zahlen erhalten habe. „Man hat mir immer gesagt, mach du den Nachwuchs, um die Finanzen brauchst du dich nicht zu kümmern. Dass die Lage so schlimm ist, wurde von Hans-Jürgen Böttcher nie gesagt. Ich habe ja noch nicht einmal die Sponsorenverträge gesehen.“ Wer bezahlt? Das erklärt sich laut Böttcher ganz einfach: „Außer mit der Aktienbrauerei und McDonalds gab es ja gar keine Verträge, das habe ich alles nur über Rechnungen abgewickelt. Und Herr Keller war sehr wohl über die Finanzen informiert, er war ja oft genug bei mir, wenn er Geld für den Nachwuchs gebraucht hat.“ Vermutlich dürfte es nun zu einer juristischen Auseinandersetzung kommen, da angeblich fast 170000 Euro Forderungen von Finanzamt, Be­- rufsgenossenschaft und Krankenkasse stehen, die trotz des Endes für den EV Landsberg vermutlich noch beglichen werden müssen – fragt sich nur, von wem.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Vier Neue am Vogelherd
Vier Neue am Vogelherd
"Es war kein Betrug"
"Es war kein Betrug"

Kommentare