Wenn der Sprößling nicht spurt

Blicken auf eine erfolgreiche Arbeit im vergangenen Jahr zurück: Dr. Susanne Dillitzer, Ulla Landsberger, Margit Erades-Peterhoff und Fokko Folkerts von der SOS-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern. Foto: Hollrotter

Gute Arbeit leistet die SOS-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern: 1458 Ratsuchende, das sind 75 mehr als 2008, kamen im vergangenen Jahr in die Spöttinger Straße – und über die Hälfte davon auf Empfehlung von früheren Klienten. Meist waren es Beziehungsprobleme und akute Krisen, die die Menschen zur Beratung führten. Dabei hilft das SOS-Team auch bei ganz „normalen“ Erziehungsfragen weiter.

„Wenn die Not nicht ganz groß ist, trauen sich viele Familien nicht zu kommen“, weiß Diplom-Psychologin Margit Erades-Peterhoff aus Erfahrung. Doch könnten auch ganz allgemeine Erziehungsfragen behandelt werden oder Eltern sich einfach versichern, dass alles richtig läuft. Wenn die Fachleute frühzeitig um Rat gefragt werden, „entstehen aus kleinen meist auch keine riesigen Probleme“, ergänzt Diplom-Psychologin Ulla Landsberger. Entsprechend wichtig sind Dr. Susanne Dillitzer, der neuen Leiterin der Beratungsstelle, die vorbeugenden Angebote. So besuchten in 2009 insgesamt 61 Mütter und Väter die Elternkurse für Eltern von Kindergarten- und Schulkindern sowie Teenagern, die auch heuer wieder abgehalten werden. Zudem ist die Beratungsstelle ein Kooperationspartner des Elternbildungsprogramms „Landsberger Eltern-ABC“, das sich in­- zwischen sehr erfolgreich etabliert hat. Zumeist sind es jedoch Beziehungsprobleme, die die Menschen aus dem Landkreis in die Spöttinger Straße führen. Darunter fallen nicht nur Schwierigkeiten zwischen den Eltern, sondern auch zwischen Eltern und Kind, etwa aggressives Verhalten oder auffällige Zurückgezogenheit der Kinder und Jugendlichen, zwischen Ge­- schwistern oder mit Gleichaltrigen. Häufige Fragenstellungen seien zudem Schul- und Hausaufgabenschwierigkeiten, aber auch Probleme im Umgang mit Medien. So beobachtet nicht nur Ulla Landsberger, dass viele Kinder und Jugendliche durch den vermehrten Nachmittagsunterricht des G8 extrem belastet sind: Hausaufgaben und Lernzeiten schieben sich weit in den Abend hinein und die Kinder haben kaum noch Zeit für Entspannung und Hobbys. Klappt hier die Stressbewältigung nicht, komme es oft zu Leistungsabfall, Prüfungsängsten und psychosomatischen Beschwerden. Die SOS-Beratungsstelle ist aber auch häufig Anlaufstelle bei allen Fragen rund um Trennung und Scheidung und ist Mitglied im gleichnamigen Netzwerk. Emotionale Schwierigkeiten wie Selbstunsicherheit, verschiedene Ängste und depressive Verstimmungen stehen ebenfalls oft im Mittelpunkt der Beratung. Auch für die Bewältigung von Krisenereignissen wie Krankheit, Unfall, oder Sterbefälle im engsten Umfeld bietet die Beratungsstelle schnelle und unkomplizierte Hilfe an. Überhaupt wird in der Regel rasch geholfen: Ein erstes Beratungsgespräch findet meist innerhalb von 14 Tagen statt, sucht ein Jugendlicher selbst Hilfe, sogar innerhalb von ein bis zwei Tagen. Bis zum Beginn der Beratung kann es dann noch einmal zu Wartezeiten kommen. Doch können die Betroffenen in dieser Zeit problemlos telefonisch Kontakt halten, betont Diplom-Psychologe Fokko Folkerts. „Sehr ernst“ nimmt das Team die Schweigepflicht bei den Beratungen. Nur wenn die Betroffenen einverstanden sind, wird auch das Umfeld der Ratsu­chen­den – von der kompletten Familie bis hin zu Schule oder Arbeitsstätte – in die Beratung mit einbezogen. Die SOS-Beratungsstelle kann dabei auf ein großes Netzwerk an guten Verbindungen zu den verschiedensten Stellen zurückgreifen und bei Bedarf an andere Hilfsangebote verweisen. Im vergangenen Jahr kamen die Menschen übrigens nicht nur zur Beratung, sondern auch zum Feiern in die Spöttinger Straße: Beim „Tag der offenen Tür“ zum 30-jährigen Bestehen, zu dem auch ein Malwettbewerb ausgerichtet wurde. Aus diesem wiederum ging die Wanderausstellung „Kinderrechte aus Kindersicht“ hervor, die bereits im Landratsamt und in der Stadtbücherei zu sehen war. Die SOS-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Landsberg ist montags bis freitags von 8 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr in der Spöttinger Straße 4, Tel. 08191/911820 erreichbar. Die Beratung ist für die Klienten kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Lisa will Bierkönigin sein
Lisa will Bierkönigin sein
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Rational AG ist weiter auf Wachstumskurs
Rational AG ist weiter auf Wachstumskurs

Kommentare