Initiative gegen Schnaken-Plagen am Ammersee

Mücken-Gegner kämpfen weiter

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Treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch am Ammersee: Biologe und Doktorand Felix Sauer (Mitte), Oliver C. Grüner (links) und Rainer Jünger (rechts) von der Initiative „Mückenplage – Nein, danke!“.

Schondorf – Der Sommer neigt sich dem Ende zu, wobei der Ammersee heuer weitgehend von einer Mückenplage verschont blieb. Lediglich die Regenfälle im Mai und der damit verbundene erhöhte Pegelstand im Ammersee haben zu einem teils lästigen Mückenaufkommen geführt. Besonders in Eching und Inning sowie in Teilen von Greifenberg und Herrsching waren die massiv auftretenden Plagegeister unerträglich. Die vom Schondorfer CSU-Gemeinderat Rainer Jünger ins Leben gerufene Initiative „Mückenplage – Nein, danke!“ hat mit medienwirksamen Aktionen für viel Wirbel gesorgt. Fernsehteams von BR, ARD und RTL kamen zum Ammersee und berichteten von der Mückeninvasion, die gottlob bald wieder abgeebbt ist.

In seinem Resümee über die Aktionen in diesem Jahr betont Rainer Jünger, dass es ihm und seinen Mitstreitern nicht um Panikmache gegangen sei, sondern um den Anstoß einer grundsätzlichen Diskussion, wie man nachhaltige und ökologisch verträgliche Lösungen finden kann. Wenn wieder Sommer mit massiver Mückenpopulation kommen, müsse man gewappnet sein, um Bürger und Touristen zu schützen.

Kein Touristen-Schwund

„Einige Kritiker haben uns vorgeworfen“, so Jünger, „dass unsere Kampagne dem Tourismus am Ammersee unzuträglich sei. Umso mehr freuen wir uns über die aktuellen Zahlen des Fremdenverkehrsamtes Dießen.“ Dort spreche man von einem neuen Rekord an Übernachtungszahlen. Damit die Touristen auch künftig dem Ammersee treu bleiben, wolle man sich weiterhin dafür einsetzen, Mückenplagen zu verhindern. Dabei geht es Jünger keinesfalls um eine Ausrottung der Steckmücken, sondern lediglich um eine Reduzierung auf ein erträgliches Maß. Fische, Vögel, Fledermäuse und andere Beutetiere sollen weiterhin ihre gewohnte Nahrungsgrundlage haben.

Darum geht es auch Waltraud Kamm-Willy von der Schondorfer Bürgerinitiative „Die AmmerseeMücken“. Ihr Projekt fördert die natürlichen Fressfeinde der Mücken wie Schwalben, Mauersegler und Fledermäuse. Mit reger finanzieller und ideeller Unterstützung der Bevölkerung habe man über 180 Nisthilfen sowie Fledermaus-Quartiere montiert. Man betreibe Monitoring und teile die Beobachtungen der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Landsberg mit, so dass sie bei umweltrelevanten Entscheidungen Berücksichtigung finden.

Monitoring betreibt auch Doktorand Felix Sauer von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg rund um den Ammersee. Auf Anregung von ­Rainer Jünger und mit finanzieller Unterstützung des Landsberger Landratsamtes hat er Mückenfallen aufgestellt, um die darin gefangenen Plagegeister genau zu untersuchen. Seine Doktorarbeit mit dem Thema „Mückenarten in Deutschland und ihre Lebensraumbedingungen“ passt genau in die Intention der Aktion „Mückenplage – Nein, danke!“. Sie will sich bei den Gemeinden rund um den Ammersee dafür stark machen, dass eine Brutstätten-Kartierung der Stechmücken in Auftrag gegeben wird. Dies sei die Voraussetzung für eventuelle weiterführende Aktionen wie die Bekämpfung mit dem Eiweißkristall BTI bei erhöhtem Larvenaufkommen.

Während sich die Ammersee-Gemeinden gegenüber einer Kartierung noch zögerlich verhalten, hat sich der Gemeinderat in Wörthsee bereits dafür entschieden. Wie mehrfach berichtet, haben sich inzwischen viele Bürger aus dem gesamten Fünfseenland der Mückenplage-Initiative angeschlossen und drängen ihre Volksvertreter, endlich vorausschauend tätig zu werden. Vor dem Protestmarsch von Stegen nach Eching haben immerhin einige Bürgermeister und Gemeinderäte zusammen mit dem Biologen ­Matthias Galm vom KABS e.V. (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) verschiedene Brutstätten besichtigt.

Drei große Mückengebiete gibt es im Norden und Süden des Ammersees sowie im Bereich zwischen Herrschinger Bucht und Wörthsee. Deshalb sei es laut Rainer Jünger auch klar, warum sich die Gemeinden Utting und Schondorf nachhaltigen Maßnahmen gegenüber so unaufgeschlossen zeigten. Die beiden Gemeinden hätten viel Abstand zu den großen Brutgebieten und damit eher selten eine hohe Mückenbelastung. Trotzdem plädiert Jünger für eine Solidarität unter den Ammersee-Gemeinden. Denn vor allem die Überschwemmungsmücken machen vor Gemeindegrenzen nicht Halt, da sie täglich bis zu zwei Kilometer weit fliegen. In Plagejahren, die garantiert wieder kommen werden, seien also auch die nicht unmittelbar an den Brutstätten liegenden Gemeinden nicht vor der Mückeninvasion gefeit.

Rainer Jünger und seine Mitstreiter wollen weiterhin das Bewusstsein von Bürgermeistern, Gemeinderäten und Bürgern für die Mückenproblematik und ihre Zusammenhänge schärfen. „Wir werden uns um eine Versachlichung der Diskussion sehr bemühen und versuchen, die vielen zum Teil falschen und undifferenzierten Meinungen in der Öffentlichkeit richtig zu stellen“, so das Versprechen von Rainer Jünger beim Interview mit dem KREISBOTEN.

Dieter Roettig

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