Ehre fürs Engagement

Werner Alig aus Scheuring erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande

Werner Allig mit der Bürgermedaille in Gold
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Werner Allig mit der Bürgermedaille in Gold, die ihm Scheurings Bürgermeister Konrad Maisterl für ehrenamtliche Verdienste in der Gemeinde überreicht hat. Das Bundestverdienstkreuz bekommt Alig aber von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehen.
  • Stefan Raab
    VonStefan Raab
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Scheuring – Kommunionhelfer, Elternbeirat, Aufsichtsratsvorsitzender – es gibt viele Ehrenämter in Kirche und Gesellschaft, aber nur wenige Bürger, die seit über 50 Jahren mit vollem Einsatz dabei sind. Einer von ihnen ist Werner Alig. Für sein Engagement im Fritz-Felsenstein-Haus und in den Kirchengemeinden Maria Immaculata sowie St. Martin wird der Scheuringer demnächst vom Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Anderen Menschen zu helfen ist für Werner Alig selbstverständlich. Als zehntes von elf Geschwistern im hessischen Steinheim aufgewachsen, war es in den 1950er-Jahren unabdingbar, die eigene Mutter im Familienalltag zu unterstützen. Mit 13 Jahren trat er in die Freiwillige Feuerwehr der benachbarten Gemeinde Dietesheim ein und als junger Mann engagierte er sich über viele Jahre hinweg im heimatlichen Pfarrgemeinderat – als Ausschussvorsitzender, Lektor und Kommunionhelfer. Nach der Geburt von Tochter Angelika entschloss er sich gemeinsam mit Ehefrau Marie-Luise, einer Kindergartenleiterin, tageweise Pflegekinder aufzunehmen. „Es war wichtig, die überforderten Eltern zu entlasten“, sagt Alig, der damals als Banker arbeitete.

Mit dem Zuzug in den Landkreis Landsberg vor über dreißig Jahren entstand dann der große Wunsch der Eheleute, Pflegekinder fest in die mittlerweile vierköpfige Familie zu integrieren: um ihnen Geborgenheit und Sicherheit zu geben. Nach und nach übermittelte das Jugendamt fünf Pflegekinder, die auch von den beiden leiblichen Kindern (Sohn Florian kam 1982 zur Welt) liebevoll angenommen wurden. Dazu gehörte auch Yeliz, ein mehrfach schwer behindertes Mädchen. „Wir haben uns sofort in sie verliebt“, so Alig. Heute lebt die 18-Jährige im Magnusheim in Holzhausen und ist am Wochenende oft zu Besuch bei ihrem Pflegevater.

Wenn es um das Thema Inklusion geht, kommt niemand an dem Scheuringer vorbei. Zu einer Zeit, als Inklusion noch ein Fremdwort war, engagierte er sich zusammen mit seiner Frau und anderen Eltern für mehr gesellschaftliche Teilhabe behinderter Kinder. Zum Beispiel in den 1990er-Jahren in der Landsberger Altstadt mit einem PR-Stand und Flyern. Auch Gespräche mit dem Jugendamt waren notwendig, um über spezielle physiotherapeutische, psychiatrische oder logopädische Maßnahmen zu beraten und dafür ausreichende finanzielle Unterstützung einzuholen. Trotz der gewonnenen Präsenz in der Öffentlichkeit und vielen praktischen Erleichterungen für Behinderte könnte sich laut Alig das Leben behinderter Menschen einfacher gestalten als bisher. Nämlich dann, wenn sich die Gesellschaft verstärkt auf benachteiligte Menschen einließe: „Gesunde Menschen brauchen Inklusion, nicht die Behinderten.“ Damit zeigt der gebürtige Hesse im Gespräch mit dem KREISBOTEN, dass er stets bereit ist, das Übel an der Wurzel zu packen und Klartext zu sprechen.

Ausgezeichnet mit diesen Macherqualitäten konnte er sich als Elternbeirat an verschiedenen Schulen des Landkreises, als Vorstand der Fritz-Felsenstein-Schule in Königsbrunn und als Beiratsvorsitzender von Regens-Wagner in Holzhausen für die Interessen von Schülern und Behinderten erfolgreich einsetzen. Eins ist ihm aber auch klar: Ohne die Unterstützung seiner Ehefrau, die im Juli dieses Jahres nach kurzer Krankheit verstarb, wäre sein hoher ehrenamtlicher Einsatz nicht möglich gewesen. „Ohne meine Frau hätte ich das nicht geschafft!“ Er ist daher froh, dass seine Frau zu ihren Lebzeiten mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet wurde.

Und auch jetzt setzt Werner Alig sein ehrenamtliches Engagement fort: Bis 2024 ist er in das Amt des Kirchenpflegers in Scheuring und als Erster Vorsitzender in den Beirat von Regens-Wagner in Holzhausen gewählt worden.

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