Einen Maschinenpark gibt es nicht

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Beraten und vermitteln: MR-Geschäftsführer Ottmar Keller an seinem Arbeitsplatz in der Karwendelstraße.

Landsberg – Knapp 1100 landwirtschaftliche Betriebe gibt es im Landkreis Landsberg, über 900 von ihnen sind Mitglied im Maschinen- und Betriebshilfsring (MR) Lands- berg/Lech. „Das ist ein sehr guter Deckungsgrad“, sagt dessen Geschäftsführer Ottmar Keller. Der 45-Jährige sitzt an seinem Schreibtisch im ersten Stock eines kreiseigenen Gebäudes in der Karwendelstraße, das sich der eingetragene Verein mit dem Veterinäramt und dem Bauernverband teilt. Und wo steht der Maschinenpark? Die Frage amüsiert Keller. „Wir haben keinen.“

Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass dem Maschinenring auch nur eine einzige Ma- schine gehört, die er den Landwirten zur Verfügung stellen könnte. Tatsächlich erfasst der Verein lediglich den Bestand an Maschinen in den Mitgliedsbetrieben, vermittelt sie bei Bedarf zwischen ihnen und gibt Preisempfehlungen ab. So werden Mähdrescher, Feldhäcksler, Bandschwader, Saat- und Erntemaschinen von einem Betrieb an den anderen verliehen, wobei der Besitzer meist mitkommt und vor Ort die Arbeit erledigt. 

Es komme auch vor, dass mehrere Bauern zusammen ein Gerät kaufen und es gemeinsam nutzen, berichtet Keller, zum Beispiel in der Zuckerrübenernte. „In diesem Fall übernehmen wir die Einsatzplanung und die Abrechnung.“ Nach dem gleichen Prinzip habe eine Gruppe Bauern zusammen einen Futtermischwagen angeschafft, der reihum die Höfe anfährt. Auch hier ist der MR für Einsatzplanung und Buchhaltung zuständig. 

Es war ein Agrarjournalist, der bereits in den 1950er Jahren erkannte, dass die zunehmende Technisierung für die kleinräumigen Strukturen der bayerischen Landwirtschaft ein Prob- lem werden würde. Damals seien die ersten Maschinenringe entstanden, erinnert Keller. Später kam zu ihren Aufgaben auch die Vermittlung von Arbeitskräften hinzu. 

Betriebshelfer nötig? 

Inzwischen sei der Bereich Betriebshilfe mindestens ebenso wichtig wie die Vermittlung von Landmaschinen. Fällt auf dem Hof jemand aus, muss schnell eine Aushilfe her – und geeignete Leute zu finden, die kurzfristig abrufbar sind, werde immer schwieriger, berichtet Keller. „Ich weiß ja im Voraus nicht, wann die Bäuerin Grippe kriegt oder der Bauer sich den Arm bricht.“ Man spreche gezielt Nachwuchs-Landwirte und seit einigen Jahren auch junge Leute außerhalb der Landwirtschaft an, die als Betriebshelfer infrage kommen. Trotz aller Schwierigkeiten sei es „sehr, sehr selten“, dass man im Bedarfsfall niemanden finde. Burnout auf dem Bauernhof beobachtet Keller als zunehmendes Problem. Auf manchen Höfen sei die Arbeitsüberlastung so hoch, dass es zu häufigen Erkrankungen komme. Für solche Fälle habe der MR ein spezielles Beratungsangebot. Dass die Landwirtschaft dem Wetter ausgeliefert ist, ist nicht neu. Die sich häufenden Wetterkapriolen allerdings schon, und sie sind ein zusätzlicher Stressfaktor. Die Wetterfenster für die Ernte würden immer kleiner, meint Keller. Kein Wunder also, dass man zuweilen die Mähdrescher noch spätabends auf den Feldern sieht. 

Agrarforum 

Am Donnerstag, 9. April, veranstalten der Maschinen- und Betriebshilfsring Landsberg sowie die Sparkasse Landsberg-Dießen zum ersten Mal ein „Agrarforum“ in der Lechstadt. Es findet im Kloster der Dominikanerinnen statt und ist auf 70 Teilnehmer begrenzt. Referent ist Otto Körner, Direktor der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Weihenstephan-Triesdorf. Unter dem Titel „Landwirtschaft quo vadis – Trends und Entwicklungen“ beleuchtet er diverse aktuelle Themen und zeigt mögliche Entwicklungen der Zukunft auf.

Ulrike Osman

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