Wider den widrigen Verhältnissen

„Für meinen Mann ist das hier so interessant wie für mich der Baumarkt“, scherzt eine Besucherin zwischen Ständen mit Keramikschüsseln und Knoblauchreiben. Doch der Kommentar täuscht: Der 33. Süddeutsche Töpfermarkt in Landsberg war keineswegs eine reine Frauensache, und die zahlreichen männlichen Besucher sahen auch nicht aus, als seien sie hierher zwangsverschleppt worden. Nach dem verregneten Freitag herrschten am Wochenende auf dem Gelände am Fuß des Mutterturms reger Betrieb und gute Stimmung – zumindest bei den Gästen. Weniger glücklich waren die Aussteller.

Die Standgebühren zu hoch und die Umsätze bescheiden, so der Tenor der Klagen. Mit rund 400 Euro zahle er für seinen Stand am Lechufer doppelt so viel wie auf anderen Töpfermärkten, erzählt Jürgen Mayer aus dem baden-württembergischen Orsingen-Nenzingen. „Viele gute Aussteller kommen nicht mehr hierher, weil es sich für sie nicht rentiert.“ Das bestätigt Renate Maurer aus Eching. „Ich bin in diesem Jahr zum letzten Mal dabei. Es rechnet sich nicht mehr“, bedauert sie und würde sich in Zeiten, da den Verbrauchern das Geld nicht so locker in der Tasche sitzt, von der Stadt ein Entgegenkommen bei den Gebühren wünschen. „Wir müssen alle zurückstecken. Es kann nicht sein, dass wir Aussteller dafür zahlen, dass Landsberg eine Touristenattraktion hat.“ Diesen Vorwurf weist man bei der Stadt zurück. „Die Standgebühren sind seit 2001 unverändert, während unsere Unkosten stetig steigen“, sagt Pressesprecherin Bettina Barnet. „Wenn wir die Gebühren an die Inflation anpassen würden, stünden sie jetzt ganz woanders.“ Und schließlich wisse jeder Aussteller vorher, wie viel er zu zahlen hat. „Wir zwingen niemanden zu kommen“, so Barnet. Draufzahlen will die Stadt beim Töpfermarkt nicht. Um mit dem Budget auszukommen, wurde in diesem Jahr die Werbung auf Plakate und Flyer beschränkt. „Die Besucherzahlen sind seit Jahren stabil, egal, ob wir viel oder wenig werben“, erklärt Barmet. Für viele ist der Süddeutsche Töpfermarkt längst ein fester Termin, den man sich nicht entgehen lässt. Und auch heuer war der Markt mit rund 60 Keramikkünstlern aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland wieder eine Attraktion. Qualitativ hochwertige Ton-Kunst für jeden Geschmack gab es zu bestaunen – von rustikal über verspielt bis hin zu knallbunt. Bezaubernd bemaltes Geschirr, edle Schalen und Schüsseln,Töpfe, Krüge, Kannen, Vasen – Wer auf der Suche nach originellen Wohnaccessoires war, wurde hier mit Sicherheit fündig. Uhren und Spiegel in Keramikeinfassungen, Kerzenhalter und Windlichter, Zimmerbrunnen und liebevoll gestaltete Dekorationen für Blumentöpfe und Gärten stellten die Besucher vor die Qual der Wahl. „Manche Leute suchen schon Weihnachtsgeschenke“, haben Christa und Günter Assner festgestellt, die eine Tonwerkstatt in Augsburg betreiben und schon seit vielen Jahren nach Landsberg kommen. Auch bei ihnen gilt: „Es ist zwar kein Jahr wie das andere, aber heuer sind die Reaktionen sehr verhalten.“ „Frühere Jahre waren wesentlich besser“, pflichtet Gabriele Weber aus dem oberpfälzischen Neumarkt bei. Der verregnete Freitag sei eine Katastrophe gewesen, meint Jürgen Mayer. Renate Maurer stand noch am nächsten Tag mit ihrem Stand im Matsch und bemühte sich vergeblich um eine Palette, um den Besuchern den Zugang zu erleichtern. Der denkmalgeschützte Platz müsse mit Vorsicht behandelt werden, sagt dazu Sven Curmann, der bei der Stadt der Ansprechpartner für die Aussteller ist. Man habe in früheren Jahren immer wieder versucht, das Gelände bei schlechtem Wetter mit Stroh oder Holz abzudecken. „Das eine ist eine Katastrophe zum Aufräumen, das andere zieht den Boden zu sehr in Mitleidenschaft.“

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