Impfzentrum Penzing: „Franz, eine Dosis ist noch da!“

Zur Belohnung eine Corona-Impfung?

Impfzentrum Penzing Fliegerhorst
+
Am Impfzentrum auf dem Fliegerhorst Penzing ist ein 57-jähriger Landsberger unberechtigter Weise geimpft worden.

Landkreis – Ein Corona-Impftermin durchs Hintertürchen? Diesen Eindruck erweckte zumindest der facebook-Post eines Lechstädters Anfang vergangener Woche. Öffentlich brachte der auch im Münchener Raum sozial Engagierte am Montag seine Freude darüber zum Ausdruck, dass er soeben am Impfzentrum (IZ) in Penzing geimpft worden sei. Ein Mittfünziger, der laut Impfver­ordnung wohl erst im Sommer an der Reihe wäre – wie kann das sein? Im Landrats­amt spricht man von einem „Kommunikationsproblem“ und macht dafür das Impfteam der Johanniter verantwortlich. Der Geimpfte selbst sagt, er sei spontan zur Impfung eingeladen worden.

Der Vorgang wäre gewiss nicht an die Öffentlichkeit gekommen, hätte der Lechstädter seine Impfung nicht gleich auf facebook gepostet. Wir nennen den in Landsberg gut bekannten und bestens vernetzten Zeitgenossen Franz L., da er namentlich nicht erwähnt werden möchte. „Das mit dem Post hätte ich besser lassen sollen“, räumt er im Gespräch mit dem KREISBOTEN ein. So aber währt es nicht lange, bis sich neben zahlreichen Gratulationen aus dem Freundeskreis auch kritische Kommentare einstellen. Höchste Zeit, den Post wieder zu löschen. Doch da war‘s zu spät. Unter anderem ein Landsberger Arzt empfand die Impfung eines vergleichsweise jungen Mannes sehr verwunderlich. Schließlich gab es zu diesem Zeitpunkt gewiss noch genug Menschen in der höchsten Risikogruppe, die noch nicht mal einen Termin haben. Eine Impfung ohne Berechtigung?

Eine medizinische Assistentin am Impfzentrum in Penzing soll schuld an der versehentlichen Corona-Impfung des Landsbergers Franz L. sein, heißt es aus dem Landratsamt.

Der Mediziner hakt deshalb in der Kreisbehörde nach. Und zwar gleich beim Leiter des Impfzentrums. In seiner Antwort beteuert Peter Rasch, dass es nach seinem Kenntnisstand bisher zu keinen Impfungen „unberechtigter Personen“ gekommen sei, räumt aber im nächsten Atemzug ein: Besagter Fall vom Montagabend sei einer Kommunikationspanne geschuldet. Eine Wiederholung sei so gut wie ausgeschlossen.

Was war passiert? Bei einem Pressetermin über den von dem Mittfünfziger angeregten Impf-­Anmeldebogen (siehe Seite 1) sollten auch Fotos einer „echten Impfung“ gemacht werden. Mit anderen Impfwilligen war das aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht möglich, so Landratsamtssprecher Wolfgang Müller, deshalb habe man sich in Absprache mit dem Impfteam der Johanniter auf eine „Impfung ohne Impfstoff“ für möglichst „realistische Aufnahmen“ verständigt. Hauptdarsteller Franz L., Nebendarstellerin eine medi­zinische Assistentin des Impfteams. Diese habe ihren Auftrag „sehr wörtlich genommen“ und tatsächlich eine echte Impfdosis gespritzt, sagt Rasch, just, als sie, der Darsteller und der Foto­graf für wenige Minuten allein waren. IZ-Leiter Peter Rasch sowie IZ-Verwaltungsleiter Andreas Ortmann wären zu diesem Zeitpunkt mit anderen Mitarbeitern im Gespräch und konnten deshalb nicht mehr eingreifen. Die Schuldige ist damit gefunden.

Eine Dosis ist noch da

Trägt sie die Schuld? Oder ist die Frau nur ein Bauernopfer? Auszuschließen ist Letzteres nicht, denn der Geimpfte selbst schildert den Vorgang ganz anders: Zu Beginn des Pressetermins sei seine Frage nach einer „echten Impfung“ mit einem klaren „Nein“ beantwortet worden, doch am Ende, als er sich gerade auf den Heimweg machen wollte, „kam einer raus“ und habe gerufen, es sei aufgrund einer kurzfristigen Absage „noch eine Dosis da“. Franz L. musste nicht lange überlegen, wenig später war er gegen Corona geimpft und der Erfolg via facebook bejubelt. Perfekt gelaufen. Fast.

Bedauernswert

„Wir bedauern den Vorfall sehr“, betont Landratsamtssprecher Müller auf Anfrage des KREISBOTEN. Das Personal sei nach dem „einzigartigen Fehler“ (Rasch) nochmals darüber belehrt worden, wer geimpft werden dürfe, und dass notwendige Schriftstücke von einem Arzt vor der Impfung zu unterzeichnen seien. „Damit sollte es Vorfälle dieser Art in Zukunft nicht mehr geben.“ Müller weiter: „Selbstverständlich kommen keine LandkeisbürgerInnen in den Genuss einer Adhoc-Impfung.“ Offensichtlich mit einer Ausnahme: Franz L.. Und der hat auch schon einen Termin für die zweite Impfung, sagt er freudestrahlend, will es aber nicht mehr auf facebook posten.
Toni Schwaiger

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Landsberg: Maskenverweigerer lockt Landratsamts-Mitarbeiter ins Freie
Landsberg: Maskenverweigerer lockt Landratsamts-Mitarbeiter ins Freie
Impfen in Penzing und das Prioritäten-Problem
Impfen in Penzing und das Prioritäten-Problem
Neue Corona-Infektionen im Klinikum Landsberg
Neue Corona-Infektionen im Klinikum Landsberg
Erfolgreich: der Rapper Azan aus Kaufering
Erfolgreich: der Rapper Azan aus Kaufering

Kommentare