Die mit den orangenen Pompons fliegen

Wie geht‘s den Bienen? Ein Besuch in der Landsberger Imkerschule

Bienen-Fachberater Arno Bruder (rechts) und Imkermeister Christian Engelschall
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Bienen-Fachberater Arno Bruder (rechts) und Imkermeister Christian Engelschall begutachten eines ihrer Bienenvölker.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landsberg – Bienen ... War da nicht was? Richtig: 2018 rief der Landkreis Landsberg das „Jahr der Biene“ aus und im Juli 2019 führte das „Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ zu einem verbesserten Naturschutzgesetz im Freistaat – für blühende und summende Landschaften. „Es tut sich ein bisschen was“, sagt der Fachberater für Imke­rei des Bezirks Oberbayern und zugleich Leiter der Bezirks-Imkerschule in Landsberg Arno Bruder. „Aber“, mahnt er, „es ist noch nicht genug.“ Pro Quadratkilometer brauche es vier Bienenvölker, um eine flächendeckende Bestäubung zu gewährleisten. Im Landkreis sind es noch knapp unter vier.

Die Imkerschule in Landsberg am Pulverturm: An der Einflugschneise der Bienenstöcke summt es schon kräftig. Die Hinterbeine der Insekten schmücken orangene Pollen-Pompons, sogenannte Pollenhöschen. „Das ist Schneeglöckchen-Pollen“, erklärt Bruder. Aber auch erste Weiden, Winterlinge und Krokusse werden von den Bienen besucht. Bruder zeigt in eine Obstbaumkrone auf dem Gelände: „Da oben fliegt ein dicker Brummer. Eventuell schon eine Hummelkönigin.“ Einzelne Bienen waren aber auch schon in den kalten Tagen unterwegs: „Das sind die Wasserholer“, erklärt Bruder.

Die warmen Tage haben die Tiere aktiviert. „Aber die Wärme kommt zu früh“, befürchtet der Fachmann. Ein Frost könnte alles kaputtmachen – so wie letztes Jahr: mit ein Grund, warum es 2020 nur wenig Honig gab. Das Frühjahr sei zwar gut gestartet, erinnert sich der Imkermeister. Aber dann kam die Kälte: „In dieser Zeit haben die Bienen einen Großteil des schon gesammelten Nektars wieder weggefressen“, sagt Bruder. „Die sammeln den Honig ja für sich, nicht für uns.“ Dazu gesellte sich dann noch der in Oberbayern eher feuchte und unbeständige Sommer. Und so sei letztes Jahr zum Beispiel die Ernte des dunklen Waldhonigs ausgeblieben.

Ausreichend Winterfutter

Den Winter haben die Tiere in Landsberg gut überstanden. „Wir haben nur fünf Völker verloren“, berichtet Imkermeister Christian Engelschall – bei insgesamt knapp 50 Völkern ein normaler Verlust. Andere Regionen Oberbayerns hätten aber auch einen Ausfall von 80 Prozent. Wie gut die Bienen den Winter überstehen, hänge unter anderem davon ab, ob die Varroa-­Behandlung richtig ausgeführt wurde, sagt Bruder. „Aber es ist auch wichtig, dass der Anschluss ans Winterfutter klappt.“ Denn im Winter ziehen sich die Bienen aus Wärmegründen zu einer Traube zusammen. Das vom Imker bereitgestellte Futter darf von der nicht zu weit entfernt hängen. „Da sind oft drei, vier Zentimeter entscheidend“, mahnt Bruder.

Ein paar Waben sind schon gefüllt.

Die Faulbrut hingegen habe letztes Jahr keine großen Auswirkungen mehr gehabt. Nach einem letzten Ausbruch im Herbst 2019 habe man den Winter noch abwarten müssen. Aber im Frühjahr wurde das letzte Bienenvolk, in dem die Faulbrutsporen zu finden waren, saniert: Die Bienen sind ohne Brut in einen neuen Stock mit neuen Waben umgezogen.

Das Problem, das sich auch bei der Faulbrut zeigt, liegt laut Bruder vor allem bei den zahlreichen kleineren Imkern, die ihre Völker nicht beim Veterinäramt gemeldet haben, was eigentlich Pflicht ist. Die Nichtgemeldeten ‚Kontaktbienen‘ zu finden und zu prüfen, sei dann natürlich schwierig. „Man kann ja auch mal einen übersehen – wie bei Corona“, sagt Bruder.

Der Trend zum Imkern sei ungebrochen, weiß der Fachberater. Auch wenn die Kurse der Imkerschule dieses Jahr bisher nur online stattfinden, seien sie gut besucht. Auch 2020 fanden teilweise die Kurse schon online statt, aber es habe auch 64 Tage Präsenzunterricht gegeben. „Insgesamt hatten wir 2020 knapp 800 Kursteilnehmer“, sagt Bruder. Auch zahlreiche Bauanträge für Bienenhäuser – wenn man mehr als zehn Bienenvölker hat – seien gestellt worden: dieses Jahr allein 18. „Jetzt haben viele Zeit“, weiß Imker. Die ‚neuen Imker‘ schießen aus dem Boden, zum Leidwesen des Fachmanns. Denn Imkern ist kein einfaches Hobby, betont Bruder. Mal schnell am Wochenende Bienen versorgen geht nicht. Was ihm ebenfalls auf dem Magen liege: private Imkerschulen, für die es ja keine ‚Schulaufsicht‘ gebe. Einige der Anbieter haben Bruders Ansicht nach schlichtweg zu wenig Erfahrung. Und zudem seien sie oftmals nicht gerade günstig.

Genug Blüten?

Was die Blühflächen im Landkreis betrifft, wünscht sich der Imker noch Nachbesserungen. Die Bepflanzungen beispielsweise der Kreisel sei zu begrüßen. Auch die Altflächen bei der Lechrainkaserne, wo auch Wildbienen summen, weiß er zu schätzen. Aber im Großen hapere es noch. Teilweise schneide man Wegränder „OP-rein“, kritisiert Bruder. Nötig sei aber eine „zusammenhängende ökologische Grundflächenstruktur“. Und die Steingärten würde Bruder am liebsten verbieten – was das Bundesland Baden-Württem­berg tatsächlich getan hat.

Wie Blühflächen am besten gesät werden sollten, hat die Imkerschule in ihrem Obstgarten getestet. Das Ergebnis: nicht zu tief fräsen, sonst wuchert das Saatgut wieder zu. Und natürlich freuen sich Bienen immer über Obstbäume: „Obst und Bienen gehören zusammen“, sagt Bruder. Deshalb ist die Imkerschule auch stolz auf ihre Apfelbäume – vorwiegend alte Sorten –, um die sich Imkermeister Franz Schröttle aufopfernd kümmert. Und so soll es auf dem Schulgelände bald auch Obstbaum-Schneidekurse geben. Und direkten Honigverkauf. Denn neben Blühflächen und Obstbäumen können Verbraucher noch etwas tun: Honig beim Imker vor Ort kaufen. Denn nur da ist sicher, dass kein Honig aus Asien drin ist. Oder dass der süße Nektar nicht mit Reissirup gestreckt ist.

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