»Angekommen bin ich noch nicht!«

Wie Landsbergs Kämmerer Alexander Ziegler den neuen Job erlebt

Stadtkämmerer Alexander Ziegler
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„Ich bin nicht der typische Vorgesetzte, sondern ein Teamplayer“, sagt Landsbergs neuer Kämmerer Alexander Ziegler.

Landsberg – Er wacht seit Anfang des Jahres über die Finan­zen der Stadt: Alexander Ziegler ist seit 1. Januar der neue Landsberger Kämmerer. Wie der Start unter Corona-Bedingungen gelungen ist und warum er sich noch lange nicht angekommen fühlt, erzählt der 40-Jährige im Gespräch mit dem KREISBOTEN.

In seinem Büro hängen keine dekorativen Bilder an den Wänden, sondern Pläne der Stadt. Wenn es um Grundstücke und Bauprojekte geht, will Alexander Ziegler nicht nur Zahlen auf dem Papier sehen, sondern ein Gefühl für die Lage im Stadtgebiet bekommen.

Der Verwaltungsbetriebswirt und Betriebswirt (VWA) ist keiner, der Zeit mit Nebensächlichkeiten verschwendet. Und keiner, der oberflächlich auf die Dinge schaut, um dann als neuer Besen alles durcheinander zu wirbeln. „Ich will die Prozesse kennenlernen. Ich will verstehen, weshalb etwas so gemacht wird, wie es gemacht wird, und es zu Ende denken“, sagt Ziegler. Es habe sich ja jemand etwas dabei gedacht. Erst, wenn er die Dinge vollständig durchdrungen hat, könne man anfangen, über Änderungen nachzudenken.

Dazu passt seine Haltung den Mitarbeitern gegenüber – die er bewusst nicht so nennt, sondern als Kollegen bezeichnet. „Ich bin nicht der typische Vorgesetzte, sondern ein Teamplayer. Ein offener Umgang ist mir wichtig.“ Jeden seiner Kollegen in der Kämmerei hat er bereits als Experten auf einem bestimmten Gebiet kennengelernt.

„Sehr gut aufgenommen“ fühle er sich, betont der neue Kämmerer – aber angekommen noch lange nicht. „Angekommen ist man erst, wenn man alle Kollegen, das ganze Haus und alle Abläufe kennt, mit allen Stadträten und auch mit Bürgern ins Gespräch gekommen ist. Nach wenigen Wochen kann das noch nicht der Fall sein.“ Allein in seinem unmittelbaren Arbeitsbereich unterstehen Ziegler knapp 100 Leute – fast doppelt so viele wie an seiner früheren Wirkungsstätte Bobingen.

Die Einarbeitung

Die ersten Wochen waren geprägt von Besprechungen mit Abteilungsleitern und den Referenten des Stadtrats, von Sitzungsvorbereitungen und ersten Kontakten mit den Stadtwerken, vom Kennenlernen der anstehenden städtebaulichen Projekte und vom Einstieg in das Anordnungswesen – also die Zahlungen, die von der Kasse geleistet werden.

Den Etat 2021, an dessen Aufstellung er noch nicht selber beteiligt war, kann Ziegler mit guten Gefühl mittragen. „Der Haushalt ist vorsichtig aufgestellt.“ Man werde abwarten müssen, wie sich die Pandemie auf die Steuereinnahmen auswirkt. „Auf Sicht fahren“ –in diesen Monaten eine oft gehörte Maxime – ist auch Zieglers Ansatz.

Zumindest noch hat man nicht den Eindruck, dass der Kämmerer im Stadtrat als ständiger Mahner auftreten wird, der auf Einschnitte bei den freiwilligen Leistungen drängt. Das städtische Handeln auf die Pflichtaufgaben zu reduzieren, sei „sehr schwierig bis unmöglich“. Denn gerade das, was über das Pflichtprogramm hinausgehe, sei es ja, „was eine Stadt lebenswert macht“.

Fundiert beraten

Und so wird es ihm nicht darum gehen, Investitionen wie die Sanierung von Stadtmuseum und Inselbad oder den sozialen Wohnungsbau auf die lange Bank zu schieben. Vielmehr will Ziegler den Stadtrat umfassend informieren und beraten, will unter Ausschöpfung aller Fördermöglichkeiten fundierte Finanzierungsvorschläge machen, so dass auf dieser Basis Prioritäten gesetzt werden können. Weder finanziell noch personell werde es möglich sein, alles gleichzeitig umzusetzen. Aber man könne die Projekte „parallel vorbereiten“.

Im übrigen, betont der Landsberger Kämmerer, müsse man nicht alles in Euro und Cent bewerten. Auch Einrichtungen, die keine Millionen verschlingen, machen in seinen Augen die Attraktivität Landsbergs aus – so zum Beispiel der Wildpark, der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sei. Und den auch Ziegler mit Frau und drei Kindern schon besuchte, lange, bevor er sein Büro im Rathaus bezog.
Ulrike Osman

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