2.800 Euro Geldstrafe und Führerscheinentzug

Rabiate Oma am Steuer: "Ich lass‘ Dich nicht vorbei!"

+
Geldstrafe und Führerschein­entzug setzte es für eine 81-Jährige wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs.

Landsberg/Lechrain – Wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs ist eine 81-Jährige aus dem südlichen Landkreis vom Amtsgericht Landsberg zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Außerdem ist die Frau für acht Monate ihren Führerschein los. Laut Anklage hatte die Seniorin einen Kleintransporter am Überholen gehindert, indem sie auf die linke Spur zog, um den anderen nicht vorbeizulassen.

Wie im KREISBOTEN bereits berichtet, fuhr die 81-Jährige am 17. Januar in ihrem Citroen auf der Staatsstraße 2057 in Richtung Ludenhausen. Hinter ihr war ein 52-Jähriger in einem Lieferfahrzeug auf dem Weg von Rott nach Landsberg. Da die Seniorin lediglich mit etwa 80 Stundenkilometern unterwegs war, setzte der BMW-Ersatzteilfahrer zweimal zum Überholen an. Doch jedes Mal, wenn er an dem Citroen vorbeiziehen wollte, lenkte die 81-Jährige über die Mittellinie nach links, so dass der 52-Jährige den Überholvorgang abbrechen musste.

Nach der langgezogenen Rechtskurve vor dem Ortseingang versuchte er ein drittes Mal, an der alten Dame vorbeizukommen, die inzwischen nur noch 50 Stunden­kilometer fuhr. Wieder zog die 81-Jährige nach links, und dieses Mal kam es zu einem Streifzusammenstoß. Anschließend seien beide ausgestiegen, berichtete der 52-Jährige im Zeugenstand. Die Frau habe ihm vorgeworfen, ihr Auto beschädigt zu haben, und sei dann einfach weggefahren. Der Mann machte Handyfotos von dem abfahrenden Auto und rief die Polizei.

Rechts gefahren?

Die Angeklagte hatte den Vorfall gänzlich anders in Erinne­rung. Auf der Staatsstraße wollte sie den Kleintransporter und seine Überholversuche gar nicht bemerkt haben. „Sie glaubt, dass sie meist rechts gefahren ist“, erklärte Verteidiger Peter Amend. Erst in Ludenhausen habe seine Mandantin das andere Fahrzeug im Rückspiegel gesehen. Es sei sehr dicht hinter ihr gewesen. „Sie hat sich erschrocken und das Steuer verrissen. Dadurch kam es zu der Kollision“, so Amend.

Die 81-Jährige behauptete zudem, nicht ausgestiegen zu sein, aber im Auto auf die Polizei gewartet zu haben. Die sei auch gekommen. Ein Beamter habe ihre Personalien aufgenommen und ihr dann gesagt, das andere Fahrzeug habe keinen Schaden – sie könne nach Hause fahren.

Diese Version wurde durch die Aussage des Polizeibeamten widerlegt. Ihm zufolge war die Frau nicht mehr an der Unfallstelle, als der Streifenwagen eintraf. Da der Transporterfahrer aber das Kennzeichen fotografiert hatte, war die 81-Jährige schnell ermittelt und wurde von den Beamten zu Hause angetroffen. Dort behauptete sie, der Transporter habe ihr Fahrzeug beim Überholen gestreift – sie selbst treffe keine Schuld. Außerdem habe sie immer wieder geäußert, dass der andere Fahrer an dieser Stelle nicht hätte überholen dürfen, weil man schon im Ortsbereich von Ludenhausen gewesen sei, berichtete der Beamte. „Es war ein gewisser erzieherischer Ansatz da, kein Schuldbewusstsein oder Einsicht.“

Die Staatsanwaltschaft erließ schließlich einen Strafbefehl gegen die Seniorin. Im Juni entschied das Amtsgericht Augsburg, ihren Führerschein einzuziehen. Derselbe Beamte, der im Januar den Unfall aufgenommen hatte, rückte an, um das Dokument sicherzustellen. Mit Engelszungen haben man auf die Frau einreden müssen, bis sie den Führerschein herausgab, berichtete der Polizist.

Wiederholungstäterin

Die Seniorin hatte zuvor bereits zweimal Ärger im Straßenverkehr gehabt. Im Jahr 2017 musste sie 70 Euro Geldbuße zahlen, weil sie ein Überholverbot missachtet und ihren Vordermann durch dichtes Auffahren und Lichthupe bedrängt hatte. Im Februar 2018 fuhr sie auf der A96 gute 20 Stundenkilometer zu schnell und wurde zu 105 Euro Geldbuße verdonnert.

Dieses Mal wird es noch teurer. Richter Michael Eberle verurteilte die Witwe wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Geldstrafe von 2.800 Euro (70 Tagessätze à 40 Euro). Ihr Führerschein bleibt für weitere fünf Monate eingezogen. Die ebenfalls angeklagte Unfallflucht wurde gestrichen, weil am Fahrzeug des 52-Jährigen tatsächlich kein Schaden entstanden war.

Gewisse Verwirrung

Eberle glaubte nicht, dass die Seniorin bei ihrer Schilderung des Unfalls bewusst gelogen hatte – eher, dass eine gewisse Verwirrung vorlag und sie Erinnerungen durcheinander brachte. Das mache es schwierig, am Straßenverkehr teilzunehmen. „Sie müssen überlegen, wie Sie Ihre Zukunft anders gestalten können. Sie müssen Verantwor­tung übernehmen“, legte er der Arztwitwe ans Herz, die bis zuletzt darauf beharrte, nichts falsch gemacht zu haben.
Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Indische Pizza im Dießener Bahnhof?
Indische Pizza im Dießener Bahnhof?
Landsberg: Altkleidercontainer der privaten Firma müssen weg
Landsberg: Altkleidercontainer der privaten Firma müssen weg
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee

Kommentare