Wien, Hollywood und retour

Natascha Reinert, Daniela Reith und Johanna Sophia Winter überzeugten „Heute Abend: Lola Blau“. Foto: Simon

Eigentlich möchte sie nur spielen und singen, für Politik interessiert sich die junge Schauspielerin überhaupt nicht. Doch bald wird sie von der Realität des Jahres 1938 eingeholt: nachdem Hitlers Truppen in Österreich einmarschiert sind, muss sie Wien verlassen, ein Engagement in Linz zerschlägt sich. Warum? Lola Blau ist Jüdin. Das Erfolgsmusical von Georg Kreisler feierte am Freitagabend in Schwabhausen Premiere, inszeniert von Otto Novoa.

Cabaretatmosphäre im Saal des Restaurants „Da Armado“ in Schwabhausen: kleine Tische, beleuchtet von Kerzen. Ein silberner Fadenvorhang auf der Bühne, auf den im Laufe des Abends verschiedene Lichtstimmungen verblüffende Farbeffekte zaubern werden. Erzählt wird die Geschichte einer steilen, wenn auch eher unfreiwilligen Karriere. Lola Blau, eine junge, jüdische Schauspielerin muss vor den Nazis aus Österreich flüchten, hält sich in der Schweiz mit Tingel-Tangel über Wasser. Kurz vor ihrer Ausweisung bekommt sie die Chance auf ein Engagement in den USA, wo sie große Erfolge feiert. „Madame ist ein Verwandlungskünstler, einmal ein jüdischer Flüchtling, einmal die große Diva“ wird ihr ein Mitpassa­- gier auf dem Weg nach Amerika sagen. Diese „Doppelrolle“ verdeutlicht Regisseur Otto Novoa durch eine Doppelbesetzung der Protagonistin. Die Anfänge in Österreich und in der Schweiz verkörpert Daniela Reith, die erfolgreiche Sängerin wird von Natascha Reinert dargestellt. Lola 1 ist zunächst optimistisch, verspielt, probiert ihren neuen Künstlernamen. Dieser Schwung weicht Traurigkeit und Nachdenklichkeit. Sehr ergreifend interpretiert Daniela Reith die ruhigeren Songs, lässt unter der Fassade der munteren Chansonsängerin immer eine Verletzlichkeit durchschimmern. Die Verwandlung vollzieht sich auf der Reise nach Amerika, visualisiert durch eine Spiegelszene, in der Lola 2 (Natascha Reinert) übernimmt. Diese ist ein Star mit entsprechenden Allüren, hat die Fassade perfektioniert. Charmant-witzig wirbelt Natascha Reinert durch anzüglich-hintergründige Chansons, bei denen sich ein Imagewandel vollzieht. Die amerikanische Lola wird mehr und mehr zum Sexsymbol, immer „erotischer“ ihre Performance, immer größer ihre Bitterkeit darüber. Schließlich kehrt sie nach Wien zurück, wo sie feststellen muss, dass sich kaum etwas geändert hat… Daniela Reith und Natascha Reinert überzeugen gleichermaßen schauspielerisch und ge­sanglich und interpretieren die nicht immer einfachen Chansons charmant und einfühlsam. Unterstützt werden sie dabei von der wunderbaren Pianistin Johanna Sophia Winter, die auch als Conférencier die Szenenwechsel moderiert. Weitere Vorstellungen: 24., 25. September und 1. Oktober bei „Da Armando“ in Schwabhausen sowie 16. und 17. September im Stadttheaters Landsberg. Alle Vorstel­lungen begin­- nen um 20 Uhr.

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