Stadtrat lehnt Lärmschutz ab

Alibi-Efeu hilft da nicht weiter

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Dass für eine Neubebauung entlang der B17alt/Schongauer Straße eine Schallschutzwand erforderlich ist, dürfte in der Bauverwaltung nicht neu sein: Auch das Baugebiet „Obere Wiesen“ musste erst mal vor Verkehrslärm geschützt werden

Landsberg – Alfred Ganzenmüller war die Verblüffung deutlich anzumerken. „Abgelehnt?“ staunte der Referatsleiter des Bauamtes, nachdem der Stadtrat sich mit 12:12 Stimmen nicht zum Bebauungsplan für den „Wiesengrund“ durchringen konnte. „Ich weiß jetzt nicht genau, was ich machen soll.“ Damit stehen vorerst auch (im Haushalt fest eingeplante) 2,3 Millionen Euro aus dem Grund- stücksverkauf auf der Kippe.

Dass auf dem Grundstück an der Schongauer Straße (gegenüber des ehemaligen Ford-Autohauses) mehrere viergeschossige Häuser gebaut werden sollen, war eigentlich beschlossene Sache. Den Planungen des Ulrichswerks der Diözese Augsburg hatte der Bauausschuss im Juni vergangenen Jahres einstimmig zugestimmt.

Die böse Überraschung kam danach aus der Unteren Imissionsschutzbehörde: sie besteht auf Schallschutzwänden. „Die erste Stel- lungnahme aus dem Landratsamt war niederschmetternd“, berichtete Ganzenmüller, „danach hätten wir dort eigentlich gar nicht bauen können.“ Zwar war die Bebauung im Plan bereits zur Straße hin erhöht, um möglichst viel Verkehrslärm abzuhalten – das reichte aber offenbar nicht aus. Nicht nur Schallschutzfenster in Kinder- und Schlafzimmern sowie vollverglaste Wintergärten sollen verbaut werden. „Dort, wo die Stichstraßen in die Wohnbebauung führen, müssen Schallschutzwände hin“, so Ganzenmüller. In Verhandlungen mit dem Landratsamt erreichte er dann, dass deren Höhe von neun auf sechs Meter reduziert werden konnte.

Auch das war aber einigen Stadträten noch zu viel. „Ich habe schon ein Problem, das jetzt so laufen zu lassen, wer nimmt denn so etwas als Käufer“, fragte sich Traudl Lüßmann (Grüne). Diese Bedenken teilte Ganzenmüller nicht. „Das nehmen viele, da würde ich wetten. Wir haben schon mehr Bewerber als Grundstücke.“ Die Aussicht auf große Betonwände kam trotzdem nicht bei allen Ratsmitgliedern gut an. „Es sollte eine schöne Ortseinfahrt geschaffen werden, jetzt käme man in eine Art Tunnel hinein“, monierte Dr. Wolfgang Weisensee (LLM). „Da hilft dann auch ein bisschen Alibi-Efeu an den Mauern nichts.“

Abgelehnt und vertagt

Auch, wenn das „unglücklich“ sei, müsse man die Planungen wohl „erst einmal zurückgeben“, so Bürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV), die mit einem Kniff immerhin das komplette Aus für das Projekt verhinderte: Obwohl nach dem Patt in der Abstimmung der Bebauungsplan schon abgelehnt war, wurde der gesamte Punkt dann in einer weiteren Abstimmung (15:8) „vertagt“.

Jetzt soll möglichst schnell eine geänderte Planung her – ohne hohe Wände. Wie das gehen soll, war der CSU nicht klar: „Wir brauchen dort Lärmschutz“, so Berthold Lesch, „das geht nur über Wände, oder über eine verschränkte Riegelbebauung. Das wollen wir aber auch wieder nicht.“

"Wir haben Verträge!"

Ob ein neuer Entwurf in der Kürze der Zeit zu bewältigen ist, dürfte ohnehin eine spannende Frage werden. Frühestens in der Sitzung im April könnte der Stadtrat erneut entscheiden, formal gesehen ist das aber bereits zu spät. „Wir haben Verträge mit dem Käufer“, erklärte Kämmerer Peter Jung auf Nachfrage. „Unter anderem sind wir verpflichtet, noch im März einen Bebauungsplan vorzulegen.“ Wenn man das nicht schafft, habe die Stadt „grundsätzlich ein Rückkaufsrecht für die Grundstücke“. Damit wären die 2,3 Millionen, die Jung in den Haushalt für den Verkauf eingestellt hat, aber wohl erst einmal weg. „Das würde sich dann in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr realisieren lassen.“

Dass für das neue Baugebiet vom Landratsamt Schallschutzmaßnahmen gefordert werden würden, dürfte dabei eigentlich nicht ganz überraschend gewesen sein: Am „Wiesenring“, nur wenige Meter weiter im Süden des „Wiesengrunds“, wurde vor Jahren angesichts der starken Verkehrsbelastung von rund 11000 Fahrzeugen pro Tag ein mächtiger Wall zwischen Straße und Neubaugebiet Obere Wiesen errichtet.

Christoph Kruse

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