"Wilde Gärten" für Brasilien – Peter Horton begeistert beim Benefizabend des "Eine-Welt-Förderkreises" Windach

„...nicht alles dient dem Wohl des Leibes, was entspringt dem Hirn des Weibes.“ Der echte Wiener Schmäh, diese hyperzynische Haltung zum Leben und den Weltläufen, schimmert immer noch in solchen Sätzen durch. Doch im Laufe der letzten Jahre sei er, der Alt-68er, milder geworden, sagt Peter Horton am Samstag im vollbesetzten Pfarrsaal von Windach.

Horton spielt zugunsten des Straßenkinderheimes Lajedao in Brasilien. Gage bekommt er nicht, Eintritt wird nicht verlangt, aber, wie Organisator Hans Nützel charmant bemerkt, „Scheinwerfer“ werden gerne gesehen. Die meisten Zuschauer kennen Horton vom Fernsehen her. Da wirkt er größer. Etwa 1,75 misst er. Doch der Liedermacher hat eine gewaltige Ausstrahlung. Für seine 67 Jahre sieht er teuflisch gut aus. Seine Stimme ist betörend, seinen Haaren fehlt schon lange das Dunkel, sie sind schlohweiß. Elegante schwarze Schuhe, passender Gürtel dazu, Jeans und ein hellblaues Button-Down-Hemd im Oxfordstoff, lassen ihn ewig-jugendlich erscheinen. Seine feingliedrigen Hände sind sehr gepflegt, es fällt auf, dass die Nägel der rechten Hand länger sind als die der linken. Klar, die braucht er zum Zupfen beim Gitarrenspiel. Horton schaut ruhig und gelassen ins Publikum. Rechts von ihm eine Akustik-Gitarre, links eine elektrische. „Avalon“ heißt das Modell, wie er uns verrät. Stammt aus der Schweiz und sieht edel aus. Sein Publikum ist mit ihm gealtert. Es kennt seine berühmten Lieder, die vor 40 Jahren wie hübsche exotische Blumen in einem Meer von Belanglosigkeit erschienen, wo Chris Roberts so unsägliche Sätze singen konnte wie „Ich bin verliebt in die Liebe“ oder Autisten wie Christian Anders sich in einen Zug setzten, um nach „Nirgendwo“ zu fahren. Beim „Kartendipplerblues“ singen viele mit, jede Zeile ist auswendig parat. Dieses wunderbare Lied vom verlorenen Kartenspiel in einem Wiener Beisl ist der endgültige Rausschmeißer. „I’m counting for my life, it’s only sixty five!“ Diese Sätze haben viele durchs Leben begleitet. Nur eine Zugabe! Damit gibt sich im Pfarrsaal niemand zufrieden. Vier mussten es schon sein: „Solange du in dir selber nicht zu Hause bist... solange Leben nur in der Pause ist“, und „Lass das Haar mal in der Suppe“, diese Zugaben sind charakteristische Lieder des Poeten, der gut singt und virtuos mit der Gitarre umgehen kann. Viele Lieder seiner jüngsten CD „Wilde Gärten“ bringt Horton an diesem Abend. Es sind vertonte Gedichte, die Lebenserfahrung und Nachdenklichkeit widerspiegeln. Sie kreisen um die Beziehung zwischen Mann und Frau, um die Liebe – „Was ist ein Mensch, der liebt?“, aber auch das Thema „Ökologie“ lässt er nicht aus. Interessant wie er den Vater Staat personalisiert und aus ihm einen Menschen macht, der eine wohltuende Mutter braucht. Die sollte ihm aber manchmal eine Watschn geben, meint er. Die zwei Stunden des Konzerts vergehen wie im Fluge. Woran das liegt? Es ist die gelungen zurückhaltende Moderation Hortons. Er drängt sich nicht auf. Er führt ein kleines, feines intimes Gespräch mit seinen Zuhörern. Ab und zu liest er aus seinen Büchern vor, von denen er acht geschrieben hat. Alles ist aufeinander abgestimmt. Horton setzt sich nicht in Szene. Die Dinge sprechen für ihn und wir lernen dabei Sätze wie: „Poesie ist der weibliche Teil der Sprache, und wir Männer haben noch viel zu lernen“. Pianistin Slava Kantcheff, mit der er neun Jahre lang verheiratet war, assistiert Horton. Sie liest aus seinen Texten vor, erntet Lachen bei der Geschichte vom Dieb im Pfarrhof. Das Lied von „Erbonkelchens Tod“ singt sie mit ihm im Duett. Eine hübsche Abwechslung. Brasilien liegt Peter Horton am Herzen, er hat dort Gitarrenstudien getrieben. So verzichtete er für den Abend in Wichach auf die Gage und legte sogar noch 500 Euro dazu. „Wir werden heute von Dingen unterhalten, die keine Seele haben, von Maschinen“, sagt Horton. Das Gegenteil lernen wir an diesem Abend kennen.

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