Ideal für einen Spaziergang

Wildnis pur bei Landsberg: das Nationale Naturerbe Andernachhof

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Wildnis direkt neben der Stadt: das Nationale Naturerbe Andernachhof
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Landsberg – Wer Skabiosen-­Flockenblume, Gelbbauchunke, rostbraune Wiesenvögelchen oder die „Goldene Acht“ sucht, könnte im Lechrain, genauer im Gebiet Andernachhof fündig werden. Denn das 58 Hektar große Gebiet ist seit 2016 Nationales Naturerbe und gehört dem DBU Naturerbe, einer gemeinnützigen Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Fläche, die die geplante Werkssiedlung von 3C-Carbon ins Reich der Utopien bug­sierte, umrahmt das Firmengelände im Norden und Osten. Wie weit sind die Entwicklungsmaßnahmen inzwischen fortgeschritten? Das weiß Jörg Tuchbreiter, Betriebsbereichsleiter und Koordinator vom Bundesforstbetrieb Hohenfels, der seit Ende 2018 die Maßnahmen mit dem zuständigen Revierleiter Lutz Saling koordiniert und umsetzt.

Mit seinen 58 Hektar ist der Andernachhof im Süden Landsbergs eines der kleinsten Nationalen Naturerbe-Gebiete, das das DBU Naturerbe in Bayern betreut. Dafür ist es das südlichste der Bundesrepublik. Zudem liegt die Fläche im ‚Natura 2000‘ Gebiet mit dem Vogelschutzgebiet (SPA) „Mittleres Lechtal“. Und auch dem Fauna-Flora-Habitat (FFH) „Lech zwischen Hirschau und Landsberg mit Auen und Leiten (steile Hänge)“, da es bei der Pitzlinger Staustufe 14 ans Lechufer grenzt.

„Das Gebiet beherbergt drei Kategorien: Offenland, Wälder und Feuchtgebiete“, beschreibt der 37-jährige Tuchbreiter. Das Grünland sei ideal für Heuschrecken und Schmetterlinge wie die Goldene Acht oder das Rostbraune Wiesenvögelchen. Allerdings darf dieses Grünland nicht intensiv landwirtschaftlich genutzt werden, betont Tuchbreiter: „Viele Schmetterlinge sind an spezielle Pflanzenarten gekoppelt, die ausschließlich auf naturnahen Weiden wachsen.“ Für die Grünflächen bedeute das nur ein- bis zweimal Mähen pro Jahr – zu einem festgelegten Zeitpunkt –, Abtransport des Mähguts und natürlich: kein Dünger. „Nur so sind sämtliche Pflanzen konkurrenzfähig“, erläutert Tuchbreiter.

Wildnis schaffen

Die in das auf drei Terrassenstufen liegende Grünland eingebetteten Waldflächen nehmen rund ein Viertel der Gesamtfläche ein. Sie sollen wieder in ‚naturnahen Zustand‘ gebracht werden. Das heißt: aus Nadel- wieder Laubwälder machen. Und sie dann vollkommen in Ruhe lassen, Wildnisgebiete ohne Forstwirtschaft. „In den Waldgebieten dort gibt es bereits viele Laubbäume“, konkretisiert Tuchbreiter. Nur noch in „kleinen Ecken“ müssen Nadelhölzer ausgezogen werden. Sobald rund 90 Prozent der Waldflächen wieder der „potentiellen natürlichen Vegetation dort entsprechen, geht das Gebiet in den Prozessschutz“, also das Nicht-Eingreifen. „Zusätzlich werden zwischen Offenland und Wald buchtenreiche Waldränder angelegt, die hinsichtlich der Artenvielfalt für Tier- und Pflanzenwelt hochinteressant sind“, sagt Tuchbreiter.

Durch den südlichen Teil der Fläche verläuft der Wiesbach. „Mit der naturnahen Entwicklung des Baches und dem Anlegen von weiteren Kleingewässern werden für die typischen Arten der Lechaue weitere Lebensräume gewonnen“, heißt es in der Beschreibung der DBU. Kleingewässer unter anderem für Amphibien wie die Gelbbauchunke: „Sie benötigt fischlose, krautarme Laichgewässer, die sich schnell erwärmen“, erläutert der Förster.

Überflutung ermöglichen

Wie genau die Feuchtgebiete gestaltet werden, richtet sich je nach der zu schützenden Art. So könne man auch darauf hinarbeiten, dass der Lech einzelne Gebiete überflute, um so dem ursprünglichen Flusslauf vor dem Bau der Staustufen wieder näherzukommen. Denn zahlreiche Arten benötigen gerade den Wechsel aus Flut und Trockenheit, um sich zu entwickeln.

Was in den kommenden zehn Jahren getan werden soll, werde gerade abschließend geprüft, berichtet Tuchbreiter: „Die Kartierung ist bereits abgeschlossen, der Plan soweit entwurfsfertig.“ Nun fehlen nur noch „letzte Abstimmungen“.

Seit dem Mittelalter gehörte die Fläche zum Gut Mittel­stetten, seit Ende des 18. Jahrhunderts bis 1985 zum Andernachhof. Danach nutzte die Bundeswehr die Liegenschaft als Standortübungsplatz . Die Fläche Andernachhof wurde jedoch kaum militärisch, sondern extensiv landwirtschaftlich genutzt und über viele Jahre mit Schafen beweidet.

Das Prinzip „Nationales Naturerbe“ ist eine Initiative des Bundes, der auf den Verkauf von Flächen im Bundeseigentum verzichtet und sie stattdessen dem Naturschutz übergibt. Dabei handelt es sich vor allem, wie im Süden Landsbergs, um ehemals militärisch genutzte Gebiete, das „Grüne Band“ entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, Flächen aus dem DDR-Volksvermögen sowie stillgelegte Braunkohletagebaue in Ostdeutschland.

Insbesondere Militärflächen seien „bedeutende Naturrefugien“, erläutert das DBU Naturerbe: oft große Flächen, die kaum von Straßen durchtrennt sind. Land- und forstwirtschaftliche Nutzungen hatten militärischen Anforderungen zu entsprechen. Das heißt, es wurden keine zusätzlichen Nährstoffe in Form von Dünger oder Pflanzen­schutzmittel verwendet. Das DBU Naturerbe hat mit rund 70.000 Hektar den größten Anteil an der gesamten Naturerbefläche des Bundes.
Susanne Greiner

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